Die Explosion vom 16. Februar in der Chemiefirma Rohner ist in Pratteln noch immer ein grosses Thema. In der Gemeinde macht sich offenbar ein Gefühl der Ohnmacht breit, denn bei den Sicherheitsbestimmungen hat sie nichts zu sagen. Man sorgt sich offen darüber, dass die finanziellen Engpässe der Firma zu weiteren Sicherheitsproblemen führen könnten.

Gemeindepräsident Beat Stingelin nutzte am Montag im Einwohnerrat die Gelegenheit, um scharf gegen die Firma Rohner zu schiessen. So habe die Firma beim Frischwasserbezug seit Oktober 2014 immer wieder Zahlungsausstände gegenüber der Gemeinde Pratteln aufgewiesen. «Immer wieder sind wir zusammengesessen und haben mit dem jeweils neuen Finanzchef eine neue Zahlungsvereinbarung erstellt, die dann von Rohner nicht eingehalten wurde», sagte Stingelin.

Mit halber Million in der Kreide

Im Moment sei über eine halbe Million Franken ausstehend. Stingelin wollte auf Anfrage nicht sagen, welchem Zeitraum des Wasserbezuges dies entspreche. Wegen der Liquiditätsprobleme der Firma würden inzwischen nicht nur die Entsorgungsfirmen, sondern auch das Baselbieter Sicherheitsinspektorat Vorkasse verlangen.

Auch Pratteln will jetzt Druck aufsetzen: «Wenn sie jetzt nicht bezahlen, werden wir das Wasser gnadenlos abstellen», so Stingelin. Entsprechende Androhungen haben indes den Kanton Baselland bereits dazu gebracht, schriftlich auf die Gefahren eines solchen Wasserunterbruchs hinzuweisen: Pratteln müsse dies mindestens 14 Tage vorher ankündigen.

«Wasser ist ein wesentliches Element für einen sicheren Betrieb», so das Sicherheitsinspektorat, und wies auf Kühlungsaufgaben sowie auf den Einsatz von Wasser als Löschmedium hin. «Ja, das hätte ich auch gewusst. Wir hätten nicht einfach so abgestellt», kommentierte Beat Stingelin die Belehrungen am Montag leicht sarkastisch. Er sagte auch, man wolle keine Schliessung des Werkes. Auch erinnerte Stingelin daran, dass das Chemiewerk schon lange dort war, bevor rundherum Wohnungen gebaut wurden.

Einwohnerrätin Andrea Klein von der Fraktion FDP-Mitte hatte die Interpellation zum Thema gestellt und damit die Diskussion ausgelöst. Anschliessend zeigte sie sich schockiert über das Verhalten von Rohner. «Natürlich sind dort auch 230 Arbeitsplätze. Es waren aber auch schon mehr», so Klein.