Matthias Plattner ist überzeugt, dass Privatschulen einem Bedürfnis entsprechen. Deshalb hat der reformierte Pfarrer aus Sissach mit Mitstreitern den Verein Schule Nova gegründet. Dieser bezweckt, eine Schule nach dem Sudbury-Modell zu führen (siehe Box). Anfang Monat startete das Projekt in einem Provisorium, einem leer gestandenen Kindergartenpavillon, den die Gemeinde Sissach dem Verein vermietet.

Unzufrieden und unsicher

«Manche Eltern sind unzufrieden, wie es mit ihren Kindern in der Schule läuft», konstatiert Plattner und meint weiter: «Es gibt auch junge Eltern, die unsicher sind, ob sie ihre Kinder in der öffentlichen Schule einschulen wollen.» Privatschulen hätten in den vergangenen Jahren Zulauf und Zuwachs, auch von Personal. Plattner verweist auf Lehrkräfte, die aus der Volksschule ausgestiegen sind. Er war früher selber Lehrer, seine Frau ist diesem Beruf bis heute treu geblieben. Zunehmend habe sie gestört, dass sie Kindern in der öffentlichen Schule nicht mehr gerecht werden könne, berichtet Matthias Plattner. «Sie fand es zunehmend unbefriedigend zu sehen, wie immer wieder Kinder durch dauerndes Bewerten, Messen und Vergleichen in Stress geraten.» Schüler sind eben sehr unterschiedlich und haben verschiedene Bedürfnisse.

Nach einer Weiterbildung in Begabungs- und Begabtenförderung für Kinder wurde Marianne Plattner auf das Sudbury-Konzept aufmerksam. Der Verein Schule Nova hat sie nun als Schulleiterin der neu eröffneten Privatschule in Sissach berufen.

Derzeit besuchen erst wenige Kinder die Schule. Angestrebt wird eine Schulgrösse von 20 bis maximal 35 Kindern zwischen 5 und 17 Jahren, was zwei Klassen entspräche, die aber nicht in Jahrgangsklassen aufgeteilt sind, sondern sich altersgemischt in Interessensgruppen zusammenfinden. Lehrkräfte und Betreuungspersonen werden Schritt für Schritt angestellt. Anfang des kommenden Jahres zieht die Schule innerhalb von Sissach in ein grosses, altes Gebäude mit Umschwung, wo dann ihr definitives Domizil ist.

Förderverein im Hintergrund

Der Verein Schule Nova organisiert den Schulbetrieb und ist für die Infrastruktur zuständig. Als Trägerschaft und Rechtsperson steht er gegenüber dem Staat und den Eltern in der Verantwortung. Alimentiert wird der Verein von Schulgeldern der Erziehungsberechtigten, Mitgliederbeiträgen und freiwilligen Zuwendungen.

Im Hintergrund agiert ein Förderverein, der finanzielle Ressourcen generieren soll. Ein Schulplatz kostet monatlich 1800 Franken. Ohne Drittgelder läuft nichts, Eltern könnten diesen Betrag oft nicht voll bezahlen. «Wir hoffen, dass irgendwann die freie Schulwahl kommt und eine Zeit, in welcher der Kanton nicht mehr sparen muss», blickt Matthias Plattner in die Zukunft. Vorläufig brauche es den Idealismus von gut situierten Unterstützern, die bereit seien, als Sponsoren für Schulgelder aufzutreten.

Konfessionell neutral ist der gemeinnützige Verein gemäss Eintrag im Schweizerischen Handelsamtsblatt. Plattner ist reformierter Pfarrer. Beisst sich das nicht? «Nein, weil dieses Engagement nichts mit meinem Beruf zu tun hat», entgegnet der Sissacher. Er sei ja nicht angestellt, sondern bloss Präsident des Vereins. Die Schule steht offen für alle Kinder, unabhängig ihrer Religionszugehörigkeit. «Das ist unsere Haltung und auch Voraussetzung, damit man die Bewilligung des Kantons erhält», sagt Matthias Plattner. Das Amt für Volksschulen hat das Projekt bewilligt.