Die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind (FDP) hätte sich bestimmt eine gemütlichere Endphase des Wahlkampfs gewünscht. Doch mit Blick auf die Rückmeldung der Lehrerinnen und Lehrer zu ihrem umstrittensten Projekt müsste ihr bange werden.

317 Lehrer von der Primar- bis zur Gymnasialstufe haben an einer Befragung zum Thema Leistungslöhne teilgenommen. Künftig soll, so der Plan Gschwinds, das Mitarbeitergespräch (MAG) der Lehrer lohnrelevant werden.

Roger von Wartburg, Präsident des Lehrervereins Baselland (LVB), sagt, dass 80 Prozent der befragten Lehrerinnen und Lehrer das lohnrelevante Mitarbeitergespräch schlecht bis schädlich finden würden. Er habe seit Bekanntwerden von Gschwinds Plänen «keinerlei positive Meldungen von Mitgliedern dazu bekommen, aber hunderte von negativen bis empörten Wortmeldungen.»

Der LVB sei regelmässig zu Besuch bei den Lehrerkonventen der Schulen. Auch hier laute die Erkenntnis: Das lohnrelevante MAG stösst auf Ablehnung bei den Schulleitungen, genauso wie bei den Lehrern. Allesamt seien sie dagegen: Die Schulleitungsstufen aller Schulstufen, die Schulratspräsidienkonferenz, der Verband Baselbieter Gemeinden.

«Instrument für Willkür und Machtmissbrauch»

«Es muss die Frage aufgeworfen werden», sagt von Wartburg, «wer ausserhalb der bürgerlichen politischen Kaste sowie der Liga der Baselbieter Steuerzahler diese Idee als sinnvoll erachtet. Von den Direktbetroffenen jedenfalls offensichtlich keine Institution.» Selbst die Online-Leser der Zeitungen hätten sich mit Kritik am Leistungslohn der Lehrer nicht zurückgehalten, sagt von Wartburg. «Dabei gibt es gegen unseren Berufsstand auch immer Ressentiments, man wirft uns oft vor, wir seien Jammeris.»

Ab 2022 will der Kanton Baselland die Leistungslöhne einführen. Dann will das Baselbiet die heutigen Lohnklassen ersetzen. Statt über Erfahrungsstufen steigt der Lohn dann flexibel. Von der Lohnsumme aller Beamten sollen sechs Millionen Franken leistungsabhängig sein.

Wie aufgeheizt das Klima ist, zeigen die Reaktionen der Lehrer bei der Online-Umfrage des LVB. Es scheinen sich alle zu fragen: Wie lässt sich beurteilen, ob ein Lehrer gute Arbeit leistet oder nicht? Ist es derjenige, der die besten Noten verteilt? Ist es derjenige, der bei den Schülern am beliebtesten ist? Ein lohnrelevantes MAG sei «pures Gift» für das Klima im Kollegium, moniert eine Lehrperson. Nur die Missgunst werde gefördert.

Es sei ein «ideales Instrument für Willkür und Machtmissbrauch», meint eine andere. Und eine Lehrperson findet: «Dort, wo meine Arbeit wirklich geschieht – im Klassenzimmer, am Elterngespräch, in der Vor- und Nachbereitung, in Arbeitsgruppen etc.-, ist die Person, die mich beurteilen soll, gar nicht dabei. Wieder andere sagen, damit würde Kritik an der Schulleitung verunmöglicht. Denn die Lehrer wollten sich ja nicht um die Lohnerhöhung bringen.

Die Rückmeldungen der Lehrer wird die Arbeit des Projektausschusses mit Lehrern, Schulleitungsmitgliedern und Kantonsvertretern, welche die künftige Ausgestaltung des Mitarbeitergesprächs ausarbeitet, nicht erleichtern. Die Standpunkte sind verhärtet, ein Kompromiss scheint undenkbar. Was, wenn der Ausschuss schlicht nicht zu einem Ergebnis kommt?

Ein Scheitern scheint beim Kanton kein Thema zu sein. Der Baselbieter Personalamt-Leiter Martin Lüthy hält fest, dass man am Fahrplan zur Einführung der neuen MAG im Sommer 2020 festhalte. «Es besteht seitens Regierungsrat weder die Absicht noch der Bedarf, die termingerechte Einführung der Instrumente zu verzögern oder zu stoppen.»