Der Ausschluss der beiden Allschwiler Landräte Roman Klauser und Pascale Uccella vor zwei Wochen geht an der SVP-Fraktion nicht spurlos vorbei. Am Donnerstag galt es, die Kommissionssitze, die Vater und Tochter bis jetzt innehatten, neu zu besetzen. Wegen der zwei Mandatsverluste musste die SVP Klausers Sitz in der Personalkommission an Désirée Jaun von der SP abtreten. Uccellas Sitz in der Bildungskommission bleibt der SVP erhalten. Anita Biedert übernimmt ihn.

Am meisten zu reden gab aber die Finanzkommission (Fiko). Überraschend kündigte neben Klauser gleich auch noch Hans-Jürgen Ringgenberg seinen sofortigen Rücktritt aus der Kommission an. Als Landrat hingegen beendet er die Legislatur, tritt aber wegen der Amtszeitguillotine 2019 nicht mehr an. Auf Vorschlag der SVP wurden dafür Peter Brodbeck und Paul Wenger in die Fiko gewählt. Und abends folgte die Geschäftsleitung dem Antrag der Fraktion und bestimmte Brodbeck sogleich zum neuen Fiko-Präsidenten und damit Nachfolger Klausers.

«Das überrascht mich schon», sagt Klauser im Ratsfoyer zur bz. Er wolle niemandem zu nahe treten, doch die Kombination aus dem Rücktritt Ringgenbergs und der ad hoc Ernennung Brodbecks zum Präsidenten mache ihm Sorgen: «Ich hätte Ringgenberg nie vor Legislaturende gehen lassen. Er ist der einzige SVPler, der die Fiko von vorne bis hinten kennt und auch schon deren Präsident war. Wenn man neu ist, ohne jemanden, der einem hilft, dann hat man ganz kurze Hosen an.»

Jetzt leitet SP die Budget-Sitzung

Das Problem war der SVP offenbar bewusst, erzählt auch Brodbeck: Ringgenberg habe schon viel früher ganz aus dem Landrat zurücktreten wollen, wurde aber aus wahltaktischen Überlegungen überredet, bis Ende Legislatur zu bleiben. Seine Bedingung: wenigstens der vorzeitige Abgang aus der Fiko. Wie Ringgenberg selber sagt, wurde auch dieser Schritt intern hinausgezögert – wegen der Allschwiler SVP-Affäre um Klauser, deren Ausgang für die Landratsfraktion schwer abzuschätzen war.

Gegen das Label «Neuling» wehrt sich Brodbeck allerdings: «Ich bin über 11 Jahre im Landrat und die ersten vier davon sass ich schon einmal in der Fiko. Zudem bin ich Ersatzmitglied.» Ein weiterer Faktor, der den 68-jährigen Arlesheimer ruhig schlafen lässt, ist, dass er schon die ebenfalls wichtige Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission präsidiert hat. «Als Präsident einer Kommission wird man eher zum Moderator und Organisator. Von daher ist Leitungs-Erfahrung fast wichtiger als vertiefte Dossierkenntnisse», sagt er.

Und ganz ohne Hilfe wird Brodbeck dann doch nicht ins kalte Fiko-Wasser geworfen: Die SVP selbst beantragte, dass Kommissions-Vizepräsidentin Mirjam Würth Mitte Dezember die Prestige-Vorlage zum Aufgaben- und Finanzplan 2019-22 im Plenum vorstellt. Und das, obwohl die Partei damit ihrer grössten Konkurrentin, der SP, eine willkommene Plattform bietet. Würth hält allerdings trocken fest: «Für mich ist das einfach ein Job, nichts weiter.»