Mit einem Schlag ist 2019 ganz nah. Grünen-Landrat Philipp Schoch überraschte gestern gegenüber dem «Regionaljournal» mit der Aussage, dass er Baselbieter Regierungsrat werden will. Konkret sagte er: «Ich habe Interesse an diesem Amt.» Er möge Herausforderungen und hätte schon als Landratspräsident gezeigt, dass er damit umgehen könne. «Wieso also nicht.» Allerdings schloss Schoch mit einer Einschränkung: «Heute ist leider nicht der Zeitpunkt, um über das zu reden.»

Nun, er redete ja im Radio – und erwischte damit seine Partei und den amtierenden Grünen-Regierungsrat Isaac Reber auf dem falschen Fuss. Denn abgesprochen war Schochs Vorpreschen nicht, das bestätigt er gegenüber der «Schweiz am Wochenende»: «Eigentlich wollte ich erst Anfang 2018 über meine persönlichen Ambitionen informieren, alles koordiniert mit meiner Partei, doch ich wurde im Radio-Interview selbst auf dem falschen Fuss erwischt.»

Tatsächlich drehte sich das Gespräch eigentlich um Mobilität nach dem Volks-Nein zum Margarethenstich und schwenkte erst ganz zum Schluss auf die Regierungsambitionen um.
Schoch: «Ein bisschen egoistisch»

Doch einmal gesagt, steht der 44-jährige Prattler auch dazu: «Ich wäre bereit und habe Lust, anzutreten.» Die voraussichtlich nächste Gelegenheit dazu böte sich im Frühjahr 2019, dann stehen die nächsten Gesamterneuerungswahlen von Regierungs- und Landrat an. «Dieser Zeitpunkt wäre ideal, weil ich dann den Menschen noch als Landratspräsident in Erinnerung bin», sagt Schoch, der bis vergangenen Sommer das Amt des höchsten Baselbieters innehatte. Während des Präsidialjahres hätte sich auch erst die Lust aufs Exekutivamt entwickelt. «Davor hätte ich es mir gar nicht zugetraut, doch so erhielt ich vertieften Einblick in die Regierungsarbeit und merkte, dass mir das sehr gefällt.»

Schochs Karriereplan hat allerdings einen Haken: Isaac Reber ist noch im Amt. Und der Sicherheitsdirektor lässt sich nicht in die Karten blicken, ob er 2019 weitermachen oder nach zwei Amtszeiten aufhören möchte. Dies bestätigte er gestern auch nochmals kurz und knapp («Ich bin sehr gerne Regierungsrat»). Zu Schochs Ambitionen möchte Reber nicht Stellung nehmen. So bleibt der Eindruck, dass Schoch Reber indirekt angreift oder zumindest innerparteilich unter Druck setzt. «Man kann es als Angriff interpretieren, doch das ist sicher nicht meine Absicht», verteidigt sich Schoch. Reber leiste gute Arbeit und habe Vorrang. Und er fügt an: «Vielleicht war es ein bisschen egoistisch von mir.»

SP rät Grünen zu Zurückhaltung

Wobei: Erst Anfang September sagte Reber in einem bz-Interview, dass er schon 2015 nichts gegen eine Zweier-Kandidatur der Grünen gehabt hätte. Tritt die Partei, die rund zehn Prozent des Stimmvolks hinter sich weiss, also 2019 mit beiden an? «Das wäre taktisch ungeschickt», sagt Schoch. Zu ähnlich seien ihre Positionen. Ausserdem: «Bevor wir zu zweit kommen, muss die SP wieder in die Regierung. Alles andere wäre ein Affront.»

SP-Präsident Adil Koller möchte nicht so weit gehen: «Die Grünen wissen selbst am besten, mit wie vielen Kandidaten sie antreten. Auch wir schauen zuerst auf unsere Kandidatur und dann diskutieren wir, ob wir eine gemeinsame Strategie fahren können.» Einen Tipp hat Koller jedoch: «Die eigenen Stärken kennen und nicht übers Ziel hinausschiessen kann von Vorteil sein.» Dies habe die SP selbst gelernt, als sie 2015 mit zwei Kandidaten antrat und keinen in den Regierungsrat brachte. Übrigens: Bei den Bürgerlichen nimmt man Schochs Vorpreschen eher amüsiert zur Kenntnis. SVP-Präsident Oskar Kämpfer: «Wenn Linksgrün sich schon jetzt selbst zerfleischt, kann uns das nur recht sein.»