Das haben die amtierenden Gemeinderäte noch nie erlebt. Zur Sitzung vom Montag kamen mehr Leute, als sie in den Zuschauerreihen hätten Platz finden können. Die Platznöte und übergrossen Klassen in der Dornacher Primarschule lassen die Eltern der betroffenen Kinder nicht kalt. «Wir freuen uns über ihr Interesse», begrüsste Gemeindepräsident Christian Schlatter (Freie Wähler) die Schar und machte sogleich klar, dass die Besucher nur zuhören dürften. Die Situation, wie sie die Schulleitung dem Gemeinderat sodann präsentierte, machte das riesige Interesse der anwesenden Eltern und Lehrpersonen leicht nachvollziehbar.

In der Primarschule sind aktuell sechs Klassen überbelegt und zählen zwischen 25 und 27 Schüler. Ihre Klassenzimmer sind aber nur für 20 bis 22 Schüler ausgelegt. Damit die Qualität nicht allzu sehr unter den prekären Bedingungen leidet, bewilligte der Kanton kurzfristig je sechs bis acht Assistenzlektionen pro Klasse. Allerdings: In diesen Klassen gibt es Kinder, die speziellen Förderbedarf aufweisen oder Deutsch als Fremdsprache lernen müssen. In einer ersten Klasse sind es gar deren zehn Schüler. Aufgrund der Platznot sind moderne Unterrichtsformen nur schwer umsetzbar. «Wir sind am Anschlag», gab Schulleiterin Marie-Therese do Norte zu. «Die Qualität leidet zurzeit unter den äusseren Umständen», stellte Michael Hirschi, Präsident der Fachkommission Schule abschliessend fest.

Mehr Klassen, mehr Lehrer

Das Thema ist brisant, denn die Klassengrösse beeinflusst die Unterrichtsqualität massgeblich. Für die besorgten Eltern geht es hier um die Zukunftschancen ihrer Kinder. Der Gemeinderat ist sich des Ernsts der Lage bewusst, war am Montag aber auch überrascht, wie dramatisch die Situation ist. «Das ist ein Flächenbrand», konstatierte Roland Stadler (FDP). Er fragte allerdings – zu recht –, wie es soweit hatte kommen können. Das passiere doch nicht von heute auf morgen. Doch, tut es. Allein in der letzten Sommerferienwoche seien neun Kinder in die Gemeinde zugezogen, so do Norte. Hinzu kamen Übertritte aus Privatschulen und mehr Nachwuchs aus den Kindergärten. Antizipieren konnte man wohl nur letzteres. «Wir sind eine Wachstumsregion, das merkt man auch in den Schulen», meinte Schlatter.

Kurzfristig ist es schwierig, der Lage Herr zu werden. Die Schule beantragte dem Gemeinderat, zwei Container auf dem Schulareal aufzustellen, um zusätzliche Räume zu gewinnen. Per nächstes Schuljahr soll die Zahl der Klassen zudem um zwei erhöht werden, mit entsprechendem Mehrbedarf an Lehrpersonal. Dafür sind weniger Assistenzlehrpersonen nötig. Eine zweite und dritte Klasse sollen zudem gemischt als Zweijahrgangsklasse geführt werden. «Im Leimental und am Dorneckberg ist das Usus», erklärte do Norte. Das habe sogar Vorteile, speziell für begabte Schüler. Eine Kommission wird weiter mit der Schulraumplanung für die nächsten Jahre beauftragt.

Das wird teuer

Die insgesamt sieben Anträge wurden vom Gemeinderat praktisch vorbehaltlos genehmigt. Obwohl diese, wie Thomas Gschwind (Freie Wähler) anmerkte, «massive Auswirkungen» auf das Budget der Gemeinde hätten. Das fiskalische Ausmass wird sich an der kommenden Budgetgemeindeversammlung zeigen.