Mit «ErnährungPlus» – Mehr als Essen und Trinken will das Landwirtschaftliche Zentrum Ebenrain (LZE) die Bevölkerung für ausgewogenes, lustvolles Essen und günstige Lebensmittel aus der Region sensibilisieren. Und steht damit vor einer Herkulesaufgabe.

«Jeder Einkauf ein politischer Akt»

Denn an der gestrigen Medienkonferenz im LZE erklärte Nationalratspräsidentin und Biobäuerin Maya Graf, mit diesem Projekt wolle man nicht nur Leute erreichen, die sich schon bewusst ernährten, sondern auch alle anderen abholen. «Jeder Einkauf ist ein politischer Akt. Damit entscheide ich, wie produziert wird und ob die Umwelt geschont und Tiere artgerecht gehalten werden. So wie ich esse, so sieht die Landwirtschaft aus», mahnte Graf.

«ErnährungPlus», dessen Jahresthema «Mann und Ernährung» ist, bietet eine Palette von Angeboten rund um die ausgewogene Ernährung: Lehrerfortbildungen, Weiterbildung für Mütter- und Väterberatung, firmeninterne Vorträge und Workshops, Team-Kochevents sowie Plenarangebote wie Kurse im LZE und der Ebenraintag. Kernthemen sind Wissen (Ernährungslehre, Angaben auf Verpackungen verstehen, Kochen), Wahrnehmen (Essgewohnheiten, Qualität) und Umsetzen (verschiedene Bedürfnisse unter einen Hut bringen). Kurz: Das Ernährungsbewusstsein soll verändert werden.

Weshalb dieses neue Programm? Barbara Suter, Leiterin Abteilung Hauswirtschaft und Garten im LZE, nennt die Gründe: «Fast ein Drittel der Schweizer Bevölkerung beachtet nichts in der eigenen Ernährung, die Gesundheitskosten wegen Übergewicht und Adipositas steigen massiv, und im Bildungsbereich werden Hauswirtschaftslektionen abgebaut.»

Werner Mahrer, Leiter des LZE in Sissach, sagte zur Finanzierung von «ErnährungPlus»: Der Kanton könne nicht alles bezahlen. Die Individualangebote müssten mit den Beiträgen der Kunden gedeckt werden. Laut Mahrer ist das Programm ein unbefristeter gesetzlicher Dauerauftrag.

«Bauer ist günstiger als der Arzt»

Regierungsrat Thomas Weber, der seit Juli der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion vorsteht, plädiert vehement dafür, hiesige Lebensmittel zu kaufen. «Wenn nicht bei den Bauern direkt, dann doch bei den Läden und Grossverteilern, die Produkte aus unserer Region führen.» Das sei ökologischer, die Wege seien kürzer. Und Weber fügte augenzwinkernd an: «Der Bauer ist günstiger als der Arzt, aber ich muss auch auf die Ärzte schauen.»