Herr Hufschmid, Roggenburg hat vor ein paar Wochen den Abschluss seiner Gesamtmelioration gefeiert. Was empfanden Sie während dieser Zeremonie?

Peter Hufschmid: Ich bin ein Mensch, der versucht, sachliche Dinge vorwiegend pragmatisch und realistisch zu sehen. Riesige Emotionen waren deshalb bei diesem Anlass nicht im Spiel, auch wenn unter den zahlreichen Anwesenden einige Honoratioren waren. Aber natürlich sind wir alle froh, dass wir das geschafft haben, nach 25 Jahren. Und man hat auch den Eindruck, dass alle Beteiligten zufrieden sind mit dem Resultat, obwohl es im Verlauf einer Melioration immer auch heikle Situationen mit Meinungsverschiedenheiten gibt, die gelöst werden müssen.

Also gabs nur Gewinner

Bund, Kantone und Gemeinden übernahmen 97 Prozent der beitragsberechtigten Kosten von 8,4 Millionen Franken. Der Rest, etwa eine Million, wird unter Berücksichtigung von Mehr- oder Minderzuteilungen auf die Grundeigentümer verteilt. Damit sind die Landwirte logischerweise die grossen Gewinner – aber nicht nur, denn auch die Bevölkerung profitiert von dem verbesserten Wegenetz und diversen ökologischen Massnahmen.

Die Felderregulierung Roggenburg wurde 1991 gegründet. Ein solches Projekt ist ein Generationenwerk. Weshalb dauerte das so lange?

In der Regel könnte man – je nach Gemeindefläche – bei einem solch komplexen Werk einen Zeithorizont von zehn bis 15 Jahren voraussetzen. Bei uns ging es länger, weil das Laufental 1994 vom Kanton Bern zu Baselland wechselte. Deshalb musste die Arbeit praktisch wieder von vorne beginnen, weil sich durch den Kantonswechsel die gesetzlichen Voraussetzungen geändert hatten. Damals war ich allerdings noch nicht dabei.

Was hat die Gesamtmelioration den Roggenburger Grundeigentümern gebracht?

Vor allem eine bessere Bewirtschaftung der Felder. Nach dieser Flurbereinigung haben wir in Roggenburg noch etwa ein Drittel der ursprünglichen Anzahl Parzellen. Zuvor war das Land extrem zerstückelt, auch durch Erbteilungen. Die Bauern hatten zahlreiche zu bewirtschaftende Parzellen an verschiedenen Orten. Mit der Felderregulierung ist alles optimal arrondiert, sodass Landwirte nun zwar weniger, aber dafür grossflächigere Parzellen zum Bewirtschaften haben, womit sie weniger herumfahren müssen. Zudem ist das Wegenetz viel besser, die Strassen zu den Höfen sind asphaltiert. Die Trinkwasserversorgung wurde erweitert, indem einige Höfe neu angeschlossen worden waren. Ökologische Massnahmen kamen dazu. Bachläufe wurden ausgedolt, Waldränder aufgewertet und ausgesuchte Flächen renaturiert.

Gibt es für die Zukunft Lehren daraus zu ziehen?

Wir gehen davon aus, dass wir das Optimum herausgeholt haben. Feedbacks, was man hätte besser machen können, kommen vielleicht später. Zurzeit liegen keine Reklamationen vor.

Sie waren von 2011 bis vor kurzem auch Präsident der Meliorationsgenossenschaft und Vollzugskommission Wahlen. Welche Erfahrungen haben Sie in diesem Amt gemacht?

Das war für mich eine grosse Herausforderung und sehr lehrreich. Ich machte tolle Erfahrungen mit Leuten, die ihre Interessen einbrachten, die es zu berücksichtigen galt. Der Präsident einer Meliorationsgenossenschaft hat primär organisatorische Aufgaben zu bewältigen: Sitzungen und Versammlungen sowie deren Traktanden zu organisieren, anstehende Probleme zu besprechen und zu lösen. Und er muss unter den Parteien vermitteln.

Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit den vielen Partnern?

