Herr Wüthrich, das Baselbiet musste lange auf sein neues Kulturleitbild warten. Ende gut, alles gut?
Urs Wüthrich: Das Warten hat sich tatsächlich gelohnt. Rückblickend hätten wir das Leitbild aber wohl erst später ankündigen sollen.

Wie wird sich das Leitbild nun konkret auf die Baselbieter Kultur auswirken?
Eine ganz zentrale Botschaft ist, dass Baselland über einen grossen kulturellen Reichtum verfügt. Wir haben keine Mono-, sondern eine Mischkultur, eine Vielfalt, was ich auf die Dauer für robuster halte. Gerade mit der neuen Anlaufstelle «Unser Pool» wollen wir stärker interkommunale Kultur-Kooperationen fördern. Das Leitbild soll zudem in Erinnerung rufen, dass es in Sachen Kulturförderung nicht bloss um eine Partnerschaft zwischen Baselland und Basel-Stadt, sondern auch zwischen Kanton und Gemeinden sowie den Gemeinden untereinander gehen muss.

Letzten Endes dreht sich bei der Kulturförderung vieles ums Geld. Wie viel Spielraum haben Sie trotz Ausgabenstopps?
Positiv ist, dass wir in den letzten Jahren trotz schwieriger finanzieller Verhältnisse im Kulturbereich ein Wachstum verzeichnen konnten. Gleichzeitig haben wir nun die im Leitbild aufgelisteten Projekte mit einem Preisschild versehen, sodass der Landrat schnell erkennt, ob es in die Finanzplanung passt. Denn klar ist auch, dass die Ausgaben mit der Aufnahme ins Leitbild noch nicht beschlossen sind.

Stichwort Theater Basel: Es ist zwar aufgelistet, allerdings ohne klares Bekenntnis des Kantons Baselland.
Im Gegenteil. Die dank mehr Steuereinnahmen wachsende Kulturvertragspauschale sichert uns punkto Theater Basel mehr Spielraum. Allerdings wäre es politisch sicher falsch gewesen, im Leitbild unsere genaue Verhandlungsposition zu verkünden.

Was auch auffällt, ist der Aufruf an die Gemeinden, ihre eigenen Kulturprojekte selbst zu fördern, anstatt nur auf den Kanton zu hoffen.
Mit der Charta von Muttenz haben die Gemeinden diesen Aufruf sicher auch begriffen. Sie wollen ja stärker Verantwortung übernehmen. Die «Kultur vor Ort» ist demnach klar Gemeindesache.