Der Wildtierbiologe Darius Weber nahm in der bz vom 22. Dezember kein Blatt vor den Mund und kritisierte die Landwirtschaft hart. Dies insbesondere für den Pestizideinsatz, die intensive Landnutzung und den «massenweisen» Futtersoja-Import aus Südamerika. Als die «Solothurner Zeitung» das Porträt über Weber letzte Woche nachdruckte, war es um ihn als wichtige Figur in einem Wiederansiedlungsprojekt des Wisents – des europäischen Bisons – im solothurnischen Thal geschehen.

Nur einen Tag nach der Publikation teilte der Verein Wisent Thal per Communiqué mit, dass Weber als Projektleiter und im Vorstand «abgelöst» werde.

Vereinspräsident und CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt schildert die dramatischen Stunden so: «Mit seinen Aussagen hat es sich Darius Weber mit den Bauern verkachelt. Ein halbes Dutzend Bauern aus dem Kanton Solothurn hat bei mir umgehend äusserst heftig reagiert. Wir mussten ihn aus der Schusslinie nehmen, sonst wäre das Wisent-Projekt tot.» Dieses sei rein wissenschaftlich und nicht politisch ausgerichtet.

Weber habe sich aber mit seinen Aussagen zum «Bauernfeind» gemacht, und das sei taktisch völlig falsch. Denn die Bauern als derzeit grösste «Bedenkenträger» gegen eine mögliche Wiederansiedlung des im Mittelalter ausgerotteten Wisents müssten als Partner gewonnen werden, ansonsten das Projekt keine Chance habe. Es habe aber auch positive Reaktionen gegeben, und ein grosser Landwirtschaftsbetrieb habe spontan Land für das Wisent-Projekt angeboten. Müller ergänzt, dass es auf persönlicher Ebene zwischen ihm und Weber keinen «Krach» gebe, und Webers Expertenwissen weiterhin willkommen sei.

Dass es keinen Krach gibt, bestätigt Darius Weber und meint: «Die Reaktionen auf meine Kritik an der Landwirtschaft fielen für mich unerwartet heftig aus. Stefan Müller ist der Politiker und Stratege und er hat schon recht, wenn er mit einem vorzeitigen Wechsel in der Leitung das Projekt nicht gefährden will.» Weber, der nach wie vor zu seiner Kritik steht, verliert nun Knall auf Fall sein wichtigstes Mandat. Allerdings war sowieso vorgesehen, einen neuen, definitiven Projektleiter zu installieren, sobald die Bewilligung für die Haltung der Wisents vorliegt.

Weber nicht alleine mit Kritik

Die Idee hinter dem Projekt ist, vorerst ein bis zwei Dutzend Wisente auf einem grossen, eingezäunten Gebiet zu halten. Sollte diese Testphase bezüglich Schäden an Kulturland und Wald positiv ausfallen, könnten die Tiere mit Bewilligung des Bundes in der Grössenordnung von zehn Jahren ausgewildert werden. Vorerst gehe es aber nur um ein Projekt aus dem Thal für das Thal, betont Stefan Müller. Deshalb werde Webers Nachfolger im Vorstand mit Stefan Schneider, Gemeindepräsident von Welschenrohr, auch ein Thaler.

Die Stelle des Projektleiters will der Verein ausschreiben; die Details würden diese Woche an einer Vorstandssitzung festgelegt. Allerdings sagt Müller auch: «Darius Weber zu ersetzen, wird nicht ganz einfach.» Der Verein betont im Communiqué denn auch «die enormen Verdienste von Darius Weber» rund ums Wisent-Projekt. Der Verein will jetzt nicht nur einen neuen Projektleiter fix anstellen, sondern den Personalbestand zusätzlich mit einem vom Projekt direkt betroffenen Landwirt und einem Praktikanten aufstocken.

Webers Kritik, die aktuelle Ausrichtung der Landwirtschaft beschleunige das Artensterben, will der Biologe Stefan Müller nicht kommentieren. Doch die Kritik ist sozusagen amtlich verbürgt, selbst die Bundesämter für Umwelt und Landwirtschaft ziehen in ihrem «Statusbericht Umweltziele Landwirtschaft» von 2016 im Kapitel Biodiversität das Fazit: «Die Biodiversität befindet sich in der Schweiz generell in einem unbefriedigenden Zustand, und die Verluste gehen weiter. Der ungenügende Zustand betrifft alle drei Ebenen der Biodiversität: die Lebensräume, die Arten sowie die genetische Vielfalt. Verschiedene Ökosystemleistungen sind dadurch bedroht.»