Mit dem Visitationsbericht erhielten die Parlamentarier der Reformierten Kirche Baselland an ihrer gestrigen Herbstsynode schon fast ein Generationenwerk vorgesetzt. Denn zum ersten Mal seit 20 Jahren ist das Innenleben der Baselbieter Reformierten wieder durchleuchtet worden. Dazu wurden diverse Kreise befragt. Aufgrund der Antworten sowie eigener Erfahrungen gab dann die Visitationskommission unter Leitung von Peter Schmid Handlungsempfehlungen ab und verpackte das Ganze im Visitationsbericht.

Dieser Peter Schmid vermittelte den Synodalen im Landratssaal genauso blumig, wie er es früher an gleicher Stätte als Regierungsrat getan hatte, die Haltung seiner Kommission. Und er machte gleich klar: «Der Bericht ist der Ausgangspunkt, nicht das Ende des Prozesses. Zusätzliche Ideen sind möglich.» Und auch über den Ablauf des Prozesses hat Schmid klare Vorstellungen. So sollen die Reformierten «die Nase heben, ohne hochnäsig zu werden». Statt im «allgegenwärtigen» Tagesgeschäft zu versinken, sollten sie den Blick über den Tellerrand richten und sich fragen, wo sie in zwölf Jahren sein könnten. Dazu brauche es einen Feldstecher, nicht eine Lupe.

Fundamentalkritik chancenlos

Auch dürfen die Reformierten in Schmids Augen «ansprechender» werden und mehr über den eigenen Glauben reden. Dies sowohl unter Ihresgleichen wie auch mit Vertretern anderer Weltreligionen. Bei der Freiwilligenarbeit seien professionelle Massstäbe anzuwenden und ganz gezielt Leute zu suchen. Daneben brauche es mehr Kooperation unter den Kirchgemeinden und mit der Kantonalkirche. Und abschliessend sagte Schmid: «Wir hoffen, dass Sie loslegen und nicht warten. Dies nach dem Motto Schuhe binden, Karte nehmen und loslaufen.»

Kirchenratspräsident Martin Stingelin lobte die Arbeit der Visitationskommission und kündete an, dass sich die Exekutive in einer Retraite im Januar vertieft mit den Handlungsempfehlungen auseinandersetzen und «filtern und priorisieren» werde. Der Kirchenrat erbat sich von der Synode den Auftrag, dieser bis im nächsten Frühling ein Konzept zur Umsetzung des Visitationsberichts vorzulegen. Bei den Synodalen stiess der Visitationsbericht auf auffallende Zurückhaltung.

Nebst einem Lob gab es eine Kritik von Stephan Kux (Arlesheim), dass die anstehende Unternehmenssteuerreform III nicht berücksichtigt worden sei, die der Kirche massiv Mittel entziehe. Und dann gab es noch eine Fundamentalkritik von Hans-Peter Mohler (Liestal), der vor allem die Sinnfrage der Kirche im Bericht vermisst. Er stellte – kurz zusammengefasst – den Zusatzantrag, dass das kirchenrätliche Konzept explizit festzuhalten habe, dass die Verkündung des Evangeliums zur kirchenverfasslichen Grundaufgabe der Reformierten Kirche Baselland gehöre.

Dieser Zusatzantrag löste einen kurzen pfarrherrlichen Disput aus. Lukas Baumann (Rothenfluh) unterstützte Mohler und plädierte dafür, auch das Geistliche bei der Reform im Blick zu behalten. Robert Ziegler (Pratteln) dagegen wollte nichts von einer Bekenntniskirche wissen. Und Stingelin plädierte dafür, die Ebenen nicht zu vermischen und Mohlers Anliegen bei der Revision der Kirchenverfassung zu diskutieren. Das sahen die Synodalen grossmehrheitlich auch so und folgten dem Kirchenrat.