Peter Knäbel, der FCB-Campus nähert sich seiner Vollendung. Welche Signalwirkung hat dies für die übrige Fussballschweiz? Wird Basel mit dem Campus die Konkurrenz in der Nachwuchsarbeit abhängen?

Peter Knäbel (ehemaliger FCB-Nachwuchschef; heute Technischer Direktor beim Fussballverband): Ich verstehe den FCB-Campus nicht als Kampfansage an andere Vereine. Vielmehr ist es das in Beton gegossene Symbol der Ansprüche und Erwartungen in die eigene Ausbildungsarbeit. Ich glaube nicht, dass sich wegen des FCB-Campus das Tauziehen um die Toptalente im Schweizer Fussball zusätzlich verschärfen wird.

Warum nicht?

Man muss sehen, dass bereits ein talentierter 16-Jähriger heutzutage rund 200 000 Franken kostet. Der FCB-Campus bindet grosse finanzielle Ressourcen. Ich bezweifle stark, dass der FCB in den kommenden Jahren noch zusätzliche, sagen wir mal 10 Millionen Franken aufwenden wird, um vom Grasshoppers Club und dem FC Zürich die besten Nachwuchsspieler abzuwerben.

Worin besteht dann die Signalwirkung des Projekts?

Das Ziel muss die Nachhaltigkeit der eigenen Nachwuchsarbeit sein. Mit dem Campus kann der FCB die besten Ausbildner der Schweiz verpflichten und ihnen traumhafte Arbeitsbedingungen bieten. Verglichen mit den jetzigen Bedingungen ist der Campus ein Quantensprung. Dennoch: Der Campus ist die Gebäudehülle, den Unterschied zu anderen Ausbildungsorten machen die Menschen, die ihn mit Leben füllen.

Heisst das, dass beim FCB noch nicht die besten Ausbildner der Schweiz arbeiten?

Aktuell sicher, doch ich rede von der künftigen Entwicklung, der langfristigen Strategie. Ein guter Vergleich ist die Fussballschule des SC Freiburg. Trotz der Trainerwechsel nach Volker Finke sind die Breisgauer ihrer Nachwuchsphilosophie treu geblieben. Zwar mussten sie immer wieder Talente nach Hoffenheim und Stuttgart abgeben, doch konnten sie im Gegenzug nicht nur immer wieder junge Spieler in ihr Bundesliga-Team einbauen, sondern aktuell sogar den Trainer der 1. Mannschaft aus dem eigenen Nachwuchsbereich rekrutieren.

Das klingt alles sehr sachlich. Von Ihnen als ehemaliger FCB-Nachwuchschef hätten wir an diesem Tag mehr Begeisterung erwartet.

Sachlich deshalb, weil ich zu häufig erlebt habe, dass die Gebäude alleine - wie zum Beispiel die neuen Stadien in Genf und Neuchâtel oder der GC Campus in Niederhasli - nicht die Zukunft sichern. Ich warne deshalb vor unrealistischen Erwartungen. Als ehemaliger FCB-Angestellter ist Stolz der richtige Ausdruck für den heutigen Tag, der einen Meilenstein von Gigi Oeris Engagement für den Nachwuchs der Region darstellt. Begeistert müssen die Spieler und Trainer sein, die darin täglich arbeiten werden.