Niemand war am Montag im Prattler Einwohnerrat gegen die geplanten Kindergärten, zumindest nicht grundsätzlich: Im Prinzip seien die geplanten Neubauten eine gute Sache, und man sei dafür, betonten die Sprecher aller Fraktionen. Doch so richtig überzeugt ist man gleichwohl noch nicht.

Vier neue Doppelkindergärten sollen entstehen: im Gebiet Münchacker, im Zweien, im Gehrenacker sowie ziemlich zentral auf der Jugendhauswiese. Gebaut werden soll 2018 im Frühling und Sommer, die hierzu wichtigen Stichworte lauten «schlüsselfertig» sowie «Fixpreis». Dennoch kommen die vier Doppelkindergärten auf insgesamt knapp über neun Millionen Franken zu stehen, und da wollten einige Einwohnerräte doch noch etwas genauer die Kosten analysiert haben.

Fachleute nicht willkommen

So forderte Einwohnerrat Andreas Seiler (FDP) am Montag, Kinder im Rollstuhl könne man doch in einem Kindergarten zusammenfassen, der Einbau von Liften in die doppelstöckigen Gebäude wäre damit unnötig. Benedikt Schmidt (Unabhängige/Grüne) wunderte sich, dass die Bruttobeträge in den Vorlagen neuerdings «inklusive höchstem Maluszuschlag» angegeben werden; diesen Malus könne man problemlos herausstreichen. Claude Weisskopf (SVP) wiederum fragte, weshalb für ein in der Werkstatt zusammengestelltes Fertigbauhaus noch eine Reserve von satten fünf Prozent einberechnet werden müsse. Wie seit vielen Jahren üblich hatte der Gemeinderat zwei Fachleute von der Bauverwaltung zur Ratsdebatte eingeladen, um Detailfragen zu erörtern. Das passte Gert Ruder (SP) allerdings gar nicht: Es könne doch nicht sein, dass ein Chefbeamter hier quasi eine öffentliche Kommissionsberatung vom Zaune bricht.

Das sahen alle anderen Einwohnerräte genau gleich: Einstimmig überwiesen sie die vier Vorlagen an die Bau- und Planungskommission, dort werden die Details vorerst hinter verschlossenen Türen diskutiert.

Am unklarsten dürften die Mehrheitsverhältnisse beim geplanten Doppelkindergarten auf der Jugendhauswiese sein: Der Gemeinderat musste sich schon den Vorwurf des Schildbürgerstreichs anhören, weil er zuerst eine Mobilfunkantenne auf dem Jugendhaus unterstützte, dann aber wegen des geplanten Kindergartens Einsprache gegen die Antenne erhob. Gemeindepräsident Stephan Burgunder betonte dazu am Montag, ein nachträglich eingereichtes Gutachten der Mobilfunkbetreiberin zur Emissionsbelastung vom November 2016 zeige keine Probleme, das Thema sei damit erledigt.

Doch noch ist eine Initiative der Unabhängigen Pratteln hängig, die das Freihalten aller Grünflächen in der Wohnzone vorschreibt. Die meisten Grünflächen sind sowieso nicht überbaubar, doch bei der Jugendhauswiese stünde die Initiative den Gemeinderatsplänen eindeutig im Weg.

Einwohnerrat gegen Freiflächen

Die Initiative wurde am Montag im Rat mit 25 zu 13 Stimmen abgelehnt, damit muss sie dem Stimmvolk vorgelegt werden. Statt der Initiative setzte das Gemeindeparlament auf einen Gegenvorschlag, der dem Gemeinderat mehr Freiheiten lässt. Ob in der Zwischenzeit der neue Kindergarten auf der Jugendhauswiese weitergeplant werden darf, ist höchst umstritten. Die Zeit drängt: Ohne die neuen Kindergärten sei man spätestens ab Herbst 2018 auf teure Provisorien angewiesen, warnt der Prattler Gemeinderat.