«Dieser Tag ist für Sie reserviert», heisst es auf der Website der Tagung für Berufsbildungsfachpersonen der Baselbieter Kantonsverwaltung. «Wir schaffen einen Austausch und entwickeln gemeinsam Lösungen und Antworten zu Ihren Fragen», heisst es weiter. So weit so gut. Letzten Mittwoch fand die jährliche Tagung im Schloss Ebenrain wieder statt. Doch von den hehren Zielen des gegenseitigen Austauschs blieb nicht viel übrig.

Wie jedes Jahr konnten die 142 Berufsbildner der fünf Direktionen, die fast ebenso viele Lernende betreuen, Fragen an den Regierungsvertreter richten, der die Tagung jeweils einleitet. Diesmal wäre die Reihe an Bildungsdirektorin Monica Gschwind gewesen. Die Fragen mussten im Vorfeld an das den Anlass vorbereitende Personalamt beziehungsweise die dort angesiedelte Berufsbildungskommission geschickt werden. Doch dort war Endstation. Die Berufsbildungsbeauftragte des Kantons, Kathrin Alispach, verschickte eine Woche vor Beginn der Tagung eine Mail an die Berufsbildner. Dieses liegt der bz vor:

«Vielen herzlichen Dank für eure kritischen und fordernden Fragen an Frau Regierungsrätin Gschwind. Nach reiflicher Überlegung haben wir uns in der Berufsbildungskommission für niederschwelligere Fragen entschieden. Die meisten der gestellten Fragen könnte Frau Gschwind so sowieso NICHT beantworten. Deshalb werden wir die Fragen anders stellen mit dem Ziel, persönliche Betroffenheit/Erfahrungen abzuholen und trotzdem ein Statement ‹einzufordern›, wie sie sich als Bildungsdirektorin für die Berufsbildung in der kantonalen Verwaltung einsetzen wird/kann. Ich danke euch für euer Engagement und das Verständnis.»

Gschwind wusste von nichts

Das Verständnis, dass ihre «kritischen und fordernden» Fragen ausgewechselt wurden, hielt sich zumindest bei einigen Berufsbildnern in Grenzen, wie die bz weiss. Das Resultat: Ihre Unzufriedenheit, die sie eigentlich an der Tagung mit der Bildungsdirektorin diskutieren wollten, steigerte sich weiter. Nicht förderlich war zudem, dass die Berufsbildner von Alispach erst am Mittwochmorgen zum Tagungsbeginn darüber informiert wurden, dass Gschwind krankheitshalber ganz absagen musste. Wie Personalamtsleiter Martin Lüthy auf Anfrage mitteilt, hatte sich Gschwind beim Amt aber schon am Montagvormittag wegen Krankheit abgemeldet. Sie ist bis heute wegen einer Lungenentzündung rekonvaleszent. Schriftlich teilt sie der bz mit, dass nicht sie die Änderung der Fragen veranlasst habe: «Es wurden keine Unmutsbekundungen an mich herangetragen. Selbstverständlich hätte ich mich den kritischen Fragen gerne gestellt.» Weshalb also hat die Berufsbildungskommission, in der neben Alispach und Lüthy die fünf Direktionsberufsbildner der verschiedenen Direktionen sitzen, die Fragen zurückgewiesen? Wollten sie die Regierungsrätin vor zu heftiger Kritik schützen?

Alispach möchte ihr Mail nicht weiter kommentieren und verweist an Amtsleiter Lüthy. Dieser hält fest: «Hinter dem Inhalt des Mails kann ich stehen, vielleicht hätte man aber das eine oder andere anders formulieren können.» Für das Personalamt war vor allem etwas entscheidend: «Natürlich haben bei uns auch kritische Fragen Platz, aber uns war wichtig, sie nicht gleich an den Anfang der Tagung zu stellen. Sonst hätte diese negative Grundstimmung den ganzen restlichen Tag belastet», sagt Lüthy. Dass dies nun an die Öffentlichkeit gelangt, bedaure er. «Es wäre besser gewesen, hätten die Mitarbeiter ihren Unmut erst mir mitgeteilt, dann hätte ich sicher vieles erklären können.» Dennoch wirkte das Nachhaken der bz bereits: Für Lüthy haben die Fragen der Berufsbildner nun eine «hohe Wichtigkeit». Gestern Nachmittag beschloss die Berufsbildungskommission, voraussichtlich im Spätherbst eine ausserordentliche Sitzung rund um die zurückgestellten Fragen durchzuführen.

Berufsbildner bangen um Job

Welche Fragen genau als «kritisch» und «fordernd» bewertet wurden, möchte Lüthy intern halten. Wie das ganze Kantonspersonal würden aber auch die Berufsbildner die Sparmassnahmen der Verwaltung spüren. «Einem Teil der Mitarbeitenden fällt der Umgang mit Veränderungen leichter als anderen.» Einige Berufsbildner hätten aber laut Lüthy auch spezifische Ängste, nämlich «dass Ausbildungsplätze gestrichen werden und mit dem Sparen auch der Druck auf die Berufsbildner selbst zunimmt».

Nicht ganz unbegründet: «Es ist nun mal so, dass zu den definierten Sparmassnahmen auch eine Leistungs- und somit teilweise eine Personalreduktion gehört. Die Betroffenen wurden informiert.» Das Mail habe auch nichts mit mangelnder Wertschätzung für jene zu tun, die sich freiwillig zum Berufsbildner weiterbilden lassen. Lüthy appelliert an sie: «Ich hoffe, es sind Idealisten und nach wie vor mit Herzblut dabei, denn nur so können wir unsere Lernenden weiterbringen. Da sollte sich auch jeder Berufsbildner selbst kritisch hinterfragen.»