Er war auf dem Heimweg nach Oberwil, und offenbar hatte er es ein bisschen eilig: An einem schönen Nachmittag im Mai 2014 donnerte der 56-jährige Mann mit seiner Harley Davidson Heritage Softail in Biel-Benken mit über 100 Stundenkilometern durch die Therwilerstrasse. Nach Abzug der Messtoleranz ging das Lasergerät von 106 Stundenkilometer aus, und dies in der 50er-Zone. Das sind 56 zu viel, und somit hatte sich das Baselbieter Strafgericht in Muttenz gestern wieder einmal mit der seit zwei Jahren geltenden Raser-Strafnorm zu beschäftigen.

«Ich habe selten so viel Akten über Administrativ-Massnahmen lesen müssen wie für diesen Fall», meinte Gerichtspräsident Adrian Jent am Donnerstag zu Beginn der Verhandlung. Tatsächlich wurde dem Mann in den letzten Jahren immer wieder wegen Alkoholproblemen der Führerausweis entzogen, zweimal gar auf unbestimmte Zeit. Auch vor dem Strafgericht musste er sich schon zweimal wegen Trunkenheitsfahrten verantworten, bislang blieb es bei bedingten Strafen. «Und jetzt sind sie wieder hier», so der Gerichtspräsident. «Aber nicht wegen des Alkohols», entgegnete der Angeklagte.

Trocken, aber zu schnell

Tatsächlich hält der Mann inzwischen Distanz zur Flasche, doch eine Blutprobe nach der Raserfahrt liess auf wiederholten Kokainkonsum schliessen. Auch Hinweise auf Opiate fand man, für einen gerichtsfesten Beweis war allerdings die Menge zu gering. Von Drogenproblemen wollte der Mann aber nichts wissen. «Jetzt hab ich kein Problem mehr, ausser, dass ich hier sitze». Nach der Raserfahrt in Biel-Benken nahm man ihm den Führerausweis erneut ab, was ihn allerdings nicht daran hinderte, wenige Wochen später am Steuer seines Autos erneut in eine Kontrolle zu geraten. «Ich habe halt Pech gehabt», gab er später in einer Einvernahme zu Protokoll.

Die Verteidigerin betonte, an jener Stelle in Biel-Benken seien auf der rechten Seite bloss Felder zu sehen, man könne deshalb davon ausgehen, dass dort Tempo 60 gelte. Die Überschreitung von 46 Stundenkilometern wäre deutlich milder bestraft worden, die Verteidigerin hatte eine bedingte Geldstrafe beantragt. Der Mann selber hingegen hatte ausgesagt, er dachte, an jener Stelle gelte Tempo 80. Der juristische Begriff dafür lautet «Sachverhaltsirrtum», doch das Gericht wollte davon nichts wissen: Anhand der Bebauung und der Bushaltestelle sei völlig klar, dass dort nicht Tempo 80 gelte. «Auch ein bedingter Strafvollzug ist hier absolut ausgeschlossen. Das Bundesgericht und wohl auch das Kantonsgericht würden ein solches Urteil sofort kassieren», so Jent.

Das Dreiergericht verurteilte den Mann zu einer teilbedingten Strafe von zwei Jahren: Neun Monate davon muss er absitzen, der Rest bleibt bedingt. Allerdings darf in der Probezeit von vier Jahren nichts mehr passieren. Die neun Monate kann er wohl in Halbgefangenschaft, da sein Arbeitgeber zu ihm hält und ihn als Hausmeister in Teilzeit weiterhin beschäftigen will. Seine Harley hatte er mit einem Kredit von 18'000 Franken gekauft, den er noch abstottert. Das Motorrad wird nun eingezogen und zur Deckung der Verfahrenskosten verwertet. «Wir wollen Sie jetzt wirklich aus dem Strassenverkehr ziehen», sagte Jent dazu.