Die Zukunft der Tagungsstätte Leuenberg ob Hölstein stand am Mittwoch nicht ganz unerwartet im Zentrum der Diskussionen der Herbstsynode der Reformierten Kirche Baselland. Grundlage war das Papier «Planung der finanziellen Beiträge ab 2016» des Kirchenrats, das wiederum auf Vorarbeiten einer Kommission mit Vertretern diverser Kirchengremien basierte.

Und dieses Papier über die künftige Verteilung von Beiträgen machte den Leuenberg als weitaus grössten Sparbrocken aus. Ihm sollten sowohl die Beiträge an die Studienleitung wie auch an den baulichen Unterhalt von insgesamt 475 000 Franken jährlich gestrichen werden (die bz berichtete).

Kirchenrat und Finanzchef Christoph Erhardt bettete dieses Sparvorhaben in den Gesamtrahmen der «würgenden Kräfte» ein: Den Reformierten mache der jährliche Mitgliederrückgang um 1,3 Prozent mit sinkenden Kantonsbeiträgen und Steuereinnahmen als Folge sowie die zu stopfende Pensionskassenlücke von jährlich rund 1,5 Millionen Franken bis 2024 zu schaffen. Erhardt begründete das Leuenberg-Streichkonzert damit, dass die kirchliche Erwachsenenbildung dort, aber auch in den Zentren anderer Kantone, massiv an Zulauf verloren habe, sodass die Kirche mittlerweile gegen 500 Franken pro Teilnehmer drauf zahle.

Leuenberg-Verein wehrt sich

Den abrupten Beitragsstopp wollten Robert und Thomas Ziegler nicht einfach so hinnehmen. Die Brüder sitzen im Vorstand des Leuenberg-Vereins, dem das Tagungszentrum gehört. Dies auch, weil der Verein schon seit längerem eine Anschlusslösung suche, und derzeit entsprechende Gespräche liefen. Deshalb machten die Zieglers den andern Synodalen beliebt, folgenden Antrag anzunehmen: Eine Liquidation soll möglichst vermieden werden, für die 30 Mitarbeiter eine sozialverträgliche Lösung gefunden werden und der Leuenberg kirchlichen Gruppierungen weiterhin zur Verfügung stehen. Sollte sich dabei eine weitere Beteiligung der Kirche als nötig erweisen, solle der Kirchenrat der Synode einen entsprechenden Antrag zulasten des Budgets 2016 stellen.

Pfarrer Robert Ziegler rief in den Landratssaal: «Geben Sie dem Leuenberg eine Chance, einen anständigen Übergang in eine neue Zukunft zu finden und würdigen Sie, dass der Leuenberg und die Baselbieter Kirche jahrzehntelang verbunden waren.» Damit stiess er bei etlichen Synodalen auf Zustimmung. So etwa bei Stephan Degen und Niggi Ullrich, die beide ihre Frauen auf dem Leuenberg kennen gelernt haben. Oder bei Lorenz Degen: «Das Waldenburgertal ist im Krebsgang. Jetzt kann nicht auch noch der Leuenberg nach dem Motto ‹Der Letzte löscht das Licht› in der Verwahrlosung verschwinden. Wir stehen in der Verantwortung.»

Die Stimmung kippte aber mit dem Appell von Kirchenratspräsident Martin Stingelin. Er verwies auf die millionenschweren Investitionen der Kirche in der Vergangenheit auf dem Leuenberg, wo viel Gutes gemacht worden sei. Aber das Zentrum sei nie wie erhofft selbsttragend geworden, und heute könne sich die Kirche die Beiträge nicht mehr leisten. Jetzt sei der Zeitpunkt für den Ausstieg, weil die Studienleitung nur noch befristet angestellt sei. Stingelin: «Gebt uns Verhandlungsspielraum, engt uns nicht ein.» Mit dem letzten Punkt des Ziegler-Antrags sei er aber einverstanden. So entschied die Synode dann auch mehrheitlich: Die Leuenberg-Beiträge werden ab 2016 gestrichen. Wenn es Sinn macht, kann der Kirchenrat aber einen Budgetposten beantragen. Kommentar unten