«Die Schweiz und ihre 25 Kantone schauen uns auch zu», sagte Regierungsrat Anton Lauber. Innerhalb weniger Minuten hatte sich der Mittenza-Saal kurz vor acht Uhr abends gefüllt. Die geplante Salzgewinnung auf der Rütihard sorgt in der Muttenzer Bevölkerung für grossen Unmut.

Doch der lokale Widerstand gegen Salzbohrungen auf der Rütihard hat nationale Tragweite, wie der Baselbieter Finanzdirektor richtig anmerkte. Vom hinteren Laufental bis ins Mattertal oder ins Puschlav: Die Salinen beliefern im Auftrag der Kantone als Salz-Monopolistin die gesamte Schweiz mit Salz. Sämtliche 26 Kantone entsenden ihren Finanzdirektor oder ihre Finanzdirektorin in den Verwaltungsrat.

Anton Lauber und Eva Herzog vertreten die beiden Basel. Und so sagte Regierungsrat Lauber, er werde an der kommenden Verwaltungsratssitzung seine Erkenntnisse zu diesem Abend berichten.

«Unfassbare Planung»

Würde es der Schweizer Saline verwehrt, ab 2025 Salz auf der Rütihard zu fördern, so wäre die autarke Salzversorgung nicht mehr möglich, wiederholte sich Geschäftsführer Urs Hofmeier in den vergangenen Wochen gebetsmühlenartig. «Es gibt keinen Plan B, auch wenn dies als Geschäftsführer eines Unternehmens unangenehm ist», sagte Hofmeier auch im Mittenza.

«Für mich ist es unfassbar, dass man so plant», erwiderte ein Mann, in der durch Moderator Roger Ehret geführten Diskussion. «Ich ermuntere die Salinen, den Salzabbau auf der Rütihard nicht alternativlos darzustellen, sondern sich wirtschaftliche Lösungen zu überlegen.»

Das Forum zeigte wiederum, wie gross der Druck auf die Schweizer Salinen und die Bürgergemeinde Muttenz als Landbesitzerin ist. Fast alle Fragen kamen aus dem Lager der «Rettet die Rütihard»-Bewegung.

«Ja, da steh ich dazu, die letzten drei Wochen haben mich emotional mitgenommen, die Rüthard verfolgt mich in die Nacht», sagte Bürgerratspräsident Hans-Ulrich Studer. Die Bohrgegner kritisierten ihn wegen seiner Informationspolitik – so auch am Dienstagabend. Studer stellte die Sondierbohrungen als Abklärungen dar, obwohl die Salinen keine Zweifel offenlassen, baldmöglichst auf der Rütihard Salz gewinnen zu wollen. Ein anderer Redner aus dem Plenum verlangte, die Gemeinde und nicht nur die Bürger sollten über die Bohrungen auf der Rütihard abstimmen dürfen. «Wir sind nicht der Gesamtbevölkerung verpflichtet», sagte Studer. Diese Forderung sei neu für ihn und er könne ihr nicht entsprechen.

Das Forum zur Salzgewinnung weckte grosses Interesse bei der Bevölkerung.

Das Forum zur Salzgewinnung weckte grosses Interesse bei der Bevölkerung.

Der Kanton und seine drei Hüte

Auch Regierungsrat Lauber musste sich als Vertreter des Kantons einem kritischen Votum stellen. Paul Imbeck fragte: «Wie gehen Sie mit drei Hüten um, Herr Dr. Lauber?» Der Kanton Basel-Landschaft vergibt den Salinen die Konzession und anschliessend auch die Baubewilligungen. Zudem ist er durch den Finanzdirektor im Verwaltungsrat vertreten. «Es ist eine heikle Konstruktion», sagte Imbeck.

Lauber nahm die Frage mit einem Lächeln entgegen, er habe sie erwartet. «Die Konzession wird nun mal durch den Kanton als Träger des Salzregals vergeben und die Baubewilligungen ausserhalb des Kantons zu prüfen, ist keine Option», sagte Lauber. «Aber Andreas Weiss, der Vorsteher des Bauinspektorats, hat keine Weisungen von mir anzunehmen.» Das Verwaltungsratssalär gebe er ab und am besten wäre er nicht im Gremium, sagte Lauber. «Nur ist es ein Problem, wenn sich ausgerechnet der Kanton Basel-Landschaft als einziger der 26 Kantone, und erst noch als Standortkanton, aus dem Unternehmen und Monopolisten zurückzieht.»

Um Viertel vor zehn wollte Moderator Ehret zum Schlusswort ansetzen. Noch immer ragte ein dutzend Hände in die Höhe. Landwirt Ruedi Brunner stand auf seinen Stuhl und ergriff das Wort. «Die 4,5 Millionen Tonnen Salz gehen nicht verloren, wenn wir sie nicht morgen fördern», sagte er und erntete Applaus. «Plan B wären zum Beispiel Rheinschiffe voll Salz, die hochkommen müssten», sagte Regierungsrat Lauber. Versprechen könne er nichts.