Als Andreas Laubacher im Netz wieder einmal nach alten Polizeiuniformen recherchierte, entdeckte er auf einer deutschen Seite einen Bobby-Helm mit grauem Stoffüberzug. «Ich wusste sofort: Der muss aus der Schweiz sein!», erzählt der Sammler aus dem Kanton Aargau. Und in der Tat: Es handelte sich um einen seltenen Bobby-Helm der Liestaler Stadtpolizei. Er befindet sich jetzt wieder in der Schweiz, in Laubachers Privatkollektion.

Der Helm gehörte der Sammlung der Mainzer Polizei. Gestern holte ihn Laubacher ab – aber nicht in der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz, sondern in Zürich. Der Zufall wollte es, dass ein Angestellter der Zürcher Stadtpolizei gerade auf dem Mainzer Polizeipräsidium hospitierte, als Laubacher anrief und sich nach der Kopfbedeckung erkundigte. Der Polizist nahm das Exponat vor einigen Tagen mit nach Hause. Gestern übergab er den Helm Laubacher, der im Raum Baden lebt.

Es sei nicht die Plakette mit dem Liestaler Wappen gewesen, die den Helm verraten habe, erzählt der Sammler, sondern die hohe Form, die runde Krempe und die sichtbar gute Verarbeitung. «Das alles ist typisch für Schweizer Bobby-Helme», sagt Laubacher, «und das unterscheidet sie auch von den englischen.» Früher habe der Bobby-Helm zur Uniform von fast jedem helvetischen Polizeikorps gehört.

Nur noch in Basel im Einsatz

Bei der Stadtpolizei Liestal trug man die Helme bis in die 1980er-Jahre, schreibt die Baselbieter Polizei auf Anfrage (die Stadtpolizei Liestal wurde 2010 in die Kantonspolizei integriert). Ein ehemaliger Angestellter erinnert sich, dass man die Helme zuletzt nur noch zu speziellen Anlässen aufgesetzt habe.

Damit ist Liestal keine Ausnahme. Das letzte Schweizer Polizeikorps, das die Helme weiterhin regelmässig einsetzt, ist die Kantonspolizei Basel-Stadt: Die Beamten, die den Zug des Vogel Gryff begleiten, tragen jeweils die auffälligen dunkelblauen Helme.

Dieser Helmtyp sei im Zug einer Neu-Uniformierung 1936 eingeführt worden, sagt Martin Schütz, Sprecher des Basler Justiz- und Sicherheitsdepartements. Wann er genau ausgemustert worden sei, könne er nicht beantworten. Am Vogel Gryff werde er aber weiterhin getragen, «aus Gründen der guten Tradition».

Blüte in den 1960er-Jahren

Der bekannteste Bobby-Helm der Schweiz war laut Laubacher derjenige der Stadtpolizei Zürich: ein dunkles Modell mit silberner Plakette. Auffällig war laut Laubacher auch das Modell der Polizei Lausanne: Dieser Helm sei etwas flacher, bis in die 2000er-Jahre habe man ihn noch bestaunen können.

Seine Blüte hatte der Bobby-Helm in der Schweiz Anfang der 1960er-Jahre. Dann sei er aber nach und nach ausser Mode gekommen: «Die Uniformen wurden immer funktionaler, praktischer», sagt Laubacher. «Irgendwann passte er nicht mehr ins Konzept.»

Vorbild war England. Dort ersetzte der «Custodian Helmet» – in etwa «Aufseherhelm» – Mitte des 19. Jahrhunderts den Zylinder. Bis heute ist er bei diversen britischen Polizeieinheiten im Einsatz. Ab den 1920er-Jahren hätten Schweizer Korps die Kopfbedeckung importiert, sagt Laubacher. Später hätten zwei Fabriken die Helme hierzulande hergestellt, beide gebe es nicht mehr.

Laubacher schätzt, dass der Liestaler Helm aus den 1950er-Jahren stammt. «Von dieser Serie gabs wohl kaum mehr als drei, vier Stück», vermutet der Sammler, der beruflich als Kurator bei der Stiftung Historisches Material der Armee in Thun tätig ist. Wo sich die anderen Helme befänden, wisse man nicht. Ebensowenig, wie die nun wieder entdeckte Rarität den Weg von Liestal nach Mainz fand. 

Gut möglich, dass das «Hammerobjekt» (Laubacher) auch bald wieder einmal in Liestal zu sehen sein wird. Der neue Besitzer verspricht: «Für Ausstellungen oder dergleichen stelle ich den Helm selbstverständlich zur Verfügung.»