«Bis zum Jahr 2030 sollen gemäss Energiestrategie im Baselbiet 20 bis 30 Gigawattstunden Windstrom erzeugt werden», erläuterte Kantonsplaner Martin Kolb am Samstag im Gemeindehaus Läufelfingen. Dann nahmen drei Dutzend Interessierte den Anstieg ins «Potenzialgebiet Eptingen/Läufelfingen» unter die Wanderschuhe, um im Gelände zu erkunden, wie viele Fragen noch offen sind.

Der Kanton hat die insgesamt 14 Potenzialgebiete für Windparks nach einer Kaskade von Kriterien ausgeschieden. Dazu gehört, dass eine Kilowattstunde Strom von einem infrage kommenden Standort nicht mehr als 25 Rappen kosten darf. Naturschutzgebiete sind tabu. Und bei der Untersuchung, wie weit ein Windkraftwerk das Landschaftsbild stört, darf ein Standort nicht zum schlechtesten Viertel gehören. Zu dieser letzten Frage diskutiere der Kanton laufend mit den Verbänden, bevor er demnächst die Potenzialgebiete im Kantonalen Richtplan festsetzt. Als nächster Schritt müssten dann die Gemeinden dies in ihren Zonenplänen berücksichtigen, bevor allfällige Investoren überhaupt ein Baugesuch einreichen könnten.

Keine Top-down-Planung

Dass der Weg dahin - wie Kolb es ausdrückte - «dornig und steinig» wird, machten die Referate im Gelände deutlich. «Die Schweizer Energieunternehmen investieren derzeit 2 Milliarden Franken in Windenergie, davon aber nur ein Zehntel in der Schweiz», berichtete der Geschäftsführer des Windkraftverbands Suisse Eole, Reto Rigassi. Einerseits seien erst in jüngster Zeit Anlagen entwickelt worden, die auch unter Schweizer Windverhältnissen rentieren. Relevant sei im Übrigen nicht die von den Gegnern ins Feld geführte Durchschnittsgeschwindigkeit, sondern die Zahl der Volllaststunden, die in der Schweiz 2012 besser gewesen sei als in Deutschland.

Andererseits herrsche gegenüber der neuen Technologie Unsicherheit. Deshalb plädiert er dafür, dass anders als in Deutschland, wo Planungen von oben herab zu Widerstand führe, in der Schweiz die lokale Bevölkerung zu Wort kommt. «Der Bezug zum Projekt ist wichtig, die Leute vor Ort sollen mitentscheiden.» Seine Erfahrung: «Gemeindepräsidenten berichten, dass oft unter den Einsprechern niemand ist, der in der Gemeinde Steuern bezahlt.» So habe auch im viel kritisierten St. Brais die Gemeindeversammlung dem Ausbau des Windparks zugestimmt.

«Die Finger davon lassen»

«Das Landschaftserlebnis ist subjektiv», erklärte dagegen Matthias Rapp von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz. Leute aus der Agglomeration würden dies anders empfinden, und um die Emotionalität zu unterstreichen, zitierte er das Baselbieter Lied. «Es ist billig zu sagen, die Leute vor Ort sollen selbst entscheiden.» Zwar sei die Stiftung Landschaftsschutz auch für die Energiewende, aber im Kettenjura ob Läufelfingen müsse man «die Finger davon lassen».

Ein Teil des möglichen Windparks stehe in einer vom Bund geschützten «typischen Landschaft». Diese zeichne sich durch ihre Kleinräumigkeit aus. Bei Hügeln, welche die Umgebung nur um bis zu 100 Metern überragen, seien die Windkraftanlagen mit 150 Meter Gesamthöhe disproportioniert. Sichtbarkeitsanalysen, wie der Kanton sie vorgenommen hat, würden deshalb nicht genügen. Zudem sei der Standort nur als mittelmässig rentabel eingestuft.

Vogelschlag-Studie erforderlich

Weniger kategorisch äusserte sich Matthias Kestenholz von der Vogelwarte Sempach, die per Radar den Vogelzug analysiert. «Dazu, wie viele Kollisionen von Vögeln mit Windkraftwerken es gibt, fehlen die Daten.» Man müsste langfristig ein Netz unter Anlagen aufspannen, um sicher feststellen zu können, wie viele Opfer es gebe. Diese würden oft von Katzen, Füchsen und Dachsen beseitigt, bevor die Forscher das Gelände absuchen. Relevant seien Windkraftwerke aber nur für segelnde Greifvögel und den Vogelzug, der zu drei Vierteln nachts stattfindet. Lokale Vögel würden sich aber nicht in diese Höhe begeben.

Rigassi stimmte der Forderung nach wissenschaftlicher Klärung zu. Er verwies aber auch auf die sonst in Kauf genommenen Vogelfallen wie Glasfassaden und Verkehrswege.