Die Kriminalitätsbelastung ist in der Schweiz sinkend – im Baselbiet hingegen ist die Zahl der Delikte 2014 gleich hoch geblieben wie im Vorjahr. Können Sie als Sicherheitsdirektor damit zufrieden sein?

Isaac Reber: (überlegt) Für mich ist wichtig, wie sich die Zahlen über mehrere Jahre entwickelt haben. Wir haben schon in den Vorjahren festgestellt, dass der Anstieg der Kriminalität später bei uns im Baselbiet angekommen ist als in anderen Kantonen. Nun könnte sich auch die Abflachung der Kurve hier später bemerkbar machen als anderswo. Wichtig ist mir, dass wir bei unserem Sorgenkind – den Einbrüchen – eine Stabilisierung erreicht haben nach dem starken Anstieg in den Vorjahren.

Warum konnten Sie den Trend nicht kehren?

Der Trend ist gekehrt. Der Anstieg im 2014 ist minim. Und wenn man die Fallzahlen seit Herbst anschaut, beobachten wir stark sinkende Kurven.

Sie haben grobes Geschütz aufgefahren: Es gibt Grosskontrollen, gemeinsame Aktionen mit anderen Polizeikorps und eine neue Software namens «Precobs». Könnten Kriminaltouristen angehalten sein, in andere Teile des Baselbiets oder Nachbar-Kantone auszuweichen?

Ich tausche mich innerhalb des Polizei-Konkordats Nordwestschweiz regelmässig mit meinen Kollegen aus und weiss, wo sie der Schuh drückt. Eine Verlagerung können wir nicht feststellen, zumindest nicht auf Schweizer Boden. Es geht doch in erster Linie darum, den Kriminaltouristen klarzumachen, dass die Region für sie ein heisses Pflaster ist.

Zurzeit sind Sie ihnen einen Schritt voraus – auch wegen Precobs. Könnte sich hier nicht ein ähnlicher Effekt einstellen wie bei den fixen Radar-Kästen? Also, dass die Einbruchs-Touristen dazulernen und andere Quartiere heimsuchen als die «vorhergesagten»?

Wir könnten gerade solche Verhaltensänderungen sehen – das ist ja der Sinn dieses Instruments. Wir füttern es immer mit neuen Daten. Ich glaube wirklich, dass es sich herumgesprochen hat: Mit uns ist nicht mehr gut Kirschen essen.

Im Vergleich zu anderen Kantonen ist die Aufklärungsquote bei den Einbrüchen tief. Woran liegt das?

Hier möchte ich vorausschicken, dass man den Vergleich mit Vorsicht geniessen muss. Man muss sich die Frage stellen: Messen alle gleich? Melden alle gleich? Da gibt es frappante Unterschiede. Aber es stimmt: Wir haben uns bei der Aufklärungsquote nicht verbessert gegenüber dem Vorjahr mit den zwölf Prozent. Das ist aber nur eine Momentaufnahme. Denn bei den Fällen aus dem Vorjahr haben wir uns gesteigert. Es kommt ja sehr oft vor, dass wir einen Fall aufklären, der schon etwas länger her ist.

Ist das Baselbiet sicher?

Ja. Das sieht man auch in der Gesamt-Statistik der Schweiz. Wir sind ein überdurchschnittlich sicherer Kanton. Wir haben mit den Einbrüchen aber einen Bereich, der uns stark beschäftigt, was mit der Lage, also der Westgrenze, zu tun hat. Die Grenzwache muss personell aufgestockt werden. Zusammen mit meinem Basler Amtskollegen Baschi Dürr setze ich da seit über einem Jahr Druck auf. Das Baselbiet und die Stadt haben je eine Standesinitiative zur Aufstockung in Bern eingereicht.