Grossmehrheitlich hat der Landrat am 9. Februar einen Baukredit von 14 Millionen Franken für den Margarethenstich gesprochen. Dagegen wird nun das Referendum ergriffen. Das bestätigt der ehemalige Binninger FDP-Landrat Roger Moll auf Anfrage. Noch sei das Referendum in der Vernehmlassung beim Juristen, aber mit der Sammlung der Unterschriften soll es demnächst losgehen. «Es wird kein Problem sein, die 1500 Unterschriften zusammenzukriegen, bis die Frist am 13. April ausläuft», ist Moll überzeugt. «Die Abstimmung danach wird aber schwierig werden.»

Gründe für ein Referendum gebe es viele, so Moll. Noch sei das Argumentarium allerdings geheim. Ein paar Punkte daraus nennt Moll trotzdem schon. Zum einen bereite ihm der Stau Sorgen. «Bei der Umweltverträglichkeitsprüfung wurde nur ein Teil des betroffenen Perimeters einbezogen», ärgert er sich. Da die neue Tramlinie die Strasse kreuzen müsste, würde die geplante Tramführung zu zusätzlichem Stau auf dem Margarethenviadukt, im Dorenbachkreisel und auf der Binninger Hauptstrasse führen, glaubt Roger Moll.

Konsequenzen für Binningen

Diese Ansicht teilt auch der Binninger Gemeindepräsident Mike Keller. Dass das Referendum ergriffen wird, war ihm bisher nicht bekannt. «Ich kann es aber verstehen», sagt er auf Anfrage. Denn für Binningen habe der Margarethenstich mehr Nach- als Vorteile. «Dass das Tram bei der Haltestelle Dorenbach die Baslerstrasse kreuzen muss, wird einen negativen Einfluss auf den Verkehrsfluss in Binningen haben.» Im Zug der Taktverdichtung und der künftigen Linienführung der Tramlinien 10/17 werde auch der heute noch einspurige Bereich Spiesshöfli in Binningen auf Doppelspur ausgebaut. «Auch das hat direkte Konsequenzen für Binningen. Denn im Zug der Ausbauarbeiten werden Gleisübergänge aufgehoben und die Lebensqualität dadurch beeinträchtigt.» Für die Binninger Bevölkerung bestehe wohl wenig Interesse an einer direkten Anbindung der Linie 17 an den Bahnhof. Denn Binningen sei heute schon sehr gut mit dem öV an den Bahnhof und an die Stadt angeschlossen. 

Bessere Anbindung fürs Leimental

Aus regionaler Sicht allerdings habe er Verständnis für die Notwendigkeit der neuen Linienführung, betont Keller. «Im Gegensatz zum Birstal gibt es im Leimental keine Erschliessung mit der Eisenbahn. Der Wunsch nach einer direkten Anbindung an den Bahnhof in Basel ist deshalb nachvollziehbar und für die weitere Entwicklung des hinteren Leimentals wichtig.» Dass BLT und BVB zudem das Netz der Linien 10 und 17 auf dem Stadtboden entflechten und optimieren wollen, mache sicher Sinn. Dass aber im Leimental die Bevölkerungszahl in den kommenden Jahren steigen und damit trotz des verbesserten öV-Angebots auch der Individualverkehr zunehmen werde, sei noch nicht gelöst. «Will ein Autofahrer aus dem Leimental in die Stadt, fährt er auf einer der beiden Hauptstrassen durch Binningen. Da ist die Kapazität zu den Hauptverkehrszeiten schon heute ausgereizt – und wird mit der Tramquerung beim Margarethenstich künftig zusätzlich strapaziert.»

Ein Referendum zum Margarethenstich drohte einst schon aus Basel-Stadt. Dort störte man sich daran, dass der ganze Nutzen im Baselbiet liege, Basel-Stadt aber die Hälfte der Kosten tragen soll. Die Baselbieter Regierung unterbreitete deshalb von sich aus ein Angebot: Sie werde zwei Drittel der Kosten übernehmen. Damit legte sich in Basel auch das Begehren auf ein Referendum.