Die Poststelle von Niederdorf hat am Freitag ihre Schotten dichtgemacht. Seither muss die Einwohnerschaft mit einem Hausservice vorliebnehmen. In Reigoldswil wird nächsten Mai eine Postagentur die Poststelle ablösen (es stand in der bz).

Erstmals nimmt damit der gelbe Riese in seinem Poststellennetz im Baselbiet Korrekturen vor, die Gemeinden treffen, die gemäss Kantonalem Richtplan (Krip) als Subzentren gelten. Niederdorf zählt 1800, Reigoldswil 1600 Einwohnerinnen und Einwohner. Der Krip zeigt die wesentlichen Bestandteile der künftigen räumlichen Ordnung des Kantonsgebiets sowie den Stand der Koordination aller relevanten raumwirksamen Tätigkeiten von Bund, Kanton und Gemeinden.

Post plant anders als Kanton

«Der Kantonale Richtplan ist ein Behördeninstrument, das für Kanton und Gemeinden verbindlich ist, aber nicht für Unternehmen wie die Post», betont Kantonsplaner Martin Kolb. Wenn Poststellen in Subzentren geschlossen würden, habe das für diese im Richtplan keine Auswirkungen. «Es ist jedoch bedauerlich», meint Kolb, «denn dadurch sinkt die Qualität der Orte wegen schlechterer Infrastruktur, die man fürs tägliche Leben benötigt.» Die Post plant je nach Kanton verschieden. Sie handelt laut eigener Aussage «nach schweizweit einheitlichen Kriterien und bespricht die lokale Situation im Dialog mit den Gemeinden».

Niemand sei glücklich, wenn Dienstleistungen abgebaut würden, konstatiert Niederdorfs Gemeindepräsident Martin Zürcher. «Dem Gemeinderat ist aber klar, dass es bei der Post betriebswirtschaftlich so nicht weitergehen kann.» In Niederdorf stand auch eine Postagentur zur Diskussion. Doch dafür wurde kein Partner gefunden, der diese über einen längeren Zeitraum hätte betreiben können. Die Gemeindeverwaltung fiel gemäss Zürcher wegen der räumlichen Verhältnisse ausser Betracht.

Urs Casagrande, der Gemeindepräsident von Reigoldswil, zeigt sich «gar nicht erfreut und unglücklich» darüber, dass seine Gemeinde im Mai 2017 ihre Poststelle verlieren wird. «An Sitzungen mit Postvertretern haben wir uns entsprechend gewehrt, leider erfolglos.» Casagrande ist aber froh, dass die Postagentur in der Drogerie Heiniger Unterschlupf findet und man vom Hausservice hat absehen können. Er gibt zu bedenken, dass sich für Reigoldswiler ab kommendem Frühling die nächste Poststelle in Bubendorf befindet.

Die Faust im Sack

Die beiden Gemeindepräsidenten haben bisher noch keine Reaktionen aus der Bevölkerung wahrgenommen. «Die meisten haben gespürt, dass die Poststelle verloren geht», mutmasst der Niederdörfer Martin Zürcher. Urs Casagrande aus Reigoldswil vermutet, dass der eine oder die andere schon die Faust im Sack macht.

Gemäss Markus Flückiger, Kommunikationsverantwortlicher Postnetz, lautet bei der Umwandlung einer Poststelle immer das Ziel, eine gute Lösung zu finden. «Wir analysieren die Sache zusammen mit Gemeindevertretern, wie Postdienstleistungen künftig angeboten werden können.»

Seit Anfang 2012 hat die Post im Baselbiet 14 Poststellen geschlossen, jetzt existieren noch 34 (Stand 1. September 2016). Die Zahl der Postagenturen stieg im gleichen Zeitraum um 14 auf 24. Im ganzen Kanton wurden per Anfang Monat 32 Gemeinden mit dem Hausservice bedient. 90 Post-Standorte im Baselbiet sind identisch mit früheren.

«Zwar hat das Angebot gewechselt, aber wir bieten unsere Dienstleistungen auf unterschiedlichen Kanälen an, und wir sind mit unseren Dienstleistungen weiterhin vor Ort präsent», sagt Flückiger und ergänzt: Auch profitiere der Kunde an vielen Orten von längeren Öffnungszeiten.