Der Einwohnerrat bewilligte bereits den dafür notwendigen Kredit. Die Gemeinde setzt mit dem Entwicklungsprojekt auf eine enge Zusammenarbeit mit den Quartierbewohnern. Damit will sich Pratteln das Image eines familienfreundlichen Wohnorts geben.

«Durch die Förderung der sozialen Integration und durch den Anstoss zur Selbstorganisation sollen Ausgrenzung, soziale Isolation und Erscheinungen wie Littering und Vandalismus vermindert werden», heisst es im Programm «Projets urbains II».

Für Pratteln ist das Projekt bis jetzt ein Erfolg. Die 2008 gesetzten Ziele für das einstige «Ghetto» Längi seien zum grossen Teil erreicht worden. So sei der Quartierverein Längi entstanden, in dem sich engagierte Bewohner für ihr Quartier einsetzen können.

Die Erfolge sind indes schwer zu messen: «80 Prozent des Projekts findet in den Köpfen statt», sagt der externe Projektkoordinator Michael Emmenegger. Viel Dialog soll das Verhältnis zwischen den Quartierbewohnern untereinander und mit der Gemeindeverwaltung verbessern. Der Quartierverein spiele dabei eine zentrale Rolle. «Der grösste Erfolg ist, dass sich in der Verwaltung eine Kultur des Einbezugs von Quartierbewohnern entwickelt hat», sagt Emmenegger.

Konkret zu erkennen sind die Erfolge an einigen Beispielen. So sei es in der Längi markant sauberer geworden. Sinnbild dafür ist die von der Gemeinde erstellte Wertstoffsammlungsstelle beim Spar. Auch der Mangel an Spielmöglichkeiten wurde behoben: An der Wyhlenstrasse gibt es einen neuen, von Kindern mitentworfenen Spielplatz. Und gleich gegenüber steht ein Streetsoccer-Feld. Folgt man der Wyhlenstrasse weiter Richtung Bahnhof Salina Raurica kommt man zu einem Bewegungspark, den die Gemeinde vom verwahrlosten «Hundeklo» zum grünen Treffpunkt entwickelte.

Die Idee eines Bewegungsparks kam von einem türkischen Quartierbewohner, sagt Emmenegger. Er betont damit, dass es dem «Projet urbain» gelungen sei, auch die ausländische Bevölkerung einzubeziehen. «So können sie sich für die Gemeinde engagieren, obwohl sie nicht wählen oder abstimmen können», sagt Emmenegger. Bis 2014 soll die Längistrasse zur Begegnungszone werden und so die gegenseitige Integration von Schweizern und Ausländern weiter voran bringen. Die Arbeitsgruppen seien bereits heute gemischt.

Emmenegger und SP Gemeinderat Ruedi Brassel betonen, dass die Projekte weitergeführt werden, um die Lebensqualität in der Längi weiter zu verbessern. Das «Projet urbain» sei ein Prozess. Brassel betont aber auch, dass die bessere Verkehrsanbindung des Quartiers massgeblich zur positiven Entwicklung beigetragen habe. Nebst dem Bahnhof Salina Raurica ist eine Verlängerung des 14er-Trams vorgesehen.

Zwei weitere Problemquartiere

Mit den Erfahrungen aus der Längi wird das «Projet urbain» auf die Wohngebiete Rankacker/Gehrenacker und Aeglimatt/Stockmatt ausgeweitet. «Auch dort fehlen geeignete Aussenräume, Spielorte und Treffpunkte sowie gemeinschaftliche Strukturen, die gerade die Integration von Migrantinnen und Migranten ins Gemeinwesen erleichtern könnten», heisst es im Programm weiter. Obwohl sich die drei Quartiere nicht eins zu eins vergleichen liessen, wie Brassel betont, seien dort die Herausforderungen ähnlich wie in der Längi vor dem Start des Quartierprojekts vor vier Jahren.

In den drei Entwicklungsgebieten wohnen 6550 Personen. Dies sind 45 Prozent der Prattler Bevölkerung. Bereits jetzt konnte die ganze Gemeinde vom «Projet urbain» profitieren. So entstand das Pratteler Feriendorf für Kinder und Jugendliche, die Frühförderung für Vorschulkinder und das Integrationsprojekt «Musik, Bewegung, Geschichten», welches ins Regelangebot der Musikschule aufgenommen werden soll.