«Wir empfinden es als wichtig, dass Brautpaare auch in diesem Kantonsteil in einem würdigen Lokal heiraten können», sagt der Liestaler Stadtpräsident Lukas Ott. Deshalb habe Liestal kurzerhand den Stadtratssaal im Rathaus zur Verfügung gestellt, weil im Amtshaus seit kurzem keine Trauungen mehr durchgeführt werden. Bald sind aber auch die Eheschliessungen im Rathaus Geschichte. Denn der Kanton hat beschlossen, künftig nur noch Trauungen auf dem Zivilstandsamt in Arlesheim sowie auf den Schlössern Binningen, Bottmingen, Ebenrain in Sissach und Wildenstein in Bubendorf durchzuführen (bz berichtete). Das heisst, dass man auf der Burg Reichenstein in Arlesheim, im Prattler Schloss sowie in Laufen, Liestal und Waldenburg ab 2017 nicht mehr heiraten kann – «aus organisatorischen und damit auch finanziellen Gründen», wie es beim Kanton heisst.

«Ich finde es schade, dass auch diese schöne Tradition auf dem Sparaltar geopfert wird», ärgert sich Ott. Für viele Brautpaare sei es auch eine Frage der Identität, wo sie den Bund fürs Leben schliessen. «Und gerade in Liestal gehören Hochzeiten auch zum vertrauten Stadtbild, vor allem die Hochzeitsgesellschaften, die bis vor kurzem aus dem Amtshaus über den Zeughausplatz gingen.»

«Ich hätte ohne zu zögern bezahlt»

Auch der Prattler Gemeindepräsident Stephan Burgunder ist über die Angebotsreduktion bei den Trauungen im Kanton nicht erfreut. «Ich bedaure das sehr, denn das Prattler Schloss war bei Paaren sehr beliebt», sagt er. Das relativiert Andreas Rebsamen, Leiter der Zivilrechtsverwaltung in Arlesheim. Bei der Reduktion wurden genau die sechs genannten Gemeindetrausäle sowie das Schloss Angenstein ausgesucht, weil die Nachfrage da eben gering sei. Letztes Jahr fanden gerade einmal 23 der 1071 Trauungen in den sechs Gemeindetrausälen statt. Spitzenreiter war Laufen mit acht Trauungen, gefolgt von Pratteln und Liestal. Diese Zahlen erstaunen Burgunder kaum: «Man konnte in Pratteln ja höchstens einmal im Monat heiraten. Es ist für viele Paare schwierig, sich auf einen von so wenigen Terminen zu einigen.»

Auch er selbst hätte gerne in Pratteln geheiratet, musste wegen der wenigen angebotenen Daten aber auf Dornach ausweichen. «Ich finde: Wenn Heiratende bereit sind, einen entsprechenden Aufpreis zu zahlen, sollten sie die Möglichkeit haben, am Ort ihrer Wahl zu heiraten. Ich hätte das ohne zu zögern bezahlt.» Externe Trauungen kosten bereits jetzt mehr, als jene auf dem Zivilstandsamt Arlesheim (siehe Box). «Aber der Betrag ist nicht annähernd kostendeckend», betont Rebsamen. Die Zeit, die Standesbeamte in externe Hochzeiten investieren, gehe oft auf Überstunden, die kaum kompensierbar seien, weil die alltäglichen Aufgaben trotzdem erledigt sein müssen. «In der öffentlichen Wahrnehmung führen Zivilstandsbeamte nur Trauungen durch. In Wahrheit sind sie aber der kleinste Posten unter den normalen, registerbehördlichen Aufgaben. Wir müssen unsere Ressourcen bei den Hauptaufgaben bündeln, auch wenn die Reduktion bei Trauungen Emotionen trifft.»

Gerade weil es sich um ein emotionales Thema handelt, ist Rebsamen überrascht, dass keine negativen Reaktionen an die Zivilrechtsverwaltung gelangten. «Das heisst natürlich nicht, dass die Leute nicht die Faust im Sack machen», weiss er. Aber er wisse, dass auch viele die Angebotsreduktion verstehen. Zu ihnen gehört der Reinacher Gemeindepräsident Urs Hintermann. «Wenn das Angebot vorher sehr begehrt gewesen wäre, wäre das ein Verlust für Reinach», findet er. «Aber das Angebot wurde ja kaum genutzt. Da sind andere Verluste schwerwiegender für Reinach, etwa dass man nun nach Liestal ins Passbüro muss.»