Die Parkplatzthematik beschäftigt den Liestaler Einwohnerrat mit der Regelmässigkeit der Meeresgezeiten. Gestern Abend nun herrschte wieder einmal Flut. Verantwortlich dafür war Beat Gränicher (SVP), der mit seinem Vorstoss das erst im letzten Frühjahr in Kraft getretene, neu überarbeitete Parkplatzkonzept bemängelte. Dieses unterbinde mit seiner auf 1½ Stunden begrenzten Parkierzeit ein Einkaufserlebnis über mehrere Stationen.

Das habe Folgen, ergänzte Gränicher, der die Liestaler Coop-Filiale leitet: «Bei uns und auch bei andern Geschäften ist der Umsatz seit Einführung des neuen Parkregimes zurückgegangen, teilweise massiv.» Gränicher forderte, die Parkuhren rund ums Stedtli so schnell wie möglich umzurüsten, damit die Kunden drei bis vier Stunden parkieren können. Gleichzeitig verlangte er verbesserte Polizeikontrollen, um das Langzeitparkieren mittels Nachstellen der Parkuhren zu unterbinden.

Gränicher löste mit seinem Vorstoss eine lange Diskussion mit kontroversen Rezeptvorschlägen aus. Ladenbesitzer Peter Küng (SP) unterstützte zwar Gränichers Anliegen, die Parkierzeit auszudehnen, will gleichzeitig aber Langzeitparkierer mit progressiven Tarifen zur Kasse beten. Werner Fischer (FDP) wiederum verlangte für Liestals Gewerbe «gleich lange Spiesse wie für die Konkurrenz in Frenkendorf und Bubendorf». Was für ihn heisst, wieder die Gratis-Parkierstunde einzuführen, die nächsten Stunden moderat zu belasten und «notorische Langzeitparkierer» zu büssen. Und Stefan Fraefel (Mitte-Fraktion), der unabhängig vom Regime nie einen Parkplatz ums Stedtli findet, gab den Tipp, Langzeitparkierer mittels Pneumarkierungen zu identifizieren.

Marion Schafroth im Dilemma

Sie alle rannten bei Stadtrat Peter Rohrbach (parteilos) insofern offene Türen ein, als auch er Handlungsbedarf sieht. Rohrbach: «Die Grundidee der letzten Revision funktioniert nicht: Wir können nicht über die Faktoren Kosten und Zeit das Verhalten der Autofahrer so steuern, dass sie ins Parkhaus gehen.» Der Stadtrat wolle die Problematik zusammen mit den KMU nun rasch angehen. Denn die in der Parkierungsverordnung geregelten Details könne er in Eigenregie ändern.

Auch die für Kontrollen zuständige Stadträtin Marion Schafroth (FDP) will über die Bücher. Allerdings weiss sie offensichtlich nicht so ganz, in welche Richtung. Ihr Dilemma brachte sie so auf den Punkt: «Ich werde einerseits überhäuft mit Vorwürfen, dass zu viel kontrolliert wird. Und ich werde andererseits überhäuft mit Vorwürfen, dass zu wenig kontrolliert wird.» Im letzten Jahr habe die Polizei 900 Stunden Kontrollgänge durchgeführt.

Ein neuer Konflikt scheint sich in Liestal rund um den von der Kantonalbank und der Bürgergemeinde geplanten Baumwipfelpfad am Schleifenberg (bz von gestern) anzubahnen. Peter Rohrbach hielt im Namen des Stadtrats fest: «Wir sind nicht gegen das Projekt. Doch dieses kann nicht über den nicht eigentümerverbindlichen Waldentwicklungsplan realisiert werden, sondern braucht ein ordentliches Planungsverfahren.» Beim «kommerziellen Erlebnispark» sei nicht das Gestell im Wald» der wesentliche Teil, sondern die Parkplätze und die Infrastruktur. Das liess Bruno Imsand (FDP), Projektleiter seitens der Kantonalbank, zornentbrannt aufjucken und zu einer «Richtigstellung» ansetzen, sodass ihn Ratspräsident Heinz Lerf (FDP) bremsen musste.