Zum fünften Mal nimmt er am Regionalen Preistrommeln und Preispfeifen teil, zum fünften Mal steht er vor dem Gang auf die Bühne. Zum ersten Mal aber gehört er zu den Besten, bestreitet den Final, ist mindestens schon Fünfter. Noch zwei Minuten.

Mit seiner 37. Ausgabe kehrte der Wettbewerb nicht nur nach Liestal zurück. In der Tat war es eine Rückkehr zu den Wurzeln, denn hier hatte die Geschichte des Wettkampfs einst begonnen, begründet durch die Liestaler Fasnachtscliquen. «Es ist ein Anlass für Junge, ein Anlass, den Nachwuchs zu fördern», sagt Heiner Bader, Repräsentant der Liestaler Rotstabclique im Organisationskomitee, und ergänzt: «Und die Jungen, die sind zünftig im Saft.» Damit meint er das Niveau der Pfeifenden und Trommelnden. Einst war er selbst dabei, pfiff um gute Noten und gewann einst auch, «aber frag mich nicht wann.» Er müsse damals, gräbt er in Erinnerungen, etwa 17 gewesen sein. Heute sind 140 Teilnehmende am Start. Bader sagt: «Es ist ein gutes Gefühl, sind wir mit dem ‹Regionalen› wieder in Liestal, im ‹Engel›.»

Spiel in Socken

Sechs Meter misst der Gang, der vom Foyer des «Engels» zur Bühne führt. Philipp Furler geht sie mit seiner Mutter, ebenfalls Pfeiferin bei der Tambouren- und Pfeiferclique Bubendorf. Er schwenkt seine Hände zum Zeichen: Jetzt sei er nervös. «Aber es macht einfach Spass, hier mitzumachen.» Dann geht es hoch auf die Bühne, fünf Stufen, Philipp richtet seine Larve, atmet tief durch, ein letzter Tipp von der Mutter, dann steht er auch schon oben.

Jeder hat seine eigene Strategie, die Minuten vor dem grossen Auftritt zu überstehen. Der eine, Niklas Brodbeck von der Rotstab-Clique, wird von einem Cliquenfreund begleitet und angespornt. Die andere, Rahel Bischofberger aus Frenkendorf, einst mit elf Jahren jüngste Siegerin ihrer Kategorie, plappert wild drauflos. Sie pfeift in Socken, weil sie während des Spiels derart stark mit den Füssen klopft, dass sie Angst habe, es könne ablenken oder gar stören. Rahel, heute 17-jährig, wird am Ende Zweite bei den Pfeifern, Niklas Dritter bei den Trommlern.

Die beste Zeit des Jahres

Wenn einer auf der Bühne steht, sein Stück vorzutragen, wird es still im Publikum. Einzig der Klang von Kinderstimmen ist hie und da zu hören, aber das lenkt keinen der Auftretenden ab. Auch nicht Philipp Furler, der hoch konzentriert zu Werke geht. Aber nicht erst gegen Schluss, als sich der eine oder andere Fehler einschleicht, kann seine Mutter nicht mehr hinsehen. Sie hat, vom ersten Ton an, den Kopf in die Arme vergraben.

Als Philipp Furler geendet hat, flucht er ausgiebig. Verhauen habe er es, und über den fünften Platz werde er es sicher nicht mehr schaffen. So kommt es denn auch. Unglücklich ist er nicht. Es ist sein bestes Resultat am «Regionalen». Und nächstes Jahr ist er wieder dabei. Doch vorher kommt noch die Fasnacht. «Sie ist die beste Zeit. Darauf freue ich mich das ganze Jahr», jubiliert er. Und Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude.