Es war kein Scherz, als der Liestaler Stadtpräsident Lukas Ott neulich in den Medien Liestal als Hauptstadt eines fusionierten Kantons Basels vorschlug. Auch wirtschaftsnahe Kreise scherzten nicht, als sie Ott bei seiner Idee unterstützten. Aber: Ist das nur ein Traum? Ein illusionärer dazu? «Ja!», sagen etliche prominente Vollblutbasler.

Konkret: «Ehrlich gesagt finde ich Liestal als Hauptstadt absurd», sagt etwa Kolumnist Minu. Zwar verstehe er die Landschäftler, «die sich nicht einfach von Basel überrollen lassen wollen». Dennoch: «Theater, Kultur, die Messen, Zolli, Universität – all das befindet sich in Basel. Weshalb soll man das nicht einfach anerkennen? Und den entsprechenden Hauptsitz daraus machen?», fragt Minu – und erhält mehrere Antworten, die seine Haltung bestätigen. Wenn teils auch in radikaleren Worten.

«Abstimmung hat eh keine Chance»

«Nichts!», lautet die Antwort von Tino Krattiger auf die Frage: Was halten Sie von Liestal als Hauptstadt des Kantons Basel? Der Kapitän des Kleinbasler Kulturflosses und ehemalige SP-Grossrat präzisiert: «Der politische Hauptort eines fusionierten Kantons wäre ganz sicher Basel!» Auch er führt wirtschaftliche und kulturelle Gründe ins Feld, sagt aber auch: «Ich finde die Idee mit Liestal zwar nicht lustig, doch die Fusion hat sowieso keine Chance. Und zwar nicht mal den Hauch einer Chance.» Für ihn sei klar, dass das Stimmvolk die Abstimmung am 28. September deutlich ablehnen wird.

Auch der ehemalige liberale Grossratspräsident und Ex-Obmann des Fasnachts Comités Felix Rudolf von Rohr beruft sich auf die Abstimmung, allerdings in einem anderen Zusammenhang: «Es ist eine absolute Schnapsidee, zum jetzigen Zeitpunkt über so etwas zu diskutieren», sagt er. Bei der bevorstehenden Abstimmung gehe es schliesslich erst darum, eine Fusion der beiden Halbkantone zu prüfen. «Darum verstehe ich nicht, warum jetzt alle fragen: Wo wird der Hauptsitz sein? Wie viele Regierungsräte wird es geben? Wer zahlt das?»

«Nicht einmal theoretisch denkbar»

Sauber geprüft werden müsse eine Fusion, dann sehe man weiter, sagt Rudolf von Rohr. Und auch nach mehrmaligem Nachfragen lässt sich der Vollblutbasler nicht auf die Äste hinaus, sondern erzählt nur, was die Noch-Oberbürgermeisterin von Lörrach Gudrun Heute-Bluhm einst zu ihm sagte: «Wenn sie gefragt werde, woher sie komme, sage sie immer: aus Lörrach bei Basel. Denn Basel sei für sie das Zentrum der Region.» Anita Fetz sieht das genauso. Die Basler Ständerätin (SP) vergleicht die Situation mit der Schweiz. Bern sei zwar Hauptstadt und Verwaltungszentrum, kulturell und wirtschaftlich gehe die Post aber in den anderen grossen Städten weit stärker ab als in Bern. «Daher ist es unwichtig, ob Basel oder Liestal der Hauptort wäre», sagt Fetz. Das Thema werde überschätzt, denn Basel bleibe so oder so das Zentrum des Kantons.

Anwalt und Fümoar-Sekretär Thierry Julliard widerspricht der Ständerätin – und sagt: «Liestal ist nichts anderes als ein mittleres Dorf, es ist die sechstgrösste Gemeinde von Baselland, es hat keine Justizbehörden erster Instanz, kein Erbschaftsamt, kein Grundbuchamt mehr, es verfügt nur über fünf Regierungsdirektionen», sagt er. Und weiter: «Es ist nicht einmal theoretisch denkbar, dass Liestal Hauptort des Kantons Basel wird. Praktisch ist es erst recht unmöglich!» Ausserdem stelle sich bei der ganzen Diskussion eine weitere Frage: «Heisst der neue Kanton ‹Kanton Liestal›?»

Zu dieser Frage hat sich bisher noch niemand ernsthaft geäussert, da stets von einem «Kanton Basel» gesprochen wird. Allerdings hätte da jemand eine Idee dazu.

«Fusion nur mit dem Speckgürtel»

Schützenhaus-Wirt und seines Zeichens ebenfalls Vollblutbasler Peter Wyss findet, Basel-Stadt solle nur mit dem Bezirk Arlesheim mit seinen stadtnahen Speckgürtel-Gemeinden und dem Laufental fusionieren. «Die Leute dort sind ja sowieso Basler und wollen die Fusion auch – im Gegensatz zu vielen Bewohnern des Oberbaselbiets.» Würde das Oberbaselbiet für sich bleiben, gäbe es auch keine Diskussionen über die Hauptstadt, sagt Wyss. «Liestal bliebe deren Zentrum – und alle Probleme wären gelöst. Doch das traut sich ja niemand zu sagen.»

Was das Laufental betrifft, so sei dieses «auf Basel bezogen». Genauso, wie die nahegelegenen Solothurner Gemeinden. Wyss rechnet mit einem Ja im September und hofft, dass der Verfassungsrat die Fusion dann dahingehend prüft, dass später nur die befürwortenden Gemeinden mit Basel fusionieren – zu einem «Kanton Basel».