Die Schüler des Gymnasiums Liestal dürfen sich freuen: Ab November können sie während der Mathestunde wohl noch besser aus dem Fenster schauen. Denn ihre Schule wurde vom Kanton Baselland zum Testobjekt erkoren, um das Reinigungssystem zu modernisieren.

Über die nächsten zwei Jahre sollen dann nach und nach alle insgesamt 140 Liegenschaften in Kantonsbesitz analysiert werden, seien es Verwaltungs- oder eben Schulgebäude.

Das Projekt läuft unter dem Titel «Optimierung der Raumreinigung in den Kantonsliegenschaften». Der bz liegt ein Schreiben der federführenden Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) vom Juni vor, in dem sie alle Verwaltungseinheiten informiert.

Verband befürchtet Personalabbau

Das Ziel ist klar: Die Reinigungskosten, die beim Kanton jedes Jahr anfallen, sollen gesenkt werden. Und dieser Betrag ist nicht unerheblich. Wie die BUD auf Nachfrage mitteilt, belaufen sich die Gesamtkosten für Sach- und Personalaufwand auf 9,9 Millionen Franken. Wie viel davon nun eingespart werden kann, möchte man noch nicht offenlegen.

Doch ein Grundsatzentscheid ist bereits gefallen. Unter Mithilfe einer externen Firma wurde das bestehende Reinigungssystem untersucht. Das Fazit ist deutlich: «Das bestehende Konzept ist nicht mehr zeitgemäss», heisst es im Schreiben. In einem «geordneten Übergang» wolle man das bisherige System «von einer umfassenden und kostentreibenden Unterhaltsreinigung zu einer modernen und bedarfsgerechten Reinigung umstellen».

Solche Formulierungen lassen bei Simon Habermacher alle Alarmglocken läuten. Der Präsident des Baselbieter Staats- und Gemeindepersonalverbands VSG spricht aus Erfahrung: «Bei derlei Sparanalysen hat der Kanton bisher immer auch versucht, bei den Personalkosten zu sparen.» Und diese dürften den grösseren Teil der 10 Millionen Gesamtkosten ausmachen, beschäftigt der Kanton Baselland doch immerhin 200 Reinigungskräfte und 40 Hauswarte.

Diese sind zwar in den untersten Lohnklassen eingeteilt, die mit Monatslöhnen von gut 3000 Franken starten. Doch zusammen mit den Zusatzleistungen, die es beim Kanton gibt, stehen sie im Vergleich zur Privatwirtschaft gut da. Habermacher befürchtet daher, dass die Raumreinigung künftig an externe Anbieter ausgelagert und beim Kantonspersonal Stellen abgebaut werden könnten.

Kanton sagt: kein Outsourcing

Doch genau hier kann das BUD beruhigen. Torsten Schrodt vom Immobilienmanagement hält fest: «Wir haben auch geprüft, ob ein Outsourcing der Reinigung an externe Anbieter Sinn macht, doch die Nachteile überwogen.»

Konkret wäre die nötige öffentliche Ausschreibung zu aufwändig und die Motivation des Personals kaum aufrechtzuerhalten. Stattdessen strebe man nun ein «Insourcing» an. Gewisse Putzaufträge, die der Kanton heute an Externe vergeben habe, wolle man nun mit den eigenen 200 Reinigungskräften bewältigen. Mehr Putzfläche für gleich viel Angestellte also, dafür aber kein Personalabbau.

Schrodt betont: «Unsere Leute arbeiten heute schon gut.» Doch die professionelle Raumreinigung sei eine Wissenschaft, die sich weiterentwickelt habe. Heute arbeitet der Kanton mittels Intervallreinigung: Geputzt wird in regelmässigen Abständen, egal ob es wirklich nötig ist.

Neu soll mit einem kurzen Kontrollgang jeweils erst der Putzbedarf erhoben und gezielt gereinigt werden. Das soll Zeit und Putzmaterial sparen. Auch sollen modernere Geräte eingesetzt werden. Das Reinigungspersonal werde dafür extra geschult.

«Dass diese Aufgabe nicht ausgelagert wird, ist erstaunlich», kommentiert FDP-Landrat Balz Stückelberger. Der Präsident der Personalkommission versteht dies als ein Bekenntnis des Kantons zum eigenen Personal und nennt es «eine interessante Alternative, wenn trotzdem gleich viel gespart werden kann».

Weit skeptischer gibt sich Habermacher: «Eine rein interne Lösung wäre natürlich erfreulich, aber ich glaube schlicht nicht daran.» Vielleicht komme der Personalabbau dann in einem zweiten Schritt, wenn das Sparziel doch nicht erreicht werden konnte. Habermacher stört sich auch daran, dass er von der bz von diesem Projekt erfahren musste. Er erwarte vom Kanton, dass er den VSG und die ganze Arbeitsgemeinschaft der Baselbieter Personalverbände ABP miteinbeziehe.