Rolf Richterich schüttelt nur noch den Kopf: «Würden wir gegen Sabine Pegoraro eine Kampagne fahren, wäre sie morgen weg», sagt der Präsident der FDP-Landratsfraktion. Die Baselbieter Baudirektorin sieht das anders: Am Mittwoch beklagte sie sich bei der bz darüber, dass gegen sie offenbar eine Kampagne laufe – nicht zuletzt aus ihrer eigenen Partei. Pegoraro zeigt sich überzeugt davon, dass die FDP sie loswerden will. «Ich weiss nicht, was sie geritten hat», sagt Richterich, «aber mit solchen Aussagen demontiert sie sich selber.»

Auch Christine Frey kann die öffentlichen Vorwürfe nicht verstehen: «Wir hatten schon mehrere Gespräche mit Sabine Pegoraro und ihr immer wieder versichert, dass keine Kampagne gegen sie läuft», betont die Baselbieter FDP-Präsidentin. «Wir haben keinen Plan, sie zu deinstallieren.» Auch werde nicht bereits ein möglicher Nachfolger aufgebaut, der Pegoraro möglichst bald ersetzen soll.

Kein Zeichen des Rückhalts

Tatsächlich aber ist es zwischen der FDP-Regierungsrätin und ihrer Partei in den vergangenen Jahren regelmässig zu Reibereien gekommen. Wie umstritten die Magistratin in der eigenen Partei ist, zeigten die Wirren um ihre Wiederkandidatur bei den Regierungswahlen im vergangenen Jahr.

Pegoraro war damals vorgeprescht: Ohne Absprache mit der Parteileitung kündigte sie eine erneute Kandidatur an. Innerhalb der FDP kam das gar nicht gut an. Parteipräsidentin Frey wies sie sofort in die Schranken und erklärte die Nomination zur alleinigen Sache des Parteitags – ein Zeichen des Rückhalts war das nicht. Der Rüffel löste parteiintern heftige Diskussionen aus. Es gab Stimmen, die Pegoraro die Unterstützung zusicherten. Es gab aber auch viele Freisinnige, die sich einen Neuanfang in der Regierung wünschten. Nach einer Aussprache mit der Parteileitung wurde die Baudirektorin von der Basis dann aber doch nochmals klar nominiert. Und so blieb ein fahler Beigeschmack, die Wogen aber haben sich seither wieder geglättet. In den Reihen der FDP wird allerdings auch heute noch lediglich von einem «Nicht-Angriffspakt» gesprochen.

Und dennoch: Die Kritik an Pegoraro will seither kaum mehr aufhören: Verantwortlich gemacht wird sie von den Bürgerlichen etwa für die Niederlage bei der Elba-Abstimmung. Gleichzeitig habe sie die Umfahrung Liestal so verlottern lassen, dass sie nun für mehrere Millionen Franken notfallmässig saniert werden muss. Unzufrieden zeigte sich der Landrat auch mit Pegoraros öV-Sparvorlage. Vor zwei Wochen musste sie im Parlament zudem eine Breitseite einstecken wegen des Amthauses Laufen, das mittlerweile seit rund zwei Jahren leer steht. Der Baudirektion fehle eine leitende Hand, wurde damals kritisiert. Von der FDP-Fraktion kam kein Widerspruch.

Latente Unzufriedenheit

Sabine Pegoraro mag dieser fehlende Rückhalt geschmerzt haben. Nun aber giesst sie selber Öl ins Feuer. Ihre Vorwürfe an die eigene Partei kommen in der FDP ganz schlecht an: «Pegoraro sieht offenbar Gespenster», kommentiert ein Fraktionsmitglied. Dieser neuste Fall zeige nur wieder einmal ihre Nervosität, Unsicherheit und Dünnhäutigkeit. «Es gibt keine Kampagne gegen Pegoraro», sagt ein Fraktionskollege, «aber eine latente Unzufriedenheit.»

Gerade auch Parteipräsidentin Frey steckt in der Zwickmühle. Sie will am liebsten gar nichts zum Thema sagen. Denn: Stellt sie sich bedingungslos hinter Pegoraro, widerspricht sie nicht nur ihrer bisher skeptischen Haltung, sondern stösst auch gleich noch einen grossen Teil der FDP-Landratsfraktion vor den Kopf. Distanziert sie sich aber, dann würde das Verhältnis zu ihrer Regierungsrätin noch schwieriger.

Der Druck auf Pegoraro aus den eigenen Reihen wird weiter wachsen. «Sie muss selber wissen, wie sie aus diesem Schlamassel wieder rauskommt», sagt Fraktionspräsident Richterich. Nach diesen öffentlichen Vorwürfen nehme der Rückhalt in der Partei sicher nicht zu. «Bei dem einen oder anderen bleibt da auf jeden Fall etwas hängen.»