Gewerbeschüler Sven hätte gerne mehr «persönliche Details» zu den einzelnen Kandidaten erfahren. Grünen-Nationalrätin Maya Graf fands «staubtrocken». Für Gewerbeschülerin Isabelle blieb die angegraute Politschar auf dem Podium «zu abstrakt».

Moderator Michael Rockenbach haderte mit der Teilnehmerzahl Sieben, die sich für spontanere Wortgefechte als zu gross entpuppte. Jugendrätin Patricia Kaiser urteilte, dass die meisten Wortbeiträge «viel zu lange» ausgefallen seien.

Der Blick zwischendurch auf den gut gefüllten Kronenmattsaal in Binningen verriet, dass vermutlich viele Zuhörerinnen und Zuhörer Kaisers Ansicht teilten. Bei ab Minute 35 störend zunehmendem Hintergrund-Tuschel-Geräuschpegel war für mehrere der zahlreich anwesenden Jugendlichen die Game-Funktion ihres Handys der einzig rettende Zeitvertreib. Andere gaben sich dem (minutenlangen) Sekundenschlaf hin.

Erstaunlich harmlos

Tatsächlich blieb man weitestgehend nett zueinander. Nett, unverbindlich und erstaunlich zahnlos. Am ersten Wahlpodium, an dem sämtliche fünf bisher Regierenden und die beiden neu Kandidierenden aus dem links-grünen Lager gemeinsam auftraten, fiel es beinahe schon unangenehm auf, dass die Binninger Alt-Landrätin Madeleine Göschke in der Publikums-Fragerunde zum Mikrofon griff und Sanitätsdirektor Peter Zwick mit dem altbekannten Vorwurf der verfehlten Spitalplanung auf dem Bruderholz konfrontierte.

Für dieses Imitat einer Landratsdebatte waren die normalsterblichen Zuhörer sicher nicht nach Binningen gekommen, doch war dies immerhin einer der emotionaleren Momente an einem ansonsten recht zähflüssigen Abend. Zwicks ebenso altbekannt-routinierte Antwort stand stellvertretend für viele Voten, die aus den Mündern der Bisherigen Sabine Pegoraro, Adrian Ballmer, Jörg Krähenbühl, Peter Zwick und Urs Wüthrich kamen. Man wiederholte schon oft Gesagt-Gehörtes zu den Themen Jugend, Sicherheit, Harrassenlauf, Zusammenarbeit der beiden Basel, Finanzen und Sparen.

Emotional wurde es nur noch, wenn Finanzdirektor Adrian Ballmer seinem Unmut über die Berichterstattung der «Basler Zeitung» in Sachen Sparprogramm freien Lauf liess: «Hören Sie mal, Herr Rockenbach, ich sage es immer wieder, und Sie schreiben es trotzdem immer wieder anders in der Zeitung: Mit den Wahlen hat die Standortbestimmung gleich gar nichts zu tun.»

Womit der FDP-Regierungsrat auf den Vorwurf anspielte, die Regierung zögere ihre Sparpläne bewusst über das Wahldatum hinaus. Bau- und Umweltdirektor Jörg Krähenbühl wollte seinerseits klar gestellt sehen, dass entgegen der vorherrschenden Ansicht im Publikum nicht seine Direktion für die Millionen-Ausgaben im Bauprogramm verantwortlich sei, sondern das BUD oft nur als ausführende Instanz amte: «Ich kann schon Nein sagen, aber das Parlament kann es nicht.»

Wenige Gelegenheiten für Neue

Dem Grünen-Herausforderer Isaac Reber und der SP-Herausforderin Pia Fankhauser blieben nur wenige Gelegenheiten, ihr Kandidaten-Profil zu schärfen und dem Wahlvolk mitzuteilen, was sie als Regierende besser machen würden. Das lag zum einen daran, dass das launige Moderatoren-Duo Michael Rockenbach («Basler Zeitung») und Jürg Gohl (bz) ausgerechnet bei Reber und Fankhauser die Guillotine der Redezeitbeschränkung niedersausen liess, während die Bisherigen exzessiv ihre Standpunkte darlegten. Andererseits wäre bei einem derart breit angelegten Themen-Panorama kaum eine detaillierte Diskussion zu einzelnen Sachfragen zu erwarten gewesen.

Immerhin: Reber betonte die «riesigen Doppelspurigkeiten bei der Spitalplanung» und den Umstand, dass Regierung und bürgerliche Parlamentsmehrheit bisher alle Sparvorstösse im Keim erstickt haben. «In den letzten dreieinhalb Jahren sind 85 Prozent aller Kostensteigerungen wegen Anträgen aus der Regierung entstanden.» Pia Fankhauser konnte nicht einmal das tun, denn irgendwie kam nie der Moment, in welchem sie irgendeine Trumpfkarte hätte ausspielen können.

So war es die zusammen mit Urs Wüthrich unterbeschäftigte FDP-Sicherheitsdirektorin Sabine Pegoraro, die mit dem Satz «Ein Grossteil der Jungen ist völlig normal» den einzigen Szenenapplaus des Abends abholte.

Und wen würde Gewerbeschüler Sven nach vollzogenem Podiumsmarathon wählen? «Keinen», lautete die Antwort des aufgeweckten 19-Jährigen beim Apéro. Was während der voran gegangenen 93 Minuten hin- und hergewälzt worden war, blieb seinem Weltverständnis aussen vor.