In der Felderregulierung Roggenburg wurde ich Vizepräsident, als ich vor vier Jahren das Gemeindepräsidium übernommen hatte. Da lief die Felderregulierung schon seit rund 20 Jahren, deshalb habe ich hier nicht den Überblick über den gesamten Ablauf. Früher soll es gewisse Probleme gegeben haben, was aber normal ist und sich in der Zwischenzeit erledigt hat. Auch in Wahlen ging anfänglich nicht alles problemlos über die Bühne. Dafür spielen bei einer Gesamtmelioration einfach zu viele Interessen mit. Doch die Zusammenarbeit von Projektleitung, Bundesamt für Landwirtschaft, Landwirtschaftlichem Zentrum Ebenrain in Sissach, Vollzugskommission, Schätzungskommission und Grundeigentümern – das sind die grossen Player – sowie von Fachstellen für Gewässer-, Natur- und Bodenschutz verlief in beiden Fällen sehr gut.

Ist es von Vorteil, wenn das Gremium ein Auswärtiger präsidiert?

Viele Beteiligte finden, dass ein auswärtiger Präsident die bessere Lösung sei. Nach meiner Erfahrung gibt es Vor- und Nachteile zu beachten. Nachteilig ist, dass man als Auswärtiger die ganzen Ländereien nicht wirklich gut kennt. Dagegen scheint vorurteilsfreies Handeln für den Auswärtigen zu sprechen. Wesentlich ist aber, dass der Präsident sich mit Leuten austauschen und mit ihnen umgehen kann. Als Architekt war ich zwar gelernter Hochbauer und deshalb nur bedingt Fachmann für Projekte des Tiefbaus mit landwirtschaftlicher Ausrichtung. Aber da das Landwirtschaftliche Zentrum Ebenrain der Meinung war, dass es auf andere Fähigkeiten ankomme, sagte ich schliesslich für das Präsidium in Wahlen zu. Beide Ämter habe ich nie bereut, pflegte ich doch zu allen Projektleitungen, Ämtern und Landwirten in Wahlen und Roggenburg immer sehr gute Beziehungen.

Wie können sich Landeigentümer wehren, wenn sie mit etwas nicht einverstanden sind?

Projektleitung, Vollzugskommission und Schätzungskommission erstellen in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain zu Beginn einer Melioration ein generelles Projekt und nach Absprache mit den Grundeigentümern einen Neuzuteilungsplan. Bei Unstimmigkeiten haben alle betroffenen Grundeigentümer die Möglichkeit, Einsprache zu erheben. Kann man sich im Rahmen einer Schlichtungsverhandlung mit Ebenrain, Projektleitung und Schätzungskommission nicht einigen, kann der Grundeigentümer beim Regierungsrat vorstellig werden. Diese Einsprache behandelt eine Expertenkommission des Kantons und leitet sie weiter an die Regierung, die dann entscheidet. Der Rechtsweg kann bis vors Bundesgericht führen, was das Projekt enorm verzögern kann.

Einsprachen sind eine der grossen Herausforderungen einer Gesamtmelioration.

Ja. Das benötigt Geduld und Energie. Dennoch habe ich an jeder Genossenschaftsversammlung betont, dass die Grundeigentümer bei Unstimmigkeiten ihr Einspracherecht wahrnehmen sollten, weil Probleme endgültig geklärt werden müssten, damit man das Werk rechtlich korrekt abwickeln kann.

Gabs viele Einsprachen?

In Wahlen hatten wir auf die Neuzuteilung hin zahlreiche Einsprachen, wovon ausser zweien alle gütlich erledigt werden konnten, was der guten Zusammenarbeit zwischen Projektleitung, Landwirtschaftlichem Zentrum, Schätzungskommission und Grundeigentümern zu verdanken war. Zwei Einsprachen gingen weiter an den Regierungsrat und waren im Frühjahr immer noch hängig, obwohl dieser bereits zugunsten der Melioration entschieden hatte. Für involvierte Landwirte ist der Antritt der Neuzuteilung ein extrem wichtiger Termin. Darum sollte man davon ausgehen können, dass das Mittel der Einsprache keinesfalls in der unfairen Absicht verwendet wird, die Melioration aus unlauteren persönlichen Gründen zu verzögern.