Herr Rickenbacher*, am kommenden Freitag beschliesst die Bundeshausfraktion der CVP, wen sie dem Parlament zur Bundesratswahl vom 5. Dezember empfehlen will. Wie stehen die Chancen der Baselbieter Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter, auf das CVP-Ticket zu kommen?

Iwan Rickenbacher: Ihre Chancen stehen wohl bei unter 50 Prozent.

Das klingt aber nicht sehr hoffnungsvoll.

Ihre Lage ist aber auch nicht ganz hoffnungslos. CVP-Schweiz-Präsident Gerhard Pfister sagte deutlich, dass ihm ein Zweierticket mit zwei Frauen nicht zuwider wäre. Das könnte dem Zuger Ständerat Peter Hegglin zum Verhängnis werden. Ein Ticket auf sicher dürfte die Walliser Nationalrätin Viola Amherd haben. Dann geht es darum, ob Elisabeth Schneider die Urner Regierungsrätin Heidi Z’graggen hinter sich lassen kann.

Wie schätzen Sie da ihre Chancen ein?

Die Ausgangslage ist offen. Für Schneider spricht die parlamentarische Erfahrung. Dort hat sie einen guten Leistungsausweis. Gegen ihre Nomination spricht, dass Baselland nicht zu den Stammlanden der CVP zählt. Die Mehrheit der Bundeshausfraktion könnte eher für die Innerschweiz stimmen.

Aber das regionale Argument spricht doch klar für die Region Basel. Der letzte Baselbieter Bundesrat war Emil Frey vor 121 Jahren und auch die Amtszeit des Baslers Hans-Peter Tschudi liegt 45 Jahre zurück.

Das greift zu kurz. In den Augen Vieler gilt der Schwarzbube Otto Stich als der letzte Bundesrat aus der Region Basel. Er schied 1995 aus dem Amt. Das ist nicht viel länger her als der letzte Zentralschweizer, Kaspar Villiger aus dem Kanton Luzern, der 2003 den Bundesrat verliess. Allerdings: Sowohl Simonetta Sommaruga als auch Doris Leuthard stammen ursprünglich aus dem Aargauer Bezirk Muri, der praktisch schon zur Zentralschweiz gehört.

Wie entscheidend ist der Platz auf dem offiziellen CVP-Ticket? Schliesslich wählt am Ende die vereinigte Bundesversammlung den Bundesrat.

Natürlich wird Elisabeth Schneider-Schneiter auch einige Stimmen erhalten, wenn sie nicht auf dem Ticket steht. Aber der Beschluss der CVP-Fraktion kommenden Freitag ist schon ein wichtiger Vorentscheid. Die Präsidenten der grossen Parteien haben bereits signalisiert, dass sie sich am 5. Dezember an die offiziellen Nominierungen halten wollen. Sie wollen keine Nacht der langen Messer.

 

*Der 75-jährige Schwyzer Iwan Rickenbacher war früher Generalsekretär der CVP Schweiz und ist heute als Politikberater tätig, der die Geschehnisse im Bundeshaus eng verfolgt.