Hinter den Kulissen arbeiten die Kantone Basel-Stadt, Baselland, Aargau, Solothurn und Jura an einer «Bestellerstrategie» für den Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW). Wie diese aussehen wird, ist noch unklar. Der federführende Kanton Baselland stellt für den Sommer Ergebnisse in Aussicht. Alles deutet aber auf höhere Preise im regionalen öV hin.

Die Bestellerstrategie sei kein Sparprogramm, betont die Baselbieter öV-Beauftragte Eva Juhasz. Schliesslich seien die finanziellen Voraussetzungen der Kantone unterschiedlich. Dennoch sei es ein Ziel, den Kostendeckungsgrad zu verbessern. Der Hebel wird auf zwei Seiten angesetzt: Einerseits werden die beteiligten Transportunternehmen (SBB, BVB, BLT, Postauto und Autobus AG Liestal) aufgefordert, ihre Kosten zu senken. Das kann geschehen, indem etwa Buslinien verknüpft, Standzeiten verkürzt oder Tramtrassees vom Autoverkehr entkoppelt werden. Andererseits würde der Kostendeckungsgrad mit höheren Preisen verbessert. «Allfällige Erhöhungen sollen aber in verträglichem Ausmass ausfallen», versichert Juhasz.

Das günstigste Abo der Schweiz

«Das U-Abo ist in seiner heutigen Ausgestaltung ein Auslaufmodell, unsere öV-Finanzierung ist antiquiert», kommentiert die Baselbieter Regierungsrätin Sabine Pegoraro (FDP). Das U-Abo des TNW war das erste Verbundabo in der Schweiz und ist noch immer das mit Abstand günstigste. Zu günstig, finden viele – zumal das Einheitsabo, das eine beliebige Anzahl Fahrten auf dem gesamten TNW-Streckennetz zulässt, dem Prinzip der Kostenwahrheit widerspricht. Diese zumindest besser abbilden würde die Einführung von Zonen im Tarifverbund. «Das ist im Rahmen der Diskussionen über die Bestellerstrategie sicher ein Thema», sagt Pegoraro.

Mit dieser Aussage vollzieht sie eine 180-Grad-Wende: Noch Ende 2012, als der TNW die Forderung aus Basel zur Einführung eines Mehrzonenmodells abgelehnt hatte, sagte Pegoraro: «Das U-Abo ist dank seines einfachen Prinzips ein Erfolgsmodell.» Just dieses «einfache Modell», das für alle Nutzer gleich hohe Kosten bringt– egal, ob sie nur innerhalb der Stadt unterwegs sind oder täglich von Laufen nach Liestal pendeln –, ist Pegoraro nun ein Dorn im Auge.

Ein Auslaufmodell ist das U-Abo für die Regierungsrätin auch deshalb, weil im TNW als einzigem Schweizer Verbund die Abos subventioniert werden. Baselland steckt fast 100 Millionen Franken pro Jahr in den öV, davon sind 27 Prozent Abgeltungen an die Transportunternehmen, 40 Prozent direkte Abo-Subventionen. Die Baselbieter Regierung kündigte im vergangenen Juli an, die Subvention von 25 Franken pro Monats-U-Abo zu streichen. Damit könnte der Kanton 15,4 Millionen pro Jahr netto einsparen. Ein Jahres-U-Abo für Erwachsene würde demnach 1010 statt wie bisher 760 Franken kosten. Dagegen wehrt sich eine Volksinitiative aus dem rot-grünen Lager. Pegoraro könnte sich vorstellen, das im Rahmen der Bestellerstrategie ausgearbeitete Finanzierungsmodell der Initiative als Gegenvorschlag gegenüberzustellen, wie sie gegenüber der bz ausführt.

So viel zahlt man anderswo für ein ÖV-Abo

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Basler Kritik an Streichungs-Idee

Beim Stadtkanton hält man sich zumindest in der Frage der Zonierung auffallend zurück. Zur 2012 von Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP) noch forsch formulierten Forderung gibts derzeit keine Aussage. Hingegen macht Wessels deutlich, dass Basel-Stadt von der Streichung der U-Abo-Subventionen nicht viel hält: Dadurch würde die Attraktivität des regionalen öV vermindert und die Stausituation auf den Strassen verschärft: «Basel-Stadt erwartet, dass Alternativen zur Streichung der U-Abo-Subvention aufgezeigt werden», sagt Wessels. Zumindest die Streichung der Subvention ist damit wohl vom Tisch: Einer solchen Änderung im TNW-Vertrag müssen jeweils sämtliche Bestellerkantone und Transportunternehmen zustimmen.