Im ersten Moment tönte es paradox, was der Baselbieter Feuerwehrinspektor Werner Stampfli am Donnerstag an einer Medienorientierung im Liestaler Feuerwehrmagazin sagte: «Wir wollen mit ‹Florian› das Milizsystem bei der Feuerwehr retten, indem wir das tagsüber bestehende Loch mit professionellen Leuten auffüllen.» Doch je länger Projektleiter Stampfli und der Hersberger Gemeindepräsident Florian Kron, der den Lenkungsausschuss präsidiert, über «Florian» referierten, desto mehr löste sich das Paradox auf.

Sie machen bei «Florian» mit

Hinter dem Projekt Florian stehen derzeit elf Gemeinden. Es sind dies Liestal und Bretzwil mit heute je einer eigenen Feuerwehr; Seltisberg und Lupsingen (in Verbundfeuerwehr Oris zusammengeschlossen); Arisdorf und Hersberg (Verbund Viola); Bubendorf, Ramlinsburg und Ziefen (Verbund Wildenstein); sowie Reigoldswil und Lauwil (Verbund Wasserfallen).

Tagsüber immer weniger Leute

Denn das Regionalfeuerwehr-Projekt ist die Antwort von elf Gemeinden (siehe Box) auf eine gesellschaftliche Herausforderung: Die Leute sind zusehends mobiler und arbeiten weniger am Wohnort. Dadurch sind die Mitglieder der Ortsfeuerwehren tagsüber immer weniger in der Lage, im Alarmfall rechtzeitig einzurücken.

Stampfli sagte dazu: «Wir sind bei der Feuerwehr organisatorisch im 20. Jahrhundert stehen geblieben.» Und das kann ins Auge gehen: Im Einzugsgebiet der elf Gemeinden gab es laut Stampfli 2015 rund 400 Einsätze, davon 130 «zeitkritische». Das sind Einsätze wie vorgestern beim Brand im Liestaler «Kanonenkügeli», bei denen es um Minuten geht. Eine Zürcher Studie besagt offenbar, dass wegen der eingeschränkten Verfügbarkeit 80 Prozent der ausgebildeten Feuerwehrleute nie einen Brand löschen.

«Florian» – der Name leitet sich nicht von Florian Kron, sondern vom Feuerwehr-Schutzpatron ab – will nun eine gemeinsame Feuerwehr für die elf Gemeinden mit zwei sogenannten Wachen. In der Hauptwache in Liestal sollen künftig zehn Festangestellte (heute vier) mit tagsüber fixen Arbeitszeiten und mindestens 90 Miliz-Feuerwehrleute Dienst tun, in der zweiten Wache in Reigoldswil mindestens 30 Milizionäre. Heute gehören den Feuerwehren der elf Gemeinden 250 Personen an. Diese könnten aber, so versicherten Kron und Stampfli, weiter Dienst tun, es werde niemand herausgeschmissen.

Aber auch ohne Rausschmisse dürfte «Florian» an den Gemeindeversammlungen, die der Feuerwehr-Fusion noch zustimmen müssen, keinen einfachen Stand haben. Auf jeden Fall sagte Kron, dass die Stimmung bei der Information der betroffenen Feuerwehrleute vorgestern Abend emotional gewesen sei, begleitet von vielen kritischen Fragen.

Für das Projekt sprechen hingegen die Kosten: Diese sollen laut Kron längerfristig dank kleinerer Personalbestände und Fahrzeugpärke sowie frei werdender Feuerwehr-Magazine sinken. Stampfli wünscht sich denn auch insgesamt nur noch fünf Verbünde à la «Florian» im Baselbiet.