Am Sonntag ist es so weit: Im luzernischen Hochdorf entscheiden die Abgeordneten des Eidgenössischen Schwingerverbands (ESV) über die Vergabe des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests (ESAF) 2022. Erstmals überhaupt dürfte der Zuschlag an den Kanton Baselland gehen, konkret an den Standort Pratteln. Schliesslich ist er einziger Bewerber und der Nordwestschweizer Schwingerverband turnusgemäss an der Reihe. Die bz berichtete in den vergangenen Monaten jedoch auch immer wieder über mögliche Stolpersteine. Projektkoordinator Thomas Beugger nimmt Stellung.

Herr Beugger, was sagt Ihr Bauchgefühl? Erhält Pratteln den Zuschlag?

Thomas Beugger: Wir haben ein sehr gutes Gefühl, weil wir überzeugt sind, dass unser Projekt gut ist und wir auch viel Unterstützung spüren. Zudem konnten wir alles abklären, was man viereinhalb Jahre vor dem Schwingfest abklären kann. Auch eine wichtige Vorbedingung ist erfüllt: Wir unterschrieben das Pflichtenheft des ESV, nachdem wir uns in allen Punkten einigen konnten. Alle Zeichen stehen auf Grün.

Haben Sie etwas Spezielles vorbereitet, um das Baselbiet und Pratteln dem ESV vorzustellen?

Wir haben am Sonntag 25 Minuten Zeit, um unsere Bewerbung zu präsentieren. Was wir genau machen, soll eine Überraschung sein. Ich verrate nur so viel: Über 50 Personen machen bei unserem Auftritt mit, darunter einige Nachwuchsschwinger.

Eine geschützte Panzersperre, geschützte Hecke und Hochspannungsleitung mitten durchs Festgelände, dazu die Verkehrs- und Parkplatzfrage: Kann das Schwingfest in Pratteln noch an solchen Problemen scheitern?

Das sind keine Probleme, sondern nur Herausforderungen. Und diese werden wir alle meistern. Sämtliche von Ihnen genannten Themen haben wir bereits in der Machbarkeitsstudie vor einem Jahr berücksichtigt. Aber viele Bewilligungen können wir eben erst einholen, wenn wir offiziell den Zuschlag für das Fest erhalten haben.

Das Eidgenössische Starkstrominspektorat hat festgehalten, dass direkt unter einer Hochspannungsleitung nichts stattfinden dürfe. Wird das Festgelände nun zweigeteilt?

Die Netzbetreiberin Swissgrid hat uns die Auflagen bereits mitgeteilt. Die nötigen Schutzmassnahmen werden wir natürlich umsetzen. So darf es nur wenige Unterquerungen der Leitung geben oder der Strommast muss eingezäunt werden. Es ist ja nicht so, dass die grosse Schwing-Arena deswegen zweigeteilt wird, da sie nur auf der einen Seite der Leitung liegt. Zudem: Unter derselben Leitung fahren jeden Tag vollbesetzte Züge durch und das geht auch.

Rechnen Sie noch immer damit, dass es rund um Pratteln nur 12'700 Parkplätze braucht, dies bei erwarteten 220'000 Besuchern?

Ja, davon gehen wir aus. Und sollte es im August 2022 dann doch Engpässe geben, haben wir Reserveräume in der Hinterhand. Den Autofahrern wird ein Parkplatz zur Verfügung stehen. Zudem wird hoffentlich ein grosser Teil der Besucher mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen.

Wie erleben Sie aktuell die Stimmung in der Bevölkerung? Wollen die Menschen hier überhaupt ein so gigantisches Schwingfest?

Extrem viele Menschen freuen sich darauf. Ständig melden sich Personen bei mir, die als freiwillige Helfer arbeiten wollen. Auch für das OK interessieren sich viele. Dieser Support ist sehr wichtig für uns Organisatoren, da wir einen riesigen Aufwand betreiben und das neben unseren eigentlichen Jobs.

Wie liegen Sie im Fahrplan?

Ich finde, wir sind sogar schon sehr weit gekommen. Das war nur möglich dank der vielen ehrenamtlichen Arbeit. Sobald wir den Zuschlag haben, gehen wir motiviert die nächsten Schritte an. Schliesslich hat Baselland erstmalig die Chance, den grössten Sportanlass der Schweiz durchzuführen. Wir wollen zeigen, dass wir dazu in der Lage sind.