Die Aussage des kantonalen Baselbieter Immobilien-Chefs Andreas Bhend in der bz vom Mittwoch sorgt andernorts für Kopfschütteln. Dass «seit zwei Wochen» der Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) die «neuen Pläne» für den Vierspurausbau durch Liestal vorliegen sollen, lässt die SBB-Verantwortlichen ziemlich ratlos zurück.

Das nach wie vor gültige Vorprojekt 2 ist dem Kanton Baselland und der Stadt Liestal bereits im April 2015 vorgestellt worden. Der Öffentlichkeit wurde es am 6. November 2015  im Beisein von Vertretern des Kantons Baselland und der Stadt Liestal präsentiert, wie SBB-Sprecherin Masha Foursova in Erinnerung ruft. Liestals Stadtpräsident Lukas Ott, der bei der bz-Lektüre ebenfalls über diese Aussage gestolpert ist, weist auf den «bereits hohen Detaillierungsgrad» der aktuellen Vierspurplanung hin, die seit 2013 im Rahmen regelmässiger, gemeinsamer Projektsitzungen der SBB mit der Stadt Liestal und der BUD abgeglichen worden ist.

Ergänzend habe es Arbeitsgruppensitzungen zu technischen Fragen gegeben. «Das Planungsverfahren war zu keinem Zeitpunkt intransparent. Seitens Stadt Liestal haben wir aktiv daran mitgearbeitet und unsere Anliegen einbringen können», führt Ott weiter aus. «Wenn einzelne Dienststellen der BUD nicht umfassend informiert sind», folgert Liestals Stadtpräsident, «hat dies mit der internen Organisation der BUD und nicht mit dem Projekt zu tun.»

Planauflage folgt im September

Tatsächlich neu sei hingegen, kündigt SBB-Sprecherin Foursova an, dass die Bundesbahnen das Auflageprojekt des Vierspurausbaus in wenigen Wochen dem Bundesamt für Verkehr zur Genehmigung vorlegen werden. Die Planauflage, in deren Rahmen die Projektdetails erstmals öffentlich für die Bevölkerung zugänglich gemacht werden, ist im kommenden September vorgesehen. Die SBB planen, ab 2019 bis 2025 die Bahngeleise durch Liestal auf vier Spuren auszubauen.

Aber auch was die Pläne von Palazzo-Chef Niggi Messerli angeht, mit dem Liestaler Kulturhaus auf die gegenüberliegende Seite des Bahnstrangs zu expandieren und im leer stehenden Gebäude an der Oristalstrasse 7 eine «Palazzo Factory» zu gründen, kann sich Stadtpräsident Ott eine Kritik am Kanton nicht verkneifen: «Wir haben dem Kanton seit 2013 regelmässig mitgeteilt, dass wir bezüglich des Oristals ein aktiveres Vorgehen begrüssen würden, da die Liegenschaft unmittelbar am Bahnhof mehr Potenzial besitzt.» Neben zwei Räumen, die das Palazzo im Januar für eigene Zwecke angemietet hat, lagert der Kanton im sonst leer stehenden ehemaligen Coop-Gebäude vor allem Fundstücke der Archäologie Baselland zwischen.

BUD verteidigt Nicht-Verkauf

Wenn die BUD jetzt mitteile, dass bis zum Abschluss des Vierspurausbaus 2025 jegliche Arealentwicklung auf dieser Seite des Bahnhofs ausgesetzt sei, stellt das für Liestal eine enttäuschende Haltung dar. «Der Kanton muss seine Entwicklerrolle gerade bei den eigenen Brachen generell offensiver wahrnehmen und Entwicklungen gemeinsam mit den Gemeinden vorantreiben», fordert Ott. Insofern begrüsse er es sehr, wenn Kulturhaus-Palazzo-Chef Messerli «wenigstens eine Vorstellung davon hat, was man an diesem Ort umsetzen könnte» – selbst angesichts des Umstands, dass das Gebiet auf der Oristal-Seite des Bahnhofs auch für Grossinvestoren interessant werden könnte.

Bei der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion zeigt man sich von Otts Kritik unbeeindruckt. Gespräche mit SBB-Vertretern über den Landverkauf, die am 28. April stattgefunden haben, hätten die Bestätigung «für die seit langem bekannte Tatsache erbracht, dass die Parzelle Oristalstrasse 7 vom Vierspurausbau tangiert» sein wird. Die an dieser Sitzung dem Kanton übergebenen Landerwerbspläne mit Datum vom 16. April 2017 zeigen laut Immobilienchef Bhend klar auf, dass der Kanton wird Teile des Areals an die SBB für den Vierspurausbau abtreten müssen. «In diesem Zustand mit einigen Unbekannten will der Kanton die Parzelle nicht veräussern», beharrt BUD-Sprecher Dieter Leutwyler.