Die Psychiatrie Baselland (PBL) ist in Liestal nicht nur eine Klinik. Sie ist als Landbesitzerin auch für die Pflege von Grünflächen und rund 300 Bäumen zuständig. «Wir sind stolz auf unsere Grünanlage», sagt denn auch Fabian Keller, Leiter Facility Management der PBL. Die Anlage müsse sorgfältig gepflegt werden. Um eine Verwaldung zu verhindern, würden ab und zu auch Bäume gefällt. Diese Woche fielen vier Eichen – allerdings aus einem anderen Grund.

Die Bäume standen genau dort, wo die PBL ihren Neubau der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) plant – oberhalb des Röserenbachs neben dem Personalgebäude. Die Krux: Zurzeit läuft erst der Projektwettbewerb, eine Baubewilligung liegt noch nicht vor – Anlass für einige Anwohner der Goldbrunnenstrasse, sich zu wehren: «Das schafft Fakten, bevor überhaupt feststeht, dass der Neubau tatsächlich an dieser Stelle realisiert werden kann», sagt Ernst Burkhardt. Der ehemalige Liestaler Einwohnerrat wollte die Fällung verhindern und intervenierte zusammen mit drei weiteren Anwohnern vergangene Woche bei PBL-CEO Hans-Peter Ulmann.

Andere Standorte nicht möglich

Sie fordern vor allem ein ressourcenschonendes und nachhaltiges Bauen. «Wir haben grundsätzlich nichts gegen den Neubau der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Den braucht es sicher», betont Burkhardt. Aber: «Wir sind skeptisch, ob die Verantwortlichen den Standort sorgfältig ausgewählt haben.» So wissen die Anwohner von mehreren schlecht oder nicht genutzten Gebäuden auf dem PBL-Gelände. Diese Standorte bringen sie gegenüber der bz als Varianten ins Spiel.

Konkret stünden beim Feuerwehrmagazin ein alter Geräteschuppen und eine ungenutzte Baracke sowie ennet den Bahngleisen die Werkstätten. «Diese bereits verbauten Flächen umzunutzen wäre sinnvoller, als Grünflächen zu opfern», sagt Burkhardt. Doch Ulmann und Keller hätten auf eine entsprechende Anfrage bloss ausweichend geantwortet.

Gegenüber der bz nimmt Keller nun Stellung: «Die Fläche beim Feuerwehrmagazin wird zwar heute tatsächlich nicht stark genutzt, aber für diesen Standort haben wir gemäss unserem Masterplan bereits etwas anderes vor.» Das dortige Ambulatorium für Suchterkrankungen müsse mittelfristig erneuert und vergrössert werden. Schlicht falsch sei die Information, wonach das Gebäude auf der anderen Seite der Gleise schlecht ausgelastet sei. «Das ist unser Haus D mit der Alterspsychiatrie, und es ist voll belegt», sagt Keller.

Baubeginn noch in diesem Jahr

Er habe durchaus Verständnis dafür, dass die Anwohner sich für die Erhaltung der Grünflächen einsetzen und die Psychiatrie Baselland wolle eine gute Nachbarschaft. Doch: «Wir müssen auch schauen, dass wir überleben können und uns entsprechend rüsten.»

Dem Vorwurf der mangelnden Sorgfalt tritt Keller vehement entgegen. Bereits vor eineinhalb Jahren habe man mit einem detaillierten Konzept zur Kinder- und Jugendpsychiatrie begonnen und sich über ein halbes Jahr intensiv mit der Standortfrage befasst. «Kein anderer Platz konnte unsere Auflagen ähnlich gut erfüllen.» Dafür nimmt die PBL auch in Kauf, rund eine halbe Million Franken alleine in die Hangsicherung zu investieren. Keller: «Das würden wir nicht machen, könnten wir auch woanders bauen.»

Die Lage sei ideal, weil die KJP zwingend eine komplett von der Erwachsenenpsychiatrie getrennte Zufahrt benötige, um die Anonymität der Jugendlichen zu schützen. Dies geschehe über die Goldbrunnenstrasse. Als eine Art Schutzwall würden zudem die Bäume, der Bach und die höher liegenden Gebäude fungieren. Auch das hastige Fällen der vier Eichen erklärt Keller: «Ab März könnten Vögel beginnen, sich in den Baumkronen einzunisten, deshalb mussten wir jetzt handeln.»

Diese Erklärungen kann Ernst Burkhardt nachvollziehen, doch seine Skepsis kann er nicht ganz ablegen. Dies auch, weil die Familie Burkhardt bereits vor zwei Jahren mit der PBL stritt, als diese den Parkplatz vergrösserte. «Ich zweifle, dass das Projekt noch dieses Jahr bewilligt wird, also hätte man mit dem Fällen auch noch warten können.» «Natürlich können wir Verzögerungen nie ganz ausschliessen, aber wir haben mit der Stadt Liestal bereits abgeklärt, dass wir alle gesetzlichen Vorschriften einhalten», sagt Keller.

Ziel ist, noch dieses Jahr mit dem acht Millionen Franken teuren Neubau zu beginnen. Der internationale Projektwettbewerb sei abgeschlossen, die Sieger werden Ende März präsentiert. Keller verrät nur so viel: «Der Bau erfüllt den Minergie-P-Standard, wir bauen also durchaus nachhaltig. Das sollte auch die Burkhardts freuen.»