Der Facebook-Eintrag von Polizei-Sprecher Meinrad Stöcklin sorgt für Stirnrunzeln. Der Baselbieter Staatsangestellte teilte gestern Vormittag auf seinem öffentlich einsehbaren Profil einen Bericht über die Terroranschläge vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York. Der Autor des Berichts stellt dort die offiziellen Versionen über die Ursachen des Einsturzes der Hochhäuser infrage. Heikel ist weniger der Inhalt des Texts als die Seite, auf der er erschienen ist. Es handelt sich um www.anonymousnews.de. Wie die deutsche Tageszeitung «Die Welt» schreibt, steht die News-Seite in Verbindung mit Mario Rönsch, einem bekannten Neonazi.

Mario Rönsch war bereits früher mit Seiten mit ähnlichen Namen aufgefallen. Auf diesen hetzte er auf Facebook und auf dessen russischem Pendant V-Kontakte gegen Flüchtlinge. Rönsch steckt laut «Welt» auch hinter einem Online-Shop, der Schreckschusswaffen vertreibt. Eine entsprechende Anzeige findet sich auf anonymousnews.de. Der Name des Online-Shops: «Migrantenschreck».

Eintrag wieder gelöscht

Die Leiterin der Kommunikation bei der Baselbieter Polizei, Barbara Richard, schreibt auf Anfrage: «Wir kommentieren private Facebook-Auftritte von Mitarbeitenden generell nicht.» Man werde jedoch abklären, ob der Post während der Arbeitszeit erstellt worden sei. «Da es sich hierbei um eine Personalmassnahme handelt», schreibt Richard, «werden wir auch darüber nicht öffentlich informieren können.»

Stöcklin schreibt auf Anfrage der bz, er habe den Beitrag «kurzerhand geteilt», nachdem er den Titel gesehen habe und Anti-Thesen im Kontext des 11. Septembers «grundsätzlich interessant» finde. Dass der Verfasser «offenbar irgendwelche Hetzseiten betreibt», sei ihm «in keinster Weise bekannt» gewesen. Er habe den Eintrag deshalb auch wieder gelöscht. Tatsächlich war der Link gestern Nachmittag auf dem seinem Facebook-Profil verschwunden.

Zugutezuhalten ist dem Polizei-Sprecher, dass die Urheberschaft der Seite tatsächlich nicht auf den ersten Blick zu eruieren ist. Auch hält sich das Newsportal, das vorwiegend das Weltgeschehen in Bezug zu Migration kommentiert, Verschwörungstheorien verbreitet und zumeist auf Drittquellen verweist, mit einer allzu expliziten Wortwahl zurück. Im Impressum wird eine Adresse in der Tschechischen Republik angegeben, dies unter dem Namen «Deutscher Widerstand». Die Seite anonymousnews.de ist jedoch – anders als der Name vorgibt – nicht auf einer deutschen, sondern auf einer russischen Länderdomain angemeldet (.ru). Weiter gaukelt der Seitenname vor, das Hacker-Kollektiv Anonymous zu vertreten oder zumindest etwas mit diesem zu tun zu haben. Doch dies ist ebenfalls nicht der Fall.

Empfehlungen nicht beachtet

Für die Mitarbeitenden des Kantons Baselland existieren Social-Media-Empfehlungen der Landeskanzlei. In den Empfehlungen heisst es unter dem Punkt «Tipps» unter anderem: «Seien Sie sich bewusst: Social Media sind noch öffentlicher als ein Tram oder ein Stammtisch. Für die publizierten Inhalte sind Sie verantwortlich und können dafür auch rechtlich belangt werden.»

Mediensprecher Stöcklin will diesen Punkt beherzigen. Er schreibt in einer Mail an die bz, er werde in Zukunft «besser hinschauen».