Das «Moulin Rouge» an der Augster Hauptstrasse brannte am frühen Morgen des 15. November 2008 lichterloh. Zwei Frauen und ein Mann wurden aus dem ersten Stock gerettet, darunter die Inhaberin, mit der der Angeklagte eine gescheiterte Beziehung gehabt hatte. Für drei Tänzerinnen im zweiten Stock kam indes jede Hilfe zu spät.

Prozess um Cabaret-Brand in Augst: Mord oder nur Eventualvorsatz?

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Vor Gericht bestätigte am Montag der Angeklagte, ein Türke aus der Region, dass er das Haus angezündet hatte. Laut der Anklage verschüttete er einen Kanister Benzin im Erdgeschoss und zündete dieses von aussen an; die Explosion warf ihn zu Boden. Die Tat sei qualifizierte Brandstiftung, sagt die Staatsanwaltschaft.

Strittiger Hauptvorwurf

Die Anklage wirft ihm aber auch mehrfachen Mord und Mordversuch vor. Er habe gewusst, dass mehrere Personen im Haus gewesen seien, und er habe den einzigen Fluchtweg in Brand gesetzt. Sein Motiv sei Eifersucht und Kränkung gewesen, nachdem rund drei Monate zuvor die Beziehung mit der Cabaret-Inhaberin zu Bruch gegangen sei.

Anders sehen es der Pflicht- sowie der erst später beigezogene Privatverteidiger: Sie forderten Freispruch vom Vorwurf des Mords und Mordversuchs, kündigten sie am Montag an. Stattdessen beantragen sie einen Schuldspruch wegen eventualvorsätzlicher Tötung beziehungsweise des Versuchs dazu.

Der seit der Tat inhaftierte Angeklagte sagte vor Gericht, was passiert sei, sei entsetzlich, und es tue ihm leid. Er sei indes «am Abgrund» und «psychisch am Ende» gewesen. Auf Fragen nach dem Grund verwies er auf «Bedrohungen». Diese, angeblich von seiner Ex- Freundin stammend, seien von einem Kollegen überbracht worden.

Dem Kollegen machte er nun Vorwürfe. Auch habe er sich von Gesprächen mit Bekannten Hilfe erhofft, doch diese hätten «nur zugeschaut». Er bestritt indes, eifersüchtig gewesen zu sein - laut der Anklage soll er damals immer wieder Kontakt zu seiner Ex- Freundin gesucht und das «Moulin Rouge» beobachtet haben.

Urteil am 5. August

Keine grössere Rolle dürften Nebenpunkte der Anklage spielen wie falsche Anschuldigung oder Betrug. Für die Verhandlungen vor Gericht sind fünf Tage vorgesehen. Anklage und Verteidigung halten ihre Plädoyers voraussichtlich am Donnerstag und Freitag. Das Urteil wird für den 5. August erwartet.