Herr Voggenhuber, worüber reden wir heute?

Pascal Voggenhuber: Über Sterben. Das ist einfach. Ich glaube, die meisten Menschen bringen mich damit in Verbindung, weil sie wissen, dass ich als Medium tätig bin. Darum bin ich vor rund 10 Jahren auch bekannt geworden. Viele Leute kamen zu mir, um mit Menschen in Kontakt zu kommen, die verstorben waren. Mittlerweile mache ich das aber nicht mehr oft. Ich beschäftige mich eher mit dem Leben.

Inwiefern?

In meinem neusten Buch und in meinen aktuellen Vorträgen geht es darum, wie man das Leben geniessen kann. Als ich als Medium gearbeitet habe merkte ich, dass die Menschen viel zu wenig im Hier und Jetzt leben. Statt sich um ihre Beziehung zu kümmern, kommen sie erst nach dem Tod ihres Partners oder ihrer Partnerin zu mir, um zu hören, ob es diesem Menschen im Jenseits gut geht. Da dachte ich schon manchmal: Hättest du dich mal um deine Ehe gekümmert, als es noch Gelegenheit dazu gab.

Haben sie das Gefühl, dass Menschen im Nachhinein viel Bereuen?

Definitiv. Und zwar immer, dass sie Dinge nicht gemacht haben. Sie steckten zu lange in Beziehungen oder Jobs fest, die sie unglücklich machen. Sie denken viel zu oft über die Zukunft nach, statt im Moment zu leben und das zu tun, was sie glücklich macht. Ich glaube auch, dass die Menschen immer mehr Besitz haben wollen, statt auch mal Zeit in Freunde und Familie zu investieren.

Das tönt für mich aber nicht sehr neu. Hört man diese Anregungen nicht schon in vielen Ratgebern?

Ich habe auch gar nicht behauptet, dass ich das Rad neu erfunden habe. Das steht sogar in meinem Buch. Ich glaube, das Spezielle am neuen Buch und meinen Vorträgen ist, dass ich ganz klare Vorschläge gebe. wie man im Alltag glücklicher sein kann. Ich glaube, glücklich sein kann man lernen. Es kann helfen, 30 Tage lang jeden Tag aufzuschreiben, wofür man dankbar ist. Ganz kleine, alltägliche Dinge. Zum Beispiel: Ich bin dankbar dafür, dass ich meine Schule selber anziehen kann.

Mussten Sie Zufriedenheit auch lernen?

Ja. Vor einigen Jahren wurde ich plötzlich krank. Ich lag eine Zeit lang im Krankenhaus, ich hätte sogar sterben können. Und da habe auch ich merken müssen, dass ich viel zu viele Dinge als selbstverständlich ansehe. Ich konnte nicht mehr selber duschen und gehen. Das war schlimm.

Hat sie ein Psychologiestudium nie interessiert?

Die Frage stellte sich eigentlich gar nicht, ich habe ja einen Realschulabschluss. Und danach habe ich eine Schauspielschule besucht und mich als Medium weiterbilden lassen. Aber ja, viel davon, was ich mache, hat mit Psychologie zu tun. Ich selber habe mich auch nie in die Esoterik-Ecke gestellt. Ich mag die Szene nicht mal besonders. Sie mich übrigens auch nicht. Eigentlich gebe ich ganz oft praktische Ratschläge, wenn Menschen mich um Hilfe fragen.

Zum Beispiel?

Einmal kam eine Person zu mir, weil sie sich in ihrer Wohnung nicht wohlfühlte. Sie kam mit ihrem Vermieter nicht klar. Sie fragte mich dann, wie sie diese Situation lösen könnte. Zum Beispiel mit Beräucherung. Und ich sagte dann: Am besten ziehst du einfach um. Er ist dein Vermieter. Es bringt nichts, sich mit ihm ständig zu streiten. Aber darauf kommen die Leute manchmal gar nicht.

Was machen sie denn anders als ein Psychologe?

Ich sehe die Aura der Menschen. Dann kann ich spüren, wo jemand ein Problem hat, und ihn dabei unterstützen, dieses Problem zu lösen. Das macht eigentlich ein Psychologe auch. Er führt dazu einfach Gespräche.

Was sagen sie dazu, wenn sie als Scharlatan bezeichnet werden?

Mittlerweile ist mir das egal. Früher wollte ich alle von meiner Arbeit überzeugen, aber das geht nicht. Ich konzentriere mich einfach darauf, Menschen zu helfen. Wenn ich mich ständig streiten würde, dann würde mich das zu viel Energie kosten.

Nochmals zurück zum Sterben. Nervt es Sie, dass sie mit diesem Thema bekannt geworden sind?

Na ja, nerven nicht. Aber ich will nicht darauf reduziert werden. Weil ich ja eben heute etwas Anderes in den Mittelpunkt stelle. Aber vielleicht ist es wie bei einem Musiker, der mit einem bestimmten Lied berühmt wurde. Er kann das Lied vielleicht nicht mehr hören, und trotzdem hat er ihm viel zu verdanken. Ich sollte wohl eher dankbar sein.