Generationen von Fabrikarbeitern verbinden mit den Bauten der Schweizerischen Isola-Werke in Breitenbach viele Erinnerungen. Gemütliche Ausflüge an die durch das Industriegebiet fliessende Lüssel während der Mittagspausen gehören nicht dazu. Der Bach, dem der Thiersteiner Hauptort seinen Namen verdankt, wurde einst zweckmässig einbetoniert und damit zu einem Kanal.

Die Isola gehört heute zur Von Roll-Gruppe, die sich aus den alten Räumlichkeiten zurückgezogen hat. Die Lüssel fristete jedoch bis vor kurzem noch immer ein eingepferchtes Schattendasein. Das ändert sich momentan, denn der Bach wird zum Naherholungsgebiet mitten im Dorf.

Schon bald fliesst er durch den sogenannten Lüsselpark, von dem sich Breitenbach einen Attraktivitätsschub erhofft. In direkter Umgebung des renaturierten, verbreiterten Gewässers entstehen ein neuer Standort für die CoopFiliale, eine Filiale der Raiffeisenbank und viele Wohnungen.

Die um gut ein Drittel grössere Coop-Filiale, der derzeit noch an der Passwangstrasse ist, sowie die Raiffeisenbank, die neu nach Breitenbach kommt, eröffnen zeitgleich Ende Juni. «Coop ist mit Abstand der grösste Mieter», erklärt Daniel Allemann, Geschäftsführer des Investors, der Immobilien Lüssel AG.

Seine Firma hatte im Jahr 2015 den nördlichen Teil des Areals von der Von Roll erworben. Viele Gebäude auf der rund 20 000 Quadratmeter grossen Fläche, darunter auch zwei alte Hochkamine, wurden dem Erdboden gleichgemacht. Bei der Altlastensanierung musste man 40 000 Tonnen, teilweise mit Phenolen kontaminiertes, Material abtransportieren – etwa 2000 Lastwagen voll.

Isola-Rohbau bleibt erhalten

Zuerst sei es die Idee gewesen, sämtliche Produktionshallen abzureissen, erklärt Allemann, dessen Firma rund 30 Millionen Franken investiert. «Bei unseren Planungen haben wir uns aber entschieden, einen Rohbau aus den 60er-Jahren zu erhalten, da die Substanz noch immer sehr gut ist.» In das direkt an der Laufenstrasse gelegene Gebäude zieht im Erdgeschoss Coop ein, die oberen Stockwerke werden als Wohnflächen genutzt.

Bis Mitte 2019 errichtet die Immobilien Lüssel AG im ehemaligen Industriegebiet insgesamt 56 Wohnungen. «Die ersten sieben Loftwohnungen sind bereits im April bezugsbereit», sagt Allemann. Es seien zwar noch keine Anzeigen aufgegeben worden, man sei aber zuversichtlich, bald Mieterinnen und Mieter zu finden.

24 Wohnungen befinden sich in einem grosszügigen, rechteckigen Neubau. Oberhalb der Raiffeisenbank ist ein Ärztezentrum mit fünf Praxen geplant. Nebenan erhält das Quartier ein zentrales Parkhaus, das sowohl von den Bewohnern als auch von Coop-Kunden genutzt wird. Um einzukaufen, müssen die Autofahrer künftig einige Meter über eine neue Lüssel-Brücke laufen.

Industriemuseum soll umziehen

Kommt die Immobilien Lüssel AG mit der Vermietung der Wohneinheiten gut voran, möchte sie auf dem Gelände weitere 100 Wohnungen in Auftrag geben. Der Breitenbacher Gemeindepräsident Dieter Künzli sieht im Gebiet südlich des Lüsselparks sogar Potenzial für über 1000 neue Einwohnerinnen und Einwohner.

«Wir sprechen hier zwar von grossen Zeiträumen. Aber in den nächsten 20 Jahren ist das durchaus denkbar», erklärt er. Das neue Quartier sei für Breitenbach ein Glücksfall. «Endlich wird unser Bach, die Lüssel, für die Bevölkerung erlebbar gemacht», freut er sich. Die Uferpromenade soll zu einer Begegnungszone werden.

Um dies noch zu begünstigen, hat die Gemeinde vor, das bisher in der Aula des einstigen Primarschulhauses untergebrachte Industriemuseum unterhalb des Coops einzumieten. «Der Museumsverein muss den jetzigen Standort in den nächsten Jahren verlassen», erklärt Museumsgründer Ernst Hagenbuch. «Am neuen Ort hätten wir deutlich mehr Möglichkeiten als bisher», ist für ihn klar.

Gemeindepräsident Künzli betont, dass Breitenbach bereit wäre, den Museumsverein finanziell zu unterstützen. Geplant ist es, dass die Gemeinde die Mietkosten übernehmen wird. «Dafür braucht es aber noch einen Beschluss der Gemeindeversammlung.» Im Lüsselpark, da sind sich sowohl Gemeinde als auch Museumsgründer einig, wäre das Industriemuseum hervorragend aufgehoben.