Gezählt hat Romy Meury die Lichter ihrer Weihnachtsbeleuchtung noch nie. Auch nicht, wie viele Kilometer Kabel durch Haus und Garten spannen und Myriaden von Lämpchen mit Strom versorgen. «Es sind auf jeden Fall Unmengen», sagt sie strahlend und winkt ab. Weihnachten, das ist ihr Ding, «mein A und O», sagt sie. Aber die ganze Familie macht mit, wenn es darum geht, Haus und Garten in Röschenz zu schmücken.

Anfang November gehts los

Das will geplant sein – generalstabsmässig. Einen Monat vor dem 1. Advent beginnt der Aufbau von Beleuchtung und Figuren. Mit einem Bus transportieren die Meurys unzählige Kartons, Kisten und Figuren vom Lager zum Haus. Drei Fahrten sind nötig. Im Gartenhäuschen, das in der Adventszeit zur Weihnachtshütte wird und «ein Traum» ist, wie Romy Meury schwärmend erzählt, testet die Familie sämtliche Lichterketten, dazu gibt es traditionell Punsch.

Während vier Samstagen schmücken sie dann, damit am 1. Advent – auch das eine Tradition – alles bereit ist. Das geschieht in der Familie, mit Romy und ihrem Mann René, Tochter und Sohn sowie deren Partner. «Manchmal war es dabei so kalt, dass wir befürchteten, uns frören die Finger ab», erinnert sie sich. Diese Rituale sind es, die Weihnachten für Romy Meury so speziell machen. «Ich geniesse jeden dieser Tage, sie sind einfach herrlich.»

Und herrlich ist auch das Resultat. Alles leuchtet und strahlt, jeder Baum, jeder Ast, in jeder Ecke gibt es Neues zu entdecken. Der fast drei Meter hohe, erleuchtete Santa Claus, der einst mit dem Sattelschlepper angeliefert wurde, thront im Garten. Auf dem Kamin erstrahlt der Stern von Bethlehem, auf dem Dach der Pergola parkt Santas Schlitten mit den fünf Rentieren in Originalgrösse. An der Strasse ist das kleine Gartenhäuschen zur Krippe mit Maria und Josef umfunktioniert. Und das grosse Gartenhäuschen? So stellt man sich Santas Stube am Nordpol vor.

René und Romy Meury dekorieren seit 20 Jahren ihr Haus.

René und Romy Meury dekorieren seit 20 Jahren ihr Haus.

Schlitten und Rentiere gehörten zu den ersten Anschaffungen vor 20 Jahren. Der erste Schmuck war aber eine einfache Lichterkette am Tännchen vor dem Haus. Mittlerweile ist aus dem Tännchen eine Tanne geworden, die aber aus gesundheitlichen Gründen nur noch aus dem Stamm besteht. Heute klettert ein Santichlaus an ihm hoch. Alle Jahre wieder kommt etwas Neues hinzu, so wächst der Weihnachtsschmuck kontinuierlich. Nach und nach ersetzen die Meurys alte Glühbirnen durch LED. Das hält die Stromrechnung in Zaum. Immerhin verlaufen vier Kabelstränge in den Keller. Früher haute es ihnen regelmässig die Sicherungen raus. «Heute aber haben wir das voll im Griff», sagt Meury grinsend.

Weihnachten, das ist für die Familie Meury auch Gebäck, Musik und Duft. Romy Meury träufelt dieses ganz spezielle Weihnachtsöl auf Tannenäste und Dekorationsobjekte, das gehört für sie dazu. Und drei volle Tage am Stück buk sie dieses Jahr, für die Familie, die Gäste – und die unangemeldeten Besucher, die kommen, um die Weihnachtsbeleuchtung zu sehen.

Eine Flasche Wein als Dank

«Es ist unglaublich, wie sich das vor allem im Jura herumgesprochen hat», freut sie sich. Manche kommen und gehen, teils mitten in der Nacht, andere klingeln und schwärmen, wieder andere lassen eine Flasche Wein als Dank zurück. Vielleicht würde eine Kasse rentieren, aber dafür, sagt sie, tue man das nicht: «Das ist Herzblut.»

Noch bis zum 10. Januar schlägt es in Röschenz täglich um punkt 17 Uhr per Zeitschaltuhr Weihnachten. Die Besucher stören nicht. «Wenn man so etwas macht, gehört eine offene Tür dazu.» Und wer höflich fragt, der erhält sicher auch Einlass in die Weihnachtshütte. Und vielleicht sogar einen Lebkuchen.