«Die Psychiatrie Baselland macht die Mitarbeiter krank.» Mit diesem markigen Titel wandten sich diverse Mitarbeiter der Psychiatrie Baselland (PBL) in einem anonymen Brief an die bz. Die Kernbotschaft: Die Arbeitsbedingungen hätten sich im vergangenen Jahr derart verschlechtert, dass qualitativ gute Arbeit nicht mehr wirklich möglich sei. Sogar die Sicherheit der Patienten und des Personals sei nicht mehr gewährleistet, da in Notfällen nicht mehr angemessen reagiert werden könne.

Mitarbeiter fordern mehr Stellen

Der Gang an die Öffentlichkeit zeugt dabei von einem hohen Leidensdruck, denn intern laufen eigentlich bereits Mediationsbemühungen der Gewerkschaft VPOD und des Berufsverbandes der Pflegefachfrauen und -männer SBK. Am 24. Oktober kommt es zu einem vom VPOD organisierten Hearing, an dem sich die Geschäftsleitung der PBL um CEO Hans-Peter Ulmann und Chefarzt Joachim Küchenhoff den Forderungen der Mitarbeiter stellt.

Diese fordern unter anderem:

  • Die Wiederherstellung des Stellenbestandes von Ende 2011.
  • Transparenz und Einbezug der Mitarbeitenden bei der Stellenplanung und in allen personalrelevanten Fragen.
  • Wertschätzung und eine offene Diskussionskultur.

Brief an die Geschäftsleitung

Ein Brief an die Geschäftsleitung, der der bz ebenfalls vorliegt, fasst die Missstände zusammen und richtet 27 Fragen an Ulmann, die dieser bis Ende November beantworten solle. So werde die Arbeit «zunehmend von rein ökonomischen Vorgaben geprägt». Das prioritäre Ziel sei eine hohe Bettenauslastung. Den Mitarbeitenden sei zwar bewusst, dass die Auslagerung der Spitäler, der Konkurrenzkampf im Gesundheitsbereich und die neue Spitalfinanzierung die Lage beeinflusst hätten. Doch: «Weitere Effizienzsteigerungen zulasten des Personals werden sich zerstörerisch auswirken.»

PBL-Chefarzt Küchenhoff versteht den Unmut des Personals – zumindest teilweise. «Die Belastung ist gross und ich sehe auch, dass eine Aussprache nötig ist. Doch wir haben sicher keine katastrophalen Zustände. Die Psychiatrie Baselland ist kein Notstandsgebiet.» So sei etwa die Sicherheit der Patienten keineswegs gefährdet. Und im Vergleich zu anderen Psychiatrien habe man in Liestal noch immer einen guten Personalschlüssel. Dies auch, weil sich die PBL auf eine intensive therapeutische Betreuung spezialisiert habe.

«Wir sitzen alle im selben Boot»

Küchenhoff relativiert auch die Differenz zum Stellenbestand von vor einem Jahr: Im ärztlich-therapeutischen Bereich seien 1,8 von rund 50 Stellen gekürzt worden. Dies, weil 2011 nur eine niedrige Bettenbelegung erreicht worden sei. «Da kommt der Stellenschlüssel natürlich in Bedrängnis, weil weniger Geld reinkommt.» Der Kostendruck werde dabei nicht zuletzt von den Krankenkassen angeheizt (siehe Kasten).

Daniel Simon, Präsident ad interim des Berufsverbandes SBK, versteht beide Seiten – die des Personals und die der Geschäftsleitung. «Vom Hearing erhoffe ich mir, dass es kurzfristig zu Entlastungen kommt.» Weitere Massnahmen müssten dann im Dialog erarbeitet werden. Küchenhoff nährt diese Hoffnung, indem er sagt: «2012 ist die Auslastung bedeutend besser. Beim Personalschlüssel bin ich dafür, in beide Richtungen flexibel zu sein.» Und: «Wir sitzen doch alle im selben Boot.»