Herr Vogt, was sind Sie für ein Politiker?

Peter Vogt: Ich bin ein ausgesprochener Gemeindepolitiker. Seit 1990 bin ich Gemeinderat. Das prägt. Entsprechend bin ich ein offener, konstruktiver und lösungsorientierter Gemeindepolitiker.

Was heisst das konkret?

Dass ich über den Tellerrand hinausschaue und mit anderen Gemeinden zusammen Aufgaben angehe. Nur auf seine eigene Gemeinde zu schauen, ist ein Auslaufmodell. Kooperation ist zentral, auch für meine neue Funktion als VBLG-Präsident.

Muttenz arbeitet unter dem Dach Birsstadt mit anliegenden Gemeinden zusammen. Inwiefern wollen Sie diese Erfahrungen in den VBLG einbringen?

Die acht Birsstadtgemeinden kommen seit Jahren regelmässig zusammen. Wir haben diverse Projekte angestossen. Der Anfang war harzig. Das war aber nicht verwunderlich, da man sich erst kennenlernen musste.

Wo lief es denn harzig?

Gemeindepräsidenten sind keine Dorfkönige. Der Gesamtgemeinderat muss entscheiden, und ein Ressortleiter, der nicht die Gesamtübersicht hat, schaut vielleicht nur auf seinen Bereich. Da braucht es viel Überzeugungsarbeit im eigenen Gremium.

Nennen Sie ein Beispiel.

Raumplanung ist aktuell. Jede Gemeinde hat seine eigenen Zonenpläne. Beim Verkehr beispielsweise muss man über die eigenen Grenzen schauen, sonst gibt es weitere Verkehrsprobleme. Man muss darum künftige Zonenpläne gemeinsam absprechen.

Bereits acht Gemeinden tun sich mit der Kooperation schwer. Beim VBLG mit 86 Gemeinden ist das doch unmöglich.

Da haben Sie recht. Aber die Gemeinden haben im Juni die Charta von Muttenz verabschiedet. Dort hat man definiert, dass man in funktionalen Räumen handeln muss. Das heisst, nicht in sturen Strukturen, sondern beispielsweise in Talschaften. Die Gemeinden müssen sich nun finden.

Bedeutet für Sie Kooperation, dass Gemeinden letztlich fusionieren sollen?

Eine Fusion kann vielleicht später folgen. Aber am Anfang geht es um Kooperation. Neustes Beispiel ist im Diegtertal, wo sich Gemeinden im Schulbereich zusammengeschlossen haben. Dort hat man nie über Fusion gesprochen. Ich glaube die Kommunen müssen sich erst finden und ein erstes Projekt umgesetzt haben, damit ein Grundvertrauen mal da ist.

Wie wollen Sie als VBLG-Präsident Kooperationen voran bringen?

Die Gemeinden fordern mehr Autonomie. Doch einige sind alleine nicht in der Lage, mehr Aufgaben zu übernehmen. Dann braucht es über die Gesetzgebung Druck vom Kanton, dass die Gemeinden sich zusammentun und einzelne Aufgaben zusammen, regional lösen.

Aber wie sehen Sie Ihre Rolle als VBLG-Präsident?

Ich möchte, dass in der Gesetzgebung des Kantons die Gemeinden mehr Handlungsspielraum erhalten, sodass sie Herausforderungen auf ihre Art angehen können.

Sie wollen also beim Kanton lobbyieren und nicht die Gemeinden zur Kooperation drängen.

Die Bereitschaft ist da, aber der VBLG vertritt 86 Gemeinden, die kann man nicht alle unter einen Hut bringen.

Der Kanton ist also ihr Gegner.

Der Kanton ist für mich ein Partner auf Augenhöhe und kein Gegner.

Aber es gibt ständig Konflikte zwischen Gemeinden und dem Kanton. Da braucht es doch einen VBLG-Präsidenten, der auf den Tisch haut und nicht so einen ruhigen, stillen Schaffer wie Sie.

Ich bin gegen Populismus. Ich bin lösungs- und konsensorientiert. Wir haben unsere klaren Positionen. Aber in Verhandlungen möchte ich fair sein. Man muss aufpassen, dass man kein Geschirr zerschlägt. Ich bin dagegen, dass man Gemeinden und Kanton auseinanderdividiert. Ich will während meiner Amtszeit den Kanton nicht schlecht reden.

Und Sie meinen ein unscheinbarer Präsident kann etwas bewirken?

Ich habe als Muttenzer Gemeinderat seit 1990 jeweils das beste Wahlergebnis und bin seit 2000 unbestritten Gemeindepräsident. Dies zeigt, dass sich meine Art bewährt.

Als Landrat könnten Sie für die Gemeinden mehr herausholen.

Landrat kam für mich nie infrage. Dann müsste ich Parteipolitik machen und wäre weniger unabhängig. Meine Unabhängigkeit ist für meine Funktion als VBLG-Präsident von Vorteil, weil ich so glaubwürdiger bin.