Am 27. Juni ist der Tag der Entscheidung: Die Schweiz spielt um 20 Uhr gegen Costa Rica hoffentlich um den Einzug ins WM-Achtelfinale. Schon eine Stunde früher schwitzen die Delegierten der Baselbieter FDP an ihrem Parteitag in der Grün 80 in Münchenstein. Und auch hier fällt mit der Nomination der eigenen Regierungskandidaten für die Wahlen vom 31. März 2019 eine wichtige Entscheidung.

Wobei: In der Einladung hält FDP-Präsident Paul Hofer fest, dass die Parteileitung nur die amtierende Regierungsrätin Monica Gschwind zur Nomination vorschlägt und man es der SVP überlässt, den Sitz der abtretenden Freisinnigen Sabine Pegoraro in den Reihen der Bürgerlichen zu halten (die bz berichtete mehrfach).

Vielleicht ist Hofer Fussballfan und will mit dem Verzicht auf eine eigene Kandidaten-Auswahl rechtzeitig bis zum Anpfiff durch sein. Auf alle Fälle aber hat er mit dem Verzicht auf das Verteidigen des zweiten FDP-Sitzes der SVP eine Carte blanche ausgestellt. Diese wird an ihrem Parteitag vom 23. August dann neben Regierungsrat Thomas Weber höchstwahrscheinlich Nationalrat Thomas de Courten oder Landrat Dominik Straumann nominieren.

Egal, wer das Rennen macht, die FDP kann nur noch abnicken. «Ich erwarte eine für uns wählbare Kandidatur», sagt Hofer zwar zur bz. Doch der Entscheid der FDP-Parteileitung, dass «die bürgerlichen Interessen über jenen der Partei stehen», lässt ihn auch sagen: «Daraus folgt, dass wir den Entscheid der SVP-Basis akzeptieren werden.»

Daniel Recher ist für Mitte-Allianz

Allerdings hat Hofer die Rechnung ohne die CVP gemacht. Denn nur mit ihr wäre die erfolgreiche Bürgerliche Zusammenarbeit (Büza) der Regierungswahlen 2015 wiederholbar. «Es wäre klug, wenn wir CVP-Regierungsrat Anton Lauber mit an Bord hätten», sagt Hofer. Das ist aber längst nicht gesichert. CVP-Präsidentin Brigitte Müller-Kaderli hielt schon mehrfach fest, dass vor allem de Courten für ihre Parteibasis kaum wählbar sei. Jetzt gibt sie sich etwas diplomatischer, sagt aber klar: «Wir stehen weiter mit allen möglichen Partnern in Gesprächen. Weder die Büza noch eine Allianz mit den anderen Mitte-Parteien ist gestorben.»

Auch in der FDP gibt es weiter Kräfte, die lieber mit CVP, BDP, GLP und EVP zusammenspannen würden. Hofer nicht: «Man muss die Realitäten anerkennen, dass die Büza bessere Chancen hat, vier bürgerliche Sitze ins Trockene zu bringen.» Der einzige Freisinnige, der sich offen zu einer eigenen Kandidatur bekannte, der Ziefner Daniel Recher, sieht das anders: «Auch ein liberales Mitte-Bündnis wäre stark genug.»

Er akzeptiert den Mehrheitsentscheid der Parteileitung, hält es aber für die falsche Strategie. «Wir hätten die Power gehabt, um zu zweit anzutreten. Es ist irritierend, dass wir nun alle Trümpfe aus der Hand geben.» Die FDP reite national auf einer Erfolgswelle und man hätte ein Signal für die nationalen Wahlen im Herbst 2019 senden können. Recher hatte gehofft, dass die FDP auf «klar liberale und progressive Partner» setzt: «Da setze ich bei der SVP gewisse Fragezeichen.»