3,7 Millionen Franken will der Kanton Baselland bei den Privatschulbeiträgen sparen — betroffen wären über 1500 Schülerinnen und Schüler. Voraussichtlich im Herbst dieses Jahres kommt die Vorlage vors Volk. Die Beiträge von 2500 Franken pro Kind und Jahr sollen gestrichen werden, mit Härtefallklausel für einkommensschwache Familien.

Die Gründe, warum Eltern ihre Kinder in Privatschulen schicken, sind ganz unterschiedlich: von der Möglichkeit Unterricht in englisch zu besuchen, über weltanschauliche bis hin zu religiösen Überlegungen.

Eine Schule, die sich aus weltanschaulichen Gründen der sogenannten Reformpädagogik verschrieben hat, ist die Offene Schule in Liestal. Sie ist eine der Privatschulen, die sich mit den finanziellen Auswirkungen des Sparkurses auseinandersetzen muss. Als im März die Landratsdebatte zum Thema stattfand, sass eine Delegation der Privatschule auf den Zuschauerplätzen. Dort konnte sie live miterleben, welche Argumente gegen die Unterstützung ihrer Schule vorgebracht wurden.

Solidarische Finanzierung

Schulleiter Matthias Held sieht bei der künftigen Finanzierung seiner Schule Probleme. Denn: «Die Eltern gehen jetzt schon an ihre finanzielle Schmerzgrenze.» Bei 2050 Franken liegt der maximal zu leistende Beitrag für ein Kind im Monat. Die Eltern tragen die Finanzierung der Schule solidarisch. Will heissen: Mit dem Maximalbetrag werden Einkommensschwächere quersubventioniert. Der Beitrag des Kantons über 2500 Franken im Jahr entschärfte bis anhin diese Praktik.

Held spricht davon, dass es an seiner Schule eine starke Durchmischung von finanzstarken und finanziell schwachen Elternhäuser gebe. Ob künftig vermehrt finanziell bessergestellte Familien angenommen werden müssen? «Wir hoffen nicht, die Gefahr besteht jedoch», sagt Held. Es sei eine grundsätzliche Frage, ob nur noch besser verdienende sich Privatschulen leisten können, gibt Held zu Bedenken: «Das muss der Kanton entscheiden. Ich sehe das nicht so.»

Die Offene Schule Liestal hat indes einen Plan B, wie sie die fehlenden Gelder in Zukunft bis zu einem gewissen Grad ersetzen will. «Wir werden die Geldsuche für unseren Unterstützungsfonds intensivieren müssen», so Held. Mit diesem Schulgeldfonds wird bereits heute ein Teil der Schule finanziert. In Zukunft soll dieser Fonds mit Geldern aus Stiftungen und von Privatpersonen noch stärker gespeist werden.

Momentan bietet die Schule Offenes Lernen um die 60 Plätze an. Wachsen, um damit die drohenden finanzielle Baisse abzudämpfen, wolle die Institution nicht, wie Matthias Held sagt. «Das würde nicht zu unserer pädagogischen Ausrichtung passen.» Jede Lehrperson kenne jeden Schüler. Unabhängig davon, ob sie die Kinder überhaupt unterrichtet. Die Schülerinnen und Schüler der Privatschule Offenes Lernen seien aus ganz unterschiedlichen Gründen an der Schule. Oftmals aber deshalb, weil sie in den öffentlichen Schulen über- oder unterfordert würden, wie Held erklärt. «Wir schauen, welche Bedürfnisse die Kinder individuell haben, doch sollen die individuellen Ziele in der Gruppe erreicht werden», erklärt Held den reformpädagogischen Ansatz der Schule. So tragen die Schülerinnen und Schüler im Schulalltag Verantwortung mit. Das Schulhaus wird etwa zusammen geputzt und immer wieder neu gestaltet. Doch gäbe es klare Schranken, in denen sich die Kinder zu bewegen haben.

Beitrag nicht entscheidend?

Die Baselbieter Regierung geht davon aus, dass die Privatschulen nicht in ihrer Existenz bedroht seien. Die 2500 Franken Unterstützungsbeitrag seien meist nicht entscheidend, ob ein Kind in einer Privatschule geschickt werde, heisst es in einer Interpellationsantwort der Regierung zum Thema. Und weiter: «Andere Lernmethoden und Unterrichtssprachen, andere pädagogische Ausrichtungen und Konzepte der Tagesbetreuung spielen eine bedeutendere Rolle.»

Zudem sei das Herkunftsland der Eltern vielfach entscheidend: Gerade Kinder aus dem angelsächsischen Raum oder Frankreich, welche im Baselbiet wohnen, würden eher eine Privatschule besuchen, als Schweizer Kinder. Knapp 1000 Baselbieter Schülerinnen und Schüler werden im Baselland an Privatschulen unterrichtet. Der Rest der 1500 Kinder besucht ausserkantonale Privatschulen. Ein Teil etwa im Kanton Basel-Stadt.