Die Schüler der Sekundarschule Aesch dürfen sich freuen: Im neuen Schuljahr, also ab Montag, beginnt für sie der Unterricht in der Regel erst um 8.20 Uhr – und nicht mehr bereits um 7.30 Uhr wie bisher. Die meisten Aescher Sek-Schüler können also künftig länger im Bett liegen bleiben, jeweils fast eine Stunde. Die Sek Aesch ist die erste im Baselbiet, die den Unterrichtsbeginn nach hinten verlegt. Damit nimmt sie im Kanton Baselland eine Pionierrolle ein.

Beschlossen hat die Verschiebung der Lehrerkonvent. Das war bereits im März. Laut Carol Rietsch, einem von drei Schulleitern der Sek Aesch, wurde der Entwurf des neuen Stundenplans am 2. Juni nochmals diskutiert. «Die anschliessende Befragung hat ergeben», schreibt Rietsch, «dass eine Mehrheit der Lehrpersonen den Entwurf aus pädagogischer Sicht unterstützt.» Was sich die Schulleitung erhofft: Die Schülerinnen und Schüler sollen ausgeschlafener sein – und somit auch bessere Leistungen erbringen.

Der spätere Unterrichtsbeginn hat jedoch einen grossen Nachteil: Es müssen mehr Lektionen an den Nachmittagen untergebracht werden. So kann es sein, dass gar kein Nachmittag mehr schulfrei ist. Das führte laut einem Bericht der «Basler Zeitung» zu Kritik von Schülern der Sek Aesch, teilweise auch von Eltern.

Schulleiter Rietsch sagt, dass von 19 Klassen weiterhin deren 11 einen freien Nachmittag pro Woche hätten. Auch gebe es weiterhin Lektionen, die um 7.30 Uhr angesetzt würden – dies sei aus «stundenplantechnischen Gründen» gar nicht anders möglich gewesen. Man habe sehr unterschiedliche Reaktionen erhalten auf den neuen Stundenplan, berichtet Rietsch. Viele der in der Regel 13- bis 15-jährigen Schülerinnen und Schüler würden indes den freien Nachmittag dem «Ausschlafen» vorziehen.

Jede Minute zählt

Mit der Verschiebung reagiert die Schule auf Erkenntnisse der Chronobiologie: Beginnt die Schule später, sind Jugendliche fitter, der Effekt ist schon bei zwanzig Minuten festzustellen (siehe Kasten).

In Aesch will man abwarten, wie sich der neue Unterrichtsbeginn bewährt: Auf Ende Jahr werde der Test evaluiert, sagt Carol Rietsch. Die Baselbieter Bildungsdirektion war nicht in den Entscheid miteinbezogen. Das Amt für Volksschulen (AVS) teilt mit, die Schulleitungen würden die Stundenpläne in eigener Verantwortung genehmigen. Das AVS sei nicht angefragt worden, den Versuch zu begleiten. Ebenso ist dem AVS keine andere Schule im Baselbiet bekannt, die einen späteren Unterrichtsbeginn beschlossen hat oder dies in Betracht ziehe.