«Ich hatte damals gehofft, die Firma über den Runden bringen zu können», sagte der 63-jährige Aktionär, Geschäftsführer und alleiniger Verwaltungsrat am Donnerstag im Strafgericht. Die Prattler Firma schrieb seit 2008 nur Verluste: Damals betrug das Eigenkapital noch 14'000 Franken, bald wurde es negativ, und bei der Konkurseröffnung im März 2012 betrug es minus 195'000 Franken. In dieser Zeitspanne wurde die Firma mehrere Dutzend Male betrieben, unter anderem wegen der fälligen Mehrwertsteuer auch von der Steuerverwaltung.

Doch immer wieder konnte der Mann den Konkurs abwenden, dabei schoss er von einer anderen Firma unter seiner Kontrolle insgesamt knapp 100'000 Franken ein. Doch die Staatsanwaltschaft stufte die Firma spätestens ab Dezember 2009 als überschuldet ein, und wegen der vorsätzlichen Verschleppung des Konkurses stellte sie einen Strafbefehl wegen Misswirtschaft aus. Zusätzlich hatte der Mann wenige Wochen vor dem Konkurs die Schulden gegenüber der Geld einschiessenden Firma teilweise beglichen, indem er Inventar und Waren für über 60'000 Franken überschrieb: Damit sah die Staatsanwaltschaft auch noch den Tatbestand der Gläubigerbevorzugung als erfüllt, es habe sich um eine Schuldentilgung mit Waren gehandelt.

Schaden von 67'000 Franken

«Ich habe nie daran gedacht, dass die Firma in den Konkurs gehen könnte. Mir ist es ja auch um die Mitarbeiter gegangen», erklärte der Mann vor Gericht. Sein Mandant habe eine hohe Verantwortung gegenüber den Gläubigern und Mitarbeiter gezeigt, betonte sein Verteidiger. Der Sinn des Strafrechtes sei es, fehlendes Verantwortungsgefühl zu bestrafen, und davon könne man hier nicht ausgehen.

«Bei den tiefroten Zahlen und rückgängigen Umsätzen hätte der erfahrene und gelernte Kaufmann nicht darauf vertrauen dürfen, dass sich die Zahlen zum Besseren wenden», meinte hingegen Staatsanwalt Jérôme Mollat. Aufgrund der Eingaben sei ein Schaden von rund 67'000 Franken entstanden.

Einzelrichterin Irène Laeuchli bestätigte darum den Strafbefehl: Die vorherigen Betreibungen und Verlustscheine hätten gegen den langfristigen Erfolg der Firma gesprochen. Der 63-Jährige hätte also wissen müssen, dass die Firma kurz vor dem Konkurs steht. Auch die Überschreibung des Inventars zur Schuldentilgung sei eindeutig eine verbotene Bevorzugung eines einzelnen Gläubigers gewesen.

Laeuchli betonte aber auch, der Mann habe den Konkurs nicht gewollt: «Er hat mit falschen Mitteln versucht, den Konkurs aufzuschieben.» Deshalb milderte die Einzelrichterin die Strafe: Die Staatsanwaltschaft hatte eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 80 Franken verlangt, das Gericht sprach nun lediglich 60 Tagessätze zu 80 Franken. Beide Seiten können das Urteil noch weiterziehen.