3,7 Prozent aller Asylsuchenden, die in die Schweiz gelangen, werden dem Kanton Baselland zugewiesen. Dieser verteilt die Flüchtlinge wiederum auf seine Gemeinden, von denen jede einen Teil übernehmen muss. Entscheidend für die Berechnung der Zahl der aufzunehmenden Personen ist die Bevölkerungszahl der einzelnen Ortschaften.

«Der Anteil beträgt für alle 0,8 Prozent der Wohnbevölkerung», sagt der Baselbieter Asylkoordinator Rolf Rossi. Das bedeutet, dass grössere Gemeinden mehr, kleinere hingegen weniger Asylsuchende aufnehmen müssen. Durch dieses System sollen die 86 Gemeinden im Baselbiet gleich stark belastet werden.

Zivilschutzanlagen im Visier

Eine der Ortschaften, welche die Quote momentan nicht erfüllen, ist Muttenz. Der drittgrössten Gemeinde des Baselbiets ist der Missstand bewusst. Die frisch gewählte SP-Gemeinderätin Kathrin Schweizer versichert, dass alles unternommen werde, um bald die vorgeschriebene Zahl von Asylsuchenden aufnehmen zu können. Um wie viele Personen es sich dabei genau handelt, will sie gegenüber der bz nicht offenlegen. Gemäss der aktuellen Bevölkerungsanzahl von Muttenz wären es maximal 140 Flüchtlinge.

«Wir stehen in der Pflicht, weshalb wir derzeit breit nach zusätzlichen Unterbringungsmöglichkeiten suchen», sagt die für das Departement Soziales und Gesundheit zuständige Politikerin, die im Herbst für den Nationalrat kandidiert. Die Räumlichkeiten würden sich allesamt auf dem Gemeindegebiet befinden. Unter anderem fasste man die Zivilschutzanlagen in den beiden Schulhäusern Margelacker und Hinterzweien ins Auge. Die Abklärungen, ob dort künftig Flüchtlinge leben werden, seien derzeit im Gange, lässt die Sozialdemokratin weiter ausrichten.

Aktuell sind die Asylbewerber in Muttenz in verschiedenen Gebäuden untergebracht. «Im Gegensatz zu anderen Gemeinden im Kanton verfügen wir nicht über eine einzige Anlage, in der alle Flüchtlinge wohnen», erklärt Schweizer. In den Häusern, die momentan als Unterkünfte genutzt werden, habe es jedoch keinen Platz mehr. In der jüngsten «Sonntag»-Ausgabe hatte Gemeindepräsident Peter Vogt (CVP) als Ausweichmöglichkeit die Zivilschutzanlage Lachmatt in Pratteln ins Spiel gebracht. Diesem Ansinnen erteilte der Prattler Gemeindepräsident Beat Stingelin (SP) umgehend eine Absage.

1600 Asylsuchende im Baselbiet

Mit ihrer Suche nach Räumlichkeiten rüstet sich die Gemeinde Muttenz für den erwarteten weiteren Anstieg der Asylzahlen. «In den beiden letzten Monaten kamen jeweils rund 100 neue Flüchtlinge ins Baselbiet», sagt Rolf Rossi. Insgesamt würden derzeit über 1600 Asylbewerber im Kanton leben.