«Münchensteins Schulen sind rauchfrei» – so betitelte die Gemeinde kürzlich eine Medienmitteilung. Darin steht, dass auf allen Primarschularealen seit dem 18. März ein Rauchverbot gilt. Doch weshalb muss in einer Primarschule, in der die ältesten Kinder knapp das Teenageralter erreicht haben, ein Rauchverbot eingeführt werden? «Wir haben Pro und Contra abgewägt und entschieden: Es gibt eine rauchfreie Zone», erklärt der Münchensteiner Gemeindepräsident Giorgio Lüthi. Dies, um den Schülern ein Vorbild zu sein und auch zum Schutz vor Passivrauchen. «Auf einem Pausenplatz rauchen, das geht einfach nicht», findet Lüthi. Der Gemeinderat habe die Forderung der Schule nach einem rauchfreien Areal durch «Raucherpoints» ergänzt.

Die Lungenliga bestätigt die Meinung der Gemeinde: «Grundsätzlich ist es wichtig, den Kindern ein Umfeld zu bieten, das ihnen ein gesundes Aufwachsen ermöglicht», sagt Claudia Künzli, Projektleiterin Tabak der Lungenliga Schweiz. Bildungsinstitutionen würden dabei eine wichtige Rolle spielen. Eine klare Regelung des Rauchens auf und um das Schulareal könne gewährleisten, dass Kinder vor Passivrauch geschützt werden. «Die Bildungsverantwortlichen leben den Kindern zudem das Nichtrauchen als Norm vor», so Künzli.

Die kantonalen Lungenligen würden die Primarschulen bei Bedarf bei der Umsetzung eines rauchfreien Areals unterstützen. Beispielsweise wird gemeinsam mit der Schulleitung geschaut, wie das Schulareal rauchfrei gestaltet werden kann. Für die Oberstufe stellt sie Unterrichtsmaterialien zur Verfügung.

Lehrer müssen Areal verlassen

Doch längst nicht alle Gemeinden kennen ein solches Rauchverbot. Denn kantonale Regelungen gibt es nicht. «Dies liegt in der Autonomie der einzelnen Gemeinden», erklärt Monique Juillerat, Sprecherin der Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion. Offizielle Verbote bestehen hauptsächlich in grossen Gemeinden wie Liestal, Pratteln oder Allschwil, aber auch in kleineren wie Zunzgen, Niederdorf, Bottmingen oder Wahlen. In Muttenz besteht ebenfalls ein Rauchverbot auf dem Schulareal, jedoch nur von Montag bis Freitag und von 7.30 bis 16.30 Uhr.

Denn Schulareale sind ausserhalb der Schulzeiten beliebte Raucherorte, wie Lukas Flüeler bestätigt. Der Primarlehrer aus Ormalingen sitzt im Vorstand der Amtlichen Kantonalkonferenz der Lehrer. An der Primarschule Ormalingen bestehe ein generelles Rauchverbot. «Ausserhalb der Schulzeiten erleben wir es immer wieder, dass Jugendliche hier rauchen oder kiffen.» Dies könne daran liegen, dass man auf dem Areal gut versteckt sei. Wichtig sei, dass das Rauchverbot während der Schulzeiten eingehalten wird. «Auch die Lehrer müssen das Areal verlassen, wenn sie rauchen wollen.» Sie sollen eine Vorbildfunktion für die Schüler zu übernehmen.

Diverse Gemeinden, darunter Bretzwil, Thürnen oder Bubendorf, haben keine spezifisch ausgeschilderten Rauchverbote auf den Primarschularealen. Jedoch verweisen diese auf das Gemeindereglement, welches das Rauchen in öffentlichen Gebäuden untersagt. Lehrer müssen zum Rauchen das Areal verlassen oder haben, wie in Frenkendorf, spezielle Zonen dafür, sodass die Schüler dies nicht sehen.

Keine Zigaretten an der Haltestelle

Andere Regeln gelten an Gymnasien und Sekundarschulen. «Auf allen kantonalen Schularealen besteht ein generelles Rauchverbot», betont Juillerat. Diese gelten rund um die Uhr, also auch nach Schulschluss. In Berufsschulen und Kantonsschulen gebe es aber ausgezonte Areale, in denen geraucht werden darf.

Unter den Sekundarschulen gibt es eine Ausnahme, die das Rauchverbot sogar strenger regelt als die anderen Baselbieter Schulen, weil direkt vor dem Schulhaus eine Tramhaltestelle ist. «Das gesamte Schulareal ist eine rauchfreie Zone. Zu dieser gehört ebenfalls die Tramhaltestelle», heisst es in der Schulhausordnung der Sekundarschule Therwil.

«Natürlich gehört die Haltestelle nicht zum Schulareal», erklärt Schulleiter Jürg Lauener. «Aber sie ist direkt vor dem Schulhaus.» Man wolle nicht, dass die Schüler an der Haltestelle rauchen – wegen der Vorbildfunktion gegenüber jüngeren Schülern. Dies durchzusetzen, ist während der Schulzeit einfach: Werden Schüler an der Tramhaltestelle beim Rauchen erwischt, ist es das Verlassen des Areals während der Schulzeit, das verboten ist, nicht das Rauchen.

Ausserhalb der Schulzeiten könne man den Schülern, die alt genug sind, jedoch nicht verbieten, zu rauchen. Aber auch dann hofft Lauener auf die Vorbildfunktion.