Dem Eptinger Bauern Christian Rudin gruben die Wildschweine jüngst das Dinkelfeld um. Betroffen sind zehn bis zwölf Aren, der Schaden beläuft sich auf knapp 600 Franken. Die Schweine mögen aber nicht nur Dinkel, sie machen sich auch über Weizen-, Gersten- und Maisfelder sowie über Obstgärten und Zwetschgenplantagen her. Rudin macht sich grosse Sorgen: «In der Regel kommen die Wildschäden erst im Winter. Dieses Jahr setzten sie extrem früh ein.»

Bestand nimmt zu

Aufgrund der seit Juli gehäuften Klagen im ganzen Kanton geht der Baselbieter Jagdverwalter Ueli Meier von einer deutlichen Zunahme des Wildschweinbestandes aus. Die Schäden, die den Bauern durch Wildschweine entstehen, werden laufend registriert. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Gemeinden, je nach dem, wie viel Waldungen sie haben. Während in Muttenz bis zum Stand vom 31. August knapp 4000 Franken Schaden entstanden, sind es in Aesch oder Bennwil gerade mal 150 Franken.

Engelhard Brügger, Wildhüter in Muttenz, erklärt: «Wir haben einfach ziemlich viele Säue in Muttenz.» Auch er bemerkte darüber hinaus eine aktuelle Zunahme. Er sieht die Ursache dafür bei der äusserst schwierigen Jagd. «In den letzten Jahren wurden gerade die gut erkennbaren grossen Keiler arg dezimiert. Somit gibt es in vielen Rotten keine Keiler mit Vormachtstellung mehr. Die Folge: Jeder Keiler kann sich nach Belieben mit einer Bache paaren, und der Bestand nimmt zu.»

Der Baselbieter Jagdverwalter Meier hat eine andere Erklärung: «In den Beständen gab es immer schon Fluktuationen», sagt er. «Grund für eine aktuelle Zunahme könnte der vergangene milde Winter sein.» Sind die Temperaturen nicht zu tief, bekommen die Bachen ihre Jungen schon im Januar statt erst im März oder April. Dann bliebe den Tieren genug Zeit, sich im Frühjahr erneut zu paaren. «Wir könnten es jetzt bereits mit einer zweiten Generation von Frischlingen zu tun haben», sagt Ueli Meier. Ob dies tatsächlich der Fall ist, wird die laufende Frischlingszählung zeigen.

Wildschweine sind Allesfresser

Dass sich die Wildschweine aus dem Wald herauswagen, ist für Meier nichts Besonderes. «Das Wildschwein ist kein reines Waldtier.» Ausserhalb des Waldes gibt es für den Allesfresser ein grosses Nahrungsangebot. Maden und Engerlinge warten am Waldrand – und von da ist es nicht weit zu den Feldern.

Um das Problem mit den Schwarzkitteln zu lösen, sind nun auch die Jäger gefragt. «Bei grösserem Bestand sollten mehr Schweine geschossen werden», sagt Meier. «Da sich die Jäger in beschränktem Umfang an den Wildschadenbeiträgen, die der Kanton den Bauern zahlt, beteiligen müssen, haben diese ein Interesse daran, die Population klein zu halten», sagt er.

Dieses Thema birgt Konfliktpotenzial. Der Wildhüter Engelhard Brügger appelliert an die Bauern, Zäune um ihre Felder zu spannen. Sie hätten zudem die Möglichkeit, selbst den Jagdschein zu lösen. «Wir können gewiss einen Beitrag leisten», sagt er. «Wir können aber nicht tagsüber arbeiten und nachts Wildschweine schiessen.»

Gemeinsam Lösung suchen

Der Eptinger Bauer Rudin versteht die Anliegen der Jäger. Für ihn bedeutet die Einhagung der Felder aber einen enormen Kostenzuschlag. «Der Schaden auf meinen Feldern ist gross. Noch grösser ist aber der Materialaufwand, um elektrische Zäune aufzuspannen», sagt er. Mehr Kulanz wünscht sich der Bauer auch von der Jagdverwaltung. «Viele Jäger trauen sich nicht mehr, zu schiessen, da sie beispielsweise dafür gebüsst werden, wenn sie ein Muttertier mit Jungen erlegen.» Rudin möchte sich aber nicht in Konflikte verstricken: «Bauern, Jäger und der Kanton müssen gemeinsam eine Lösung finden. Wichtig ist nur, dass jetzt etwas geht.